Warum Mainstream-Kirchen verlieren – Gewinner und Verlierer

16 Jun

Im letzten Post habe ich schon über das Ende von Bewegungen in The Churching of America von Rodney Stark und Roger Finke berichtet. Ein Grund war der Übergang einer Bewegung in eine Machtorganisation (Kirche). Jetzt kommt das Argument, warum Mainstream-Kirchen verlieren am Beispiel der Katholiken. (Frühere Einträge der Serie: 1 – überblick; 2 – aufstieg der außenseiter; 3 – ende von bewegungen).

In Europa erfreuten die Katholiken sich schon lange einer staatlichen Prominenz. In der neuen Welt kamen sie als Außenseiter ins Spiel und entfachten dort eine großartige Wirkung. Ihr Wachstum ging von ca. 3.500 Mitgliedern in 1776 auf 1,1 Millionen in 1850 auf 7,3 Millionen in 1890. Gewachsen sind sie durch die vielen Immigranten aus Europa (Iren, Polen, Italiener) und Südamerika, wo sie für die Neuanömmlinge eine Hafen der Vertrautheit und Verwurzelung boten. Außerdem zeigten sie sich sehr offen für neue Methoden wie die Erweckungstreffen, sowie die Unterstützung der Schulen durch billige Arbeitskräfte (Nonnen).

Dann passierte in 1962 etwas, das diese Dyanmik fast total zum Stillstand brachte. Waren zu diesem Zeitpunkt 48.046 Studenten in den katholischen Priesterschulen aktiv, waren es 2003 nur noch 4.522 Studenten. Waren damals 181.142 Nonnen aktiv, waren es 2003 nur noch 74.698 Schwestern. Die Laienbeteiligung ging völlig bergab. Die Rekrutierung von Novizen in Orden wurde ernom schwerfällig. Warum? Stark und Finke weißen auf das Jahr 1962 als Knackpunkt hin – den 2. Vatikanischen Konzil. Bei diesen Treffen entschieden sich die katholischen Obersten, den Glauben zu säkularisieren und die Formen der neuen Welt anzupassen. Was von vielen begrüßt wurde, hatte schlechte Auswirkungen auf die Kirche und zeigt 3 Formeln, warum Mainstreamkirchen verlieren.

Abnehmende Spannung = weniger Identifikation

Spannung bedeutet für Rodney Stark den Kontrast zur Welt um sich herum. Kontrast führt zu Identität und Identifizierung, was wesentlich für Glaubensbewegungen ist. Wenn ich mich aufgrund meines Glaubens vom Umfeld abhebe, dann muss die inner Motivation hoch sein und ich bekomme von meinen Glaubensgeschwistern reichlich unterstützung. Im Gegensatz dazu führt Anpassung dazu, die Verhaltensweisen der Umgebung anzunehmen. Das ist häufig für die innere Motivation und das selbstlose Verhalten schlecht. Seine Aussagen dazu:

Ich glaube nicht, dass Establishment gut für Kirchen ist. Sie begeben sich damit in den weltlichen Raum auf eine Weise, die unpassend ist und sie verändert. Am Ende von Konstantins Herrschaft sehen wir Menschen, die um Bischofsposten wegen Geld wettweifern. Danach war das Christentum keine Bewegung von Person-zu-Person mehr.

Abnehmende Kosten = weniger Belohnung

Eine zentrale These von Starks Arbeiten ist das Kosten-Nutzen Verhältnis von Glauben. Menschen wollen einerseits die Kosten von Religion minimieren, andererseits den Nutzen maxximieren. Hohe Kosten führen auch zu einem hohen Nutzen – wenn Menschen für ihren Glauben opfern, dann bekommen sie auch eher geistliche und soziale Bestätigung für ihr Verhalten. Intensität ist wichtig, um dem Glaubenden geistliche und emotionale Belohnung für sein Verhalten zu geben. Das geht nur über hohe Kosten. Stark meint: :

Hohe Kosten für Mitgliedschaft und klare Grenzen produzieren ein kollektives Gut durch Vorbild und Ausschluss. Das Vorbild von normalen Mitglieder spornt andere Mitglieder in Zuversicht und Hingabe an. Wenn Mitglieder ihre Zuversicht in ihren Glauben ausdrücken stärkt das den Glauben der anderen. Und wenn normale Mitglieder hohe Hingabe zeigen, dann tun das andere auch eher. Ausschluss funktionert indem die hohe Kosten der Mitgliedschaft die Halbherzigen und Uninteressierten vertreibt und damit die Intensität der Zugehörigkeit stark erhöht.

Abnehmende Beteiligung = weniger Wirkung

Wenn die Spannung und Kosten abnehmen führt das zu weniger Beteiligung im Leben der Gläubigen und letztlich zu weiterer Verwässerung und Schwäche. Wenn alles in der Hand von Profis liegt, nimmt die Wirkung in die Umwelt natürlich ab, weil diese Profis ja nicht mit so vielen Leuten in Kontakt sind wie all die Nicht-Profis es sein könnten. Außerdem haben Profis in einem Thema die Tendenz, sich mit Fragen zu beschäftigen, die für die große Masse nicht mehr wesentlich sind – womit selbst die limitierten Möglichkeiten der Profis weiter eingeschränkt wird.

die letzen 200 Jahre der Kirchengeschichte in Amerika zeigt, dass teure Gruppen am stärksten wachsen. Nur hohe Ansprüche und klare Grenze können die Ressourcen für Wachstum generieren.

Auf die Gefahr hin, diese Serie mit zu vielen Worten zu würdigen: es gibt noch 2 Teile – warum Einheits-Ansätze scheitern, sowie wie bleiben Bewegungen frisch und wachsend.

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