interessant und danaben – warum die Frage nach Relevanz gut ist

12 Jun

Mein Bedenken ist nicht, dass du scheitern wirst
Sondern Erfolg im Nebensächlichen haben wirst

Als weltoffener Mensch interessiert mich, was Leute denken und mit ihrem Leben machen. Manchmal treffe ich Leute, die sich sehr in eine Sache vertiefen und sichtbar von ihr angetan sind. Und wenn ich ihnen die Frage stelle: und was bringt das? dann schauen sie als ob ich nach der Gleichung zur Lösung von Welthunger gefragt hätte.

Wenn man in einem Feld studiert – und mit vielen anderen Experten in diesem Feld rumhängt – dann steigert man sich gegenseitig hoch. Fast wie bei meinem Sohn auf dem Spielplatz. Aber nach einer Weile kann diese Diskussion zum Selbstzweck werden und man verliert den Realitätsbezug. Eine Theorie aus der Wirtschaft kann hier helfen:

In jedem Feld gibt es Forschung und technischen Fortschritt. Das ist gut, weil bessere Produkte lassen sich besser verkaufen. Mit den besseren Produkten wächst dann auch der Anspruch an Produkte und die Forscher müssen immer weiter forschen. Allerdings gibt es einen Haken bei der Sache: die Forscher sind schneller als die Kunden ihren Anspruch entwickeln können. Man sieht das in der Autobranche: die meisten Autos fahren, haben auch Klimaanlage und GPS. Was brauchst du noch? Aber die Forscher machen natürlich alles noch besser und besser, was das Auto aber immer teurer macht und für die ganz Reichen dann gut genug ist. Damit bringen sich die etablierten Firmen aber irgendwann in eine große Gefahr: sie haben eine tolles, ausgefeiltes Produkt, das sehr teuer ist und weit mehr als die meisten Leute brauchen. Overshooting nennt man das.

Jetzt kann eine kleine, fernöstlicher Firma herkommen, ein sticknormales Auto zusammenschrauben und das ganze für ein Appel und ein Ei anbieten (disruptive innovation nennt man das dann). Und auf einmal rennen die schönen Herren Forscher und Nobelautohersteller in den Bankrott. Weil ihre Angebote gehen am Markt vorbei.

Die meisten Intellektuellen sind keinen wirtschaftlichen Zwängen unterlegen. Die dürfen forschen was sie wollen, das muss keiner kaufen wollen. Daher ist es dort noch etwas schwieriger zu merken, wenn das total an den Leuten vorbei geht. Wenn ich so Stücke und Fetzen aus einem Theologie-Studium mitbekomme, drängt sich mir schon die Frage auf: was interessiert denn das? (die Antwort ist oft: na, mich).

Das Problem mit Relevanz ist natürlich, dass man das nicht immer gleich weiß. Manchmal muss man erst was verstehen, bevor man sagen kann: das hätte ich mir schenken können. Die erste Erkenntnis ist aber, dass man sich eingesteht, dass man sich manche Dinge schenken kann, selbst wenn die interessant sind.

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