Das Ende von Bewegungen – Gewinner und Verlierer

26 Mai

Die Entwicklung von Kirchen in Amerika von 1776 bis 2005 verdeutlichen schön die inneren Dynamiken von Bewegungen (Teil 1 und Teil 2 der Serie). Rodney Stark und Roger Finke zeigten, wie die Außenseiter (Methodisten und Baptisten) stark in den Jahren von 1776 bis 1850 wuchsen. Dann blieben die Methodisten irgendwann auf der Strecke, während die Baptisten weiter zunahmen, wie auf dem Bild zu sehen. Wie passiert das so einer dynmischen Bewegung wie den Methodisten? Warum kommen Bewegungen an so einen Knickpunkt?

null

Finke und Stark beschreiben das Schicksal der Methodisten als Sekten-Kirche-Transformation. In der Soziologie ist „Sekte“ ein neutraler Begriff für neue religiöse Gruppen. Diese sind häufig reformatorisch und kritisieren Aspekte der etablierten Organisationen und stehen in einer inhaltlichen Spannung zur Umwelt. Das kann zum Wachstum führen wie bei den Methodisten und Baptisten. Irgendwann werden diese Sekten mit einer gewissen Größe zu Kirchen – was bedeutet, dass die Spannung zur Umwelt abnimmt und sie „weltlicher“ werden. Das kommt durch die größere Anzahl von Mitgliedern, dem Einfluss von mächtigen und reichen Mitgliedern wie einer zunehmend gebildeten Führungsriege – und führt zum Beenden von Verhaltensrestriktionen und radikalen Ansprüchen. Häufig entstehen dann innerhalb der einstigen Reformbewegung neue Gruppen mit reformatorischen Ansatz, was das erste Zeichen für Sekte-Kirche-Transformation ist.

Was sind dann die Faktoren, die auf einen Rückgang der Kraft von Bewegungen abzeichnen? Wie kommen Bewegungen zu ihrem Ende?

Gebildete Prediger mit irrelevanten Botschaften
Die Methodisten lösten mit der Zeit ihr System von Laien-Prediger ab mit Absolventen von Hochschulen ab, die in Gemeinden entstandt wurden. Dadurch war es nicht mehr notwendig, an jedem Ort Laien für die Leitung zu finden und Gemeindemitglieder zu aktiven Mitglieder zu fördern. Man hatte ja jetzt schlaue Köpfe, die das übernahmen. Dadurch wurden auch die emotionalen Aspekte der Verkündigung abgeschwächt, es gab weniger missionarischen Eifer und Leute, die die Mission voran trugen. Cool-headed leadership war an der Tagesordnung und führte zu weniger klaren Entscheidungen.

Verweltlichung = Verwässerung
Inhalte wurden auch weltlicher wenn sie in der Hand der Intellektuellen waren. Auf einmal war nicht mehr so klar, was es heißt, Christ zu sein. Man glaubte nicht mehr, dass ein Moment genügt, um von ewiger Verdammnis zu ewigem Leben zu kommen. Früher ging jede Predigt als evangelistische Predigt raus und die Welt war einfach. Wenn die klare Linie verloren geht, ist es auch klar schwierig, wen man mit welcher Botschaft eigentlich erreichen will oder muss.

Gleichzeitig fehlt natürlich auch der Anspruch ans Verhalten der Mitglieder. Erwartungen wurden nicht mehr klar formuliert, was man als Christen machen muss (Teilnahme an Veranstaltungen, Gabe von Opfern) und dafür wurden Moral-Aussagen aufgeweicht. Durch Erwartungen an das Verhalten werden die Lauen von den Korrekten getrennt, was denen wieder gut tut, weil sie Bestätigung haben,d ass sie aufs richtige Pferd setzen. Rodney Stark meint:

„Menschen bewerten Reiligion auf Grundlage von Kosten; und die billigste ist nicht die beste. Eine Religion, die nichts kostet, bringt dir auch nichts“.

Zentralistische Strukturen ersetzen Pioniergeist und Dynamik
Die Stärke der Außenseiter ist ihre Flexibilität und Pragmatismus. In der Transformation zu einer Kirche werden die Bewegungen zu Definitionen und zentraler Administration gezwungen. Bei den Methodisten wurde daraufhin ihr System von Kleingruppen und Laienförderung eingestellt und führte zum Abebben der Energie in der Bewegung. Der Drang nach Definitionen führt zu konsistenten Aussagen, die dann häufig die Stelle von feurigen Predigern eingenommen haben.

Die Baptisten konnten sich trotz ihres Wachstums diesen Tendenzen entziehen. In einem Vergleich von Nothern Baptists zu Southern Baptists zeigen Finke und Stark, wie die Südler sich der Professionalisierung entzogen haben und eine Spannung mit der Welt um sich herum erhalten haben. Damit sind die Baptisten im Süden weiter gewachsen, sehr stark sogar. Die Baptisten im Norden ereilte ein ähnliches Schicksal wie die Methodisten:

zentrale Strukturen -> gebildete Prediger -> weniger Laienbeteiligung -> Anpassung an Umwelt von Lehre und Moral -> Stagnation und Abnahme der Bewegung.

Advertisements

18 Antworten to “Das Ende von Bewegungen – Gewinner und Verlierer”

  1. Alex 26 Mai, 2008 um 6:19 pm #

    Du hast ja, wenn ich das richtig verstehe, hier erst mal die Analyse des Buches wiedergegeben. Was mich noch interessieren würde: Stimmst du der Analyse zu?
    Ich wäre nicht so ganz sicher, ob ich die sich ergebenden Schlussfolgerungen unterschreiben würde. Mir scheint, als müsse man dann in der Konsequenz bestrebt sein, die Welt „einfach“ zu halten und Bildung zu verhindern…?

  2. marlster 26 Mai, 2008 um 7:14 pm #

    Hey Alex – ich bin einfach ein Beobachter und will lernen. Stark hat eine gute Analyse und viele Zahlen, um das zu belegen. Das ist zunächst mal beeindruckend und ich sehe keine offensichtlichen Fehler in seiner Aufstellung. Von daher ist für mich die Frage zunächst: hat das Substanz, was er sagt? Und das finde ich schon.
    Deine Frage hört sich so an: mag ich das, was da als Schlussfolgerung rauskommt? Das ist für mich ehrlich gesagt egal. Mich interessiert, was ist. Ich habe etwas Misstrauen gegenüber Intellektualismus (auch meinem eigenen) und diese Studie scheint das zu bestätigen. Aber eigentlich habe ich wenig emotionale Karten in der Schlussfolgerung.
    Die Konsequenz wäre dann wirklich, sich über die Gefahren von Bildung mehr im Klaren zu sein und eine gewissen Qualitätskontrolle oder andere Kriterien einzubauen.

  3. Arne 26 Mai, 2008 um 7:18 pm #

    Naja andere Frage: in was für eine Kirche würdest du eher gehen? In eine Southern Baptist Congregation aus dem Bible Belt, mit reaktionären Redneck Ranchern oder zu verweltlichen Methodisten?
    Weiß nicht, numerisches Wachstum ist für mich kein Kriterium (auch kein Antikriterium im Sinne von: Je mehr desto schlechter! Rob Bells Kirche ist ein gutes Beispiel für „viele Leute und es ist trotzdem gut“).
    Es stimmt, dass mit der dezentralen Leiterschaft und Betonung des Laien ist gut. Wobei auch die Gleichung: je ungebildeter desto besserer Prediger nicht aufgeht.

  4. Arne 26 Mai, 2008 um 7:50 pm #

    Achja nochn Nachtrag: naja die Zahlen belegen ja nune erstmal nur, dass die Baptisten numerisch gewachsen sind und die Methodisten nicht. Warum das so ist ist Spekulation.
    Als Deutscher muss man auch an eine Bewegung in den 40ern denken, die unheimliches numerisches Wachstum erlebt hat und alles andere als von Gott war.
    Was meinst du eigentlich damit, wenn du von der Gefahr von Bildung sprichst?

  5. Alex 26 Mai, 2008 um 8:02 pm #

    Da ich das Buch nicht kenne, zur Analyse nur so viel: Die Erklärungen scheinen mir recht monokausal (ungebildete Prediger -> ansprechende Predigten / gebildete Prediger -> belanglose Predigten), das macht mich halt etwas vorsichtig. Habe den Eindruck, da spielen noch mehr Faktoren eine Rolle, oder?
    Die Schlussfolgerungen, die sich nahelegen, würde ich dann tatsächlich nicht mögen – einfach, weil ich sie in dieser simplen Form nicht für richtig halte…

  6. marlster 26 Mai, 2008 um 10:34 pm #

    Ja, der Beitrag ist natürlich eine Zusammenfassung, daher gekürzt und eher wenig subsantiell. Im Buch stehen viele Zahlen und Erklärungen dazu, die erst Mal etwas an Relevanz in sich haben. Wenn man das nicht mag oder anders interpretiert, dann ist das durchaus OK. Allerdings sollte man das dann auch mit irgendwas belegen können außerdem eigenen Widerwillen, oder?
    Arne, was du mit den Rednecks sagst: ich nehme an, es geht darum,das richtige für die Kultur zu finden. Wenn da eben viele Leute so was schlichtes wollen, dann ist das eben so. Das zentrale Argument von Stark ist nicht Simplicität, sondern Spannung mit der Welt. Wenn eine Bewegung zu einem Glauben aufruft, der mit der Welt in Spannung steht, dann wirkt das gut für Bewegungen. Diese Spannung wird durch Reichtum und Bildung zunehmen belastend und führt dann dazu, theologisch diese Spannung zu reduzieren. Das führt dazu, dass nicht mehr so viel Bewegung in der Bewegung ist und sie zum Plateau und Abnahme kommt. Und darin spielt Theologie und Bildung eine kritische Rolle. Ich finde, darüber sollte man sich Gedanken machen.

  7. Onkel Toby 27 Mai, 2008 um 12:00 am #

    Sollte man da nicht auch die gesellschaftliche Entwicklung in Betracht ziehen? Die Analyse scheint mir interessant, aber nicht unbedingt universal.

  8. marlster 27 Mai, 2008 um 12:36 am #

    Welche Entwicklung meinst du? Der Wachstum der Gesellschaft ist drin, wie man an den Zahlen oben sehen kann (pro 1,000 Einwohner).

  9. andiwolf 27 Mai, 2008 um 9:06 am #

    super zusammenfassung Marlin, echt zitierbar! ich bin wie du beeindruckt von Starks klarer und leicht nachvollziehbarer soziologischer theoriebildung. ob das ergebnis einem gefällt steht ja auf einem gänzlich anderen blatt. ob schnelles quantitatives wachstum generell als „gut“ zu bewerten ist, ist eine reine frage der theologie. jedenfalls gibt Stark super denkinstrumente für die ist-aufnahme sowie die prognosemöglichkeit in die hand. danke für deinen ausführlichen post!

  10. Alex 27 Mai, 2008 um 10:33 am #

    Nach einigem Nachdenken kann ich jetzt genauer benennen, wo ich das Problem sehe: Die Analyse schließt folgendermaßen: Methodistische Gemeindeleiter wurden gebildeter. Die Gemeinde und ihre Botschaft wurde verwässert. Das liegt an der Bildung der Gemeindeleiter. Und dann implizit vielleicht noch allgemeiner: Wenn ein Christ gebildeter wird, dann verwässert sein Glaube.
    Da spätestens würde ich einhaken und fragen: Entspricht das tatsächlich dem, was wir von gottgegebener Vernunft sagen wollen? Oder hängt es vielleicht ab, WIE man sich bildet, und nicht unbedingt OB man sich bildet? Könnte es eine Bildung geben, die die christliche Botschaft vielleicht sogar intensiviert?

    P.S.: Natürlich ist mir klar, dass die Absicht des Posts nicht in diese Richtung führen sollte. Aber zumindest zu meiner eigenen gedanklichen Klärung fand ich die thematische Abirrung hilfreich Vielen Dank für die Geduld. 🙂

  11. Martin P. 27 Mai, 2008 um 1:10 pm #

    Danke für diese coole Zusammenfassung. Ich finde sie sehr interessant, klar und wohl auch treffend. Der erste Punkt ist vielleicht ein wenig unglücklich formuliert, aber wenn ich das richtige verstehe geht das in die Richtung, dass begabt, berufene Predigern durch rein gebildetet Prediger ersetzt wurden.

  12. Arne 27 Mai, 2008 um 2:50 pm #

    Ok finde das interessant.
    Zunächst muss man sagen: empirische Untersuchungen in den Sozialwissenschaften (zumal es eine historische Untersuchung ist) können nie Kausation feststellen. Sie können nie sagen: DAS und nicht andereres ist der Grund für Gemeindewachstum. Sie können nur Korrelation feststellen: an diesem Ort, zu dieser Zeit, in diesem Kontext können wir beobachten, dass diese bestimmte Bewegung gewachsen ist und wir können beobachten, dass die Prediger soundsonviel gebildet waren. Mehr kann man nicht sagen. Daraus kann man nicht notwenidergerweise ableiten, wie Wachstum überhaupt funktioniert. Und dann ist noch nicht darüber geredet worden, ob uns numerisches Wachstum interessiert.
    Wie gesagt: die Deutschen Christen (der Teil der Kirche, die dem NS Regime gefolgt sind) hatten teils bombastische Wachstumszahlen. Mehr Wiederstand mit der Welt (meint: mit dem Herrschenden System) hatten sicher die Bekennende Kirche; aber diese wuchsen nicht. (ok fairerweise: Stark würde sicher sagen: das NS Regime war ein monopolisierter Markt).

    Was ich zentral finde: Welt ist ein Konstrukt. Wenn die Wachstumszahlen stimmen, dann sind die Southern Baptist in machen Gegenden die größte Gruppe überhaupt. Dann sind die Southern Baptist im Bible Belt = die Welt und der größte Akt des Widerstandes gegen die Welt wäre schwul- oder kommunistsein.
    Aber es stimmt: man könnte sagen: beide Bewegungen haben sich durch Abgrenzung gegen eine (konstruierte!) Welt, eine liberale Welt „da draußen“ definiert. Eine Bewegung hat gesehen, dass es so einfach nicht ist und ist deshalb in eine Identitätskrise geraten. Und Identitätskrisen sind schlecht fürs Geschäft. Dennoch sag ich: sie gehören zum Erwachsenwerden dazu. Vielleicht sind ja die Methodisten gewachsen auch wenn sie geschrumpft sind.

  13. marlster 27 Mai, 2008 um 3:12 pm #

    @Alex: das würde ich auch so sagen. Es ist nicht das OB, sondern das WIE. Mir scheint (aus meiner beschränkten Sicht), dass es zu wenig externe Kriterien für Bildung gibt, die das WIE bewerten könnte. Ich glaube, Stark würde sagen:
    höhere Bildung –> tendiert zu abnehmender Spannung –> tendiert zu Stagnation

    @Arne: Rodney Stark geht auf ein Kriterium ein (anteiliger Zahlenwachstum – über 230 Jahre). Da kann man sich sicherlich streiten, ob das das beste Kriterium ist, aber es ist nicht einfach so von der Hand zu weisen, würde ich sagen. So einen Wachstum kriegt man nicht so einfach hin. Du argumentierst für den Sinn von Krisen und abnehmender Spannung, weil es für dich intellektuell sympathischer ist (und du wahrscheinlich mti der Spannung der Southern Baptist wenig anfangen kannst). Genau da finde ich die Studien von Stark interessant, weil es eben nicht nur darum geht, intellektuelle Sympathien zu verkünden, sondern zu schauen, was mögliche Faktoren gewesen sind, um die Zahlen so zu bewegen, wie sie sind.

  14. warnschild 27 Mai, 2008 um 4:08 pm #

    Hmm, man könnte auch einfach sagen, dass die Zielgruppe mit zunehmender Intelektualisierung eine andere geworden ist: Gebildetere Leute, die einen kleineren Anteil der Bevölkerung überhaupt erst ausmachen.

    Und ich glaube, dass es für Wachstum, wie wir es – meiner Meinung nach – verstehen sollten, ebensowenig externe Kriterien gibt wie für Bildung (auch eine Form von Wachstum). Ich denk da grad an Gummibärchen, die man ins Wasser legt – wie das als Kind sicher Jeder von uns mal probiert hat: Weder das Wasser noch die plötzlich riesengroßen Gummibärchen schmecken hinterher so wie man es sich erhofft hat. Und vielleicht passt dieses Bild sowohl auf die „Bildung in die falsche Richtung“ als auch auf „Wachstum ohne Substanz“. Ich denke, man sollte beides fürchten, tendiere persönlich aber dazu, Letzteres misstrauisch zu beäugen.

    Vor allem sehe ich häufig Bewegungen, die überschaubar und einfach gestrickt sind, klare Botschaften vermitteln und doch ihre Gemeindemitglieder nicht zu aktiver Mitarbeit motivieren können.

    Außerdem wichtig find ich Arnes Anmerkung zur Methodik: Die Sache mit der Korrelation und der Kausalität. – Aber auch ich habe das Buch natürlich nicht gelesen.

  15. warnschild 27 Mai, 2008 um 4:13 pm #

    PS: Nochmal zu „Bildung“ und „Wachstum“, da hab ich vergessen, meinen Gedankengang fertig zu skizzieren: Das mit dem Wachstum entspräche halt dann insofern dem Gummibärchen, als das man quantitative Unterschiede gut festhalten kann: Es kommen mehr oder weniger Leute…

    Ich persönlich halte diese Form der „Erfolgsmessung“ aber für wenig sinnvoll, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Massen sich (sowohl in der Geschichte, wie Arne schon erwähnt hat als auch heute ganz aktuell, wie man es bspw. am TV-Programm sehen kann) nicht unbedingt für qualitativ Höherwertiges zu entscheiden pflegen. „People vote with their feet“ – das mag sein, ist sogar sehr wahrscheinlich, für mich aber erst recht ein Ansporn für den Erhalt von arte und Konsorten…

  16. windhauch 9 Juni, 2008 um 2:26 pm #

    Hallo zusammen! Ich komme aus der methodistischen Kirche in Deutschland und fand den Artikel und die Diskussion sehr interessant. Auch in Deutschland erleben wir (leider) seit Jahrzehnten einen Rückgang der Mitgliederzahlen.
    Noch ein Beitrag zur Differenzierung: In allen Gemeinden der United methodist Church gibt es bis heute eine starke und klar geregelte Beteiligung von Laien an der Leitung. Jede Gemeinde wird von einem Pastor und einem Laienvertreter geleitet. Auf den höheren Ebenen gibt es sogenannte Konferenzen die immer(!!) paritätisch besetzt sind (50% Hauptamtliche und 50% Laien). Insofern haben auch heute noch Laien einen entscheidenden Platz in der Leitung von Kirche und Gemeinde.
    Allerdings stimmt es von der Richtung her schon, dass sich die Methodisten von einer Laienbewegung mehr zu einer „professionellen“ Kirche entwickelt haben. Es wird in vielen Gemeinden zunehmend schwer Laien zu finden, die sich einbringen (diese Beobachtung stimmt: Wir haben heute weniger Laienprediger als früher), wobei dieses Element der Laienbeteiligung bei uns immer noch recht stark ist. Ich glaube nicht, dass hier die Ursachen zu suchen sind. Im Gegenteil: Ich denke dass wir gerade durch die starke demokratische Beteiligung von so vielen unterschiedlichen Leuten ein sehr verwaschenes Profil bekommen haben. Es fehlen die charismatischen Leitungspersonen, die es in der Anfangsphase gab.
    Plausibler scheint mir das Argument dass sowohl Pastoren, als auch Laien, heute „verweltlichter“ sind, als zur Gründerzeit. Wir sind, zumindest in Deutschland, eine Mittelstandskirche und die Abgrenzung zur „Welt“ ist sicher nicht mehr so stark. Auch das einfache Schwarz-Weiß-Denken ist nicht mehr so stark (was ich aber sehr sympathisch finde…) Andere Freikirchen in Deutschland haben hier ein schärferes Profil (sowohl in der Abgrenzung von der Welt als auch theologischen Lehrmeinungen, die ihre Bewegung kennzeichnen).
    Aber wie andere schon gesagt haben ist es äußerst schwierig, die genauen Gründe für den Rückgang zu finden. Sicher spielen da ganz unterschiedliche Faktoren eine Rolle. Ich fühl mich auf jeden Fall sehr wohl bei den Methos, gerade wegen der Scheu vor all zu einfachen Antworten…

  17. marlster 9 Juni, 2008 um 2:58 pm #

    Hey Windhauch – guter Kommentar. Vielen Dank für deine ehrliche und durchdachte Meinung und die zusätzlichen Details bezüglich der Beteiligung. Ich kann mir das gut vorstellen, dass die Verweltlichung auf beiden Ebenen stattfindet. Vielleicht ist das dann auch der Grund, warum sich weniger Leute für die Beteiligung finden.

Trackbacks/Pingbacks

  1. Warum Mainstream-Kirchen verlieren – Gewinner und Verlierer « siyach - 16 Juni, 2008

    […] Mainstream-Kirchen verlieren – Gewinner und Verlierer 16Jun08 Im letzten Post habe ich schon über das Ende von Bewegungen in The Churching of America von Rodney Stark und Roger […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: