Der Niedergang der Staatskirchen und das Wachstum von Religion – Gott entdecken

17 Feb

kirche-verliert-ihre-kinder.jpgHeute strahlt die Sonne als wäre es schon Frühling, und genauso optimistisch fühle ich mich. Neben dem Wetter beschäftigt mich die Frage aus Rodney Starks Discovering God (Zsf Teil 1): warum sind manche Generationen gläubiger als andere? Warum sind manche Völker religiöser als andere? Starks These ist, dass freier Wettbewerb am religiösen Markt zu mehr Glauben führt. Also anstatt nach der eingebauten Religiosität einer Generation zu fragen, ist die Seite des Angebots wichtiger für das Level von Glauben.

Wenn Rodney Stark die Geschichte von Religionen betrachtet, dann fällt ihm auf, dass zentralistische Religionen häufig am Volk vorbei ihr Ding durchziehen. Die Tempel in Persien oder bei den Azteken waren primär religiöse Einrichtungen für die Oberschicht. Das Volk musste schauen, wo es blieb. Die Priester hatten auch keinen Ansporn, für das Volk etwas anzubieten, da sie ja vom Staat finanziert waren und Aktivitäten für Allgemeinheit ja nur mehr Arbeit bedeutet hätten. Monopole führen zur Faulheit und Starrheit.

Dagagen steht eine offene Gesellschaft wie das heidnische Rom (wo es eine Vielzahl von Göttern und religiösen Angeboten gab) oder Indien (wo es keine zentrale Religion gab). In diesem Umfeld ist das gesamte Level von Glaube sehr viel höher. Warum das? Durch die Vielzahl der Angebote müssen die einzelnen Gruppen einen Vorteil und direkten Nutzen für die Beteiligten haben. Das führt zu Innovation (was religiöse Innovation ist im nächsten Post) und Nischen-Angeboten. Dadurch werden mehr Personen in den Kreis von Religion gezogen.

Rodney Stark nennt diesen Ansatz „supply-side“ und erklärt damit das höhere Level von Glauben. Das steht im Gegensatz zu „demand-side“, wo man annehmen würde, dass Religion unterschiedlich stark nachgefragt wird. Religiöse Nachfrage entsteht also durch bessere religiöse Angebote. Bessere Angebote kommen durch einen freien Markt und dem Druck für Innovation und Passung des Angebots. Die unsichtbare Hand ordnet das Level von Religion.

Als gläubiger Mensch heute habe ich oft das Gefühl, als wäre die Blütezeit für Glauben etwas vorbei. Glauben scheint unpopulär und Kirchen haben einen schweren Stand. Andererseits führt diese Veränderung der Kirchenlandschaft zu einem freien Markt. Nach Starks Theorie sind Staatskirchen hinderlich für den Glauben im Land. Der Niedergang der Staatskirchen würde wieder zu mehr Wettbewerb, innovativeren Angeboten und daher mehr Glauben führen.

Passiert so was? Wenn man freie Gebiete anschaut (ohne Staatskirche), dann scheint das diese Annahmen zu bestätigen. USA lebt schon lange nach diesem Modell; England und Südafrika auch; Südamerika kommt in den letzten Jahrzehnten dazu; Korea hat davon profitiert; China hat auch keine Staatskirche. Also eigentlich überall, wo was geht und eine Zunahme von Glauben zu verzeichnen ist.

Demnach wäre eine Zunahe von Religiosität im Osten Deutschlands anzunehmen, weil es dort noch nicht so viel zentralen Glauben gab. Außerdem sollte Deutschland vom Niedergang der Staatskirchen profitieren. Denn das fördert den freien Markt, bessere Angebote und letztlich mehr Glauben im Volk.

Ein schöner Nachmittag, um optimistisch zu sein.

Advertisements

17 Antworten to “Der Niedergang der Staatskirchen und das Wachstum von Religion – Gott entdecken”

  1. simondevries 17 Februar, 2008 um 4:41 pm #

    Na, da haben wir ja mal wieder ein einfaches Erklärungsmodell. Wundert mich nicht, dass gerade dieses aus den USA kommt.

    In Deutschland haben wir übrigens gar keine Staatskirche und auch keine Staatskirchen. Das wäre auch Verfassungsbruch.

  2. marlster 17 Februar, 2008 um 4:53 pm #

    Simon, kritisieren ist einfach – hast du was besseres? Ablehnen mit „einfach“ ist auch sehr einfach 🙂

    Staatskirche ist vielleicht ein schlecht übersetzter Ausdruck. Rodney Stark meint damit „offizielle“ Gruppen, was unterschiedliche Kritierien beinhaltet (wie z.B. Steuern, Leichtigkeit andere Gruppen zu starten, etc).

  3. Arne 18 Februar, 2008 um 8:51 am #

    Hm interessant. Wir hatten Stark in Religionssoziologie. Auf der einen Seite ist ja diese Marktmetapher nicht unproblematisch. Denn sie impliziert Konkurrenz und Marketing. Dennoch hat die Aussage ja was für sich.
    Nur- und das ist das Problem- Ostdeutschland. Ostdeutschland passt nicht hinein. 15 Jahren müssten doch reichen, um eine „religiöse Infrastruktur“ zu schaffen. Aber irgendwie scheint da von den zahlen her noch wenig zu gehen (das das Reich Gottes nicht in Zahlen und Statistiken besteht ist dann wieder ne ganz andere Frage). Andererseits: die traditionalistischen Monopole in Polen und Italien scheinen doch ganz gut zu funktionieren (noch?).

  4. Martin DJ 18 Februar, 2008 um 10:56 am #

    ich hab zu diesem thema mal eine frage: welche projekte, gemeindegründungen, initiativen, missionarischen neustarts in der landeskirche oder in anderen gemeinden, pläne u.s.w. kennt ihr in sachsen anhalt? dazu brauch in infos, weil ich evtl da bald anfange … will dann connections haben … also: bitte mal kurze info, was ihr aus der region kennt … danke MARTIN

  5. marlster 18 Februar, 2008 um 12:25 pm #

    Arne – das wäre interessant, Polen und Italien dazu zu betrachten. Es gibt eine Studie zu Italien ( religious competition and revival in italy), die dem freien Markt Ansatz zuzusprechen scheint.

    Was mit Ostdeutschland ist, weiß ich nicht. Es braucht eben immernoch die Leute, die gehen und was machen. Aber nach der These sollte dort bald was entstehen.

  6. Walter 18 Februar, 2008 um 2:45 pm #

    Ich denke, dass die katholische Kirche in Polen deshalb so stark und im Volk verwurzelt ist, weil sie über Jahrhunderte, in denen Polen geteilt oder unterjocht war, die polnische Identität bewahrt hat. Polnisch und katholisch ging ganz eng zusammen. Sollte aber die junge Generation irgendwann diese traditionellen Bindungen hinter sich lassen, dann könnte sich Starks These bewahrheiten und in Polen erstmal tabula rasa sein. Weil nämlich Alternativen fehlen.
    Italien? Weiß ich zu wenig. Sind die da wirklich so religiös? Oder liegt es am Papst? Oder an den Touristen?
    Auch Spanien würde Stark bestätigen: staatskatholisch durch und durch, und als dann die Demokratie kam, verlor die Kirche massiv an Einfluss.
    Ostdeutschland? Ich glaube, nach knapp 60 Jahren antikirchlichem Staatseinfluss ist da einfach viel Immunisierung vorhanden. Aber in der nächsten Generation könnte es anders aussehen. Nur dass die supply-side z.Zt. doch noch ziemlich ausgedünnt ist. Auch bis sich das ändert, braucht es seine Zeit.

  7. simondevries 18 Februar, 2008 um 5:51 pm #

    Du hast Recht, dass meine Kritik wenig aussagekräftig ist.

    Ich glaube, dass ein so einfaches marktwirtschaftliches Modell wie dieses (oder zumindest nach dieser Darstellung) überhaupt gar nicht in der Lage ist, so komplexe Phänomene wie Religion in verschiedenen Kulturen und Kontinenten zu erklären. Während ich durchaus zustimmen würde, dass wir in vielen Ländern (und auch denen, die volkskirchliche Strukturen haben, wenn das gemeint war) im Hinblick auf religiöse Angebote eine marktähnliche Situation haben und uns dieser auch stellen müssen, ist es glaube nicht nur simpel, sondern simplizistisch, das Aufkommen und Gehen von Religion und dann auch noch Quantität an Glauben marktwirtschaftlich zu erklären.

    Hier spielen doch so unterschiedliche Dinge wie jahrhundertealte Traditionen und Werte, nationalstaatliches Denken, kulturelle Gegebenheiten, das Aufkommen von Technologien, historische Zufälle und vieles, vieles mehr eine Rolle. Und da kam doch nicht hingehen und mit viel Begeisterung für ein amerikanisch-liberalistisches Modell von Marktwirtschaft alles erklären und dies dann auch noch zum Maßstab machen für die verschiedensten Regionen unserer Welt.

    Damit will ich weder die Kirchensteuer verteidigen noch speziell das deutsches System oder die Struktur meiner eigenen Kirche, aber ich meine, dass solch ein Beitrag uns auch nicht groß weiterhilft.

    Und dann würde mich noch interessieren, ob ich das nur etwas verletzt lese oder ob du wirklich auf einen Niedergang der Volkskirchen in Deutschland hoffst, auf das mehr Glaube im Volk entstünde? So einen Sstz finde ich nicht nur im Sinne der Einheit der Kirchen und uns Christen problematisch, sondern auch einigermaßen überheblich aus freikirchlicher Sicht.

    Ich bin sehr dafür, dass wir in den Volkskirchen von Freikirchen lernen und werbe innerhalb meiner Kirche sehr dafür. Ich glaube allerdings auch, dass die Freikirchen in Deutschland sehr davon profitieren würden, wenn sie mal überlegen würden, inwiefern sie von den Großkirchen lernen können (vielleicht sind ja nicht nur aus historischen Gründen Großkirchen, sondern machen auch das eine oder andere richtig) – vielleicht würde das auch Stück dazu beitragen, dass die momentan in der öffentlichen Wahrnehmung ja völlig bedeutungslosen Freikirchen mehr Bedeutung in unserem Land bekommen.

  8. marlster 18 Februar, 2008 um 10:58 pm #

    Simon, danke für den erweiterten Kommentar. Es fällt mir schwer, den Grund vor deine Ablehnung zu erkennen (außer deinem Gefühl und deiner Abneigung gegen Markt-Modelle). Jedes Modell ist ja eine Vereinfachung und gute Modelle sind sehr einfach. Wirtschaft hat ja auch mehr Variabeln als Angebot und Nachfrage, aber das erklärt schon mal einen ganzen Haufen. Ich denke, die Realität sollte der Entscheider sein, ob ein Modell gut ist oder nicht. Rodney Stark bezieht das auf jeden Fall in seine Überlegungen ein und das hat schon mal Respekt verdient.

    Ich glaube schon, dass Kirchensteuer einen Einfluss auf die Power in Gemeinden hat. Wenn man sich seinen Lebensunterhalt „erpredigen“ muss, dann ist das eine andere Situation als ein sicheres Einkommen. Adam Smith meint dazu folgendes:
    The teachers of the doctrine which contains this instruction, in the same manner as other teachers, may either depend altogether for their subsistence upon the voluntary contributions of their hearers; or they may derive it from some other fund to which the law of their country may entitle them; such as a landed estate, a tythe or land tax, an established salary or stipend. Their exertion, their zeal and industry, are likely to be much greater in the former situation than in the latter. In this respect the teachers of new religions have always had a considerable advantage in attacking those ancient and established systems of which the clergy, reposing themselves upon their benefices, had neglected to keep up the fervour of faith and devotion in the great body of the people; and having given themselves up to indolence, were become altogether incapable of making any vigorous exertion in defence even of their own establishment. The clergy of an established and well-endowed religion frequently become men of learning and elegance, who possess all the virtues of gentlemen, or which can recommend them to the esteem of gentlemen; but they are apt gradually to lose the qualities, both good and bad, which gave them authority and influence with the inferior ranks of people, and which had perhaps been the original causes of the success and establishment of their religion.

    Auf die Gefahr eine zu langen Kommentars hin: meine Hoffnung ist voll und ganz für das Reich Gottes. Ich mache mir nichts aus Vereinsmeierei, ob Evangelen oder Katholen oder Mennos oder Vineyards. Klar habe ich zu meiner eigenen Bewegung eine gewisse Nähe, aber die würde ich auch liebend gerne aufgeben, wenn es dem Reich Gottes Fortschritt bringen würde. Ich bin also pro-Innovation und pro-allgemein-Glaubenslevel. Und nach dieser Theorie beeinhaltet das eine gewisser Optimismus der aus der Dezentralisierung von Kirchen entsteht. Das ist nicht böse gemeint oder aus Missgunst, sondern mit dem Blick für die gesamte Sache.

    Sollte das aber dennoch verachtend rüber gekommen sein, tut es mir leid.

  9. Simon 19 Februar, 2008 um 11:52 am #

    Ich wollte eigentlich gerade nicht sagen, dass ich generell gegen Vergleiche mit dem Markt bin (ich habe das Bild ja selber mal in einer Marketing-Serie verwendet, wo ich viel Gegenwind bekommen hab, weil viele meinten, ich hätte die Möglichkeiten kirchlichen Marketings zu positiv eingeschätzt). Ich meine nur, dass es zur Erklärung der Entstehung und des Erfolgs (schon die Verwendung dieses Begriffs zeigt die ganze Problematik) von Religionen kein brauchbares Modell darstellt.

    Ich bin auch durchaus sehr der Meinung, dass es einen sehr großen Unterschied macht, ob die Finanzen direkt aus der Gemeinde kommen oder die Verteilung der Gelder anders geregelt ist. Ich für meinen Teil bin in der Hinsicht ganz dankbar, dass der Inhalt meiner Predigt nicht direkt maßgeblich ist für das Spenderverhalten, da ich in den USA auch erlebt habe, wie sehr dieser direkte Zusammenhang die Auswahl der Predigtthemen kompromittieren kann. Zudem haben wir so automatisch einen Ausgleich zwischen strukturstarken und strukturschwachen Gemeinden. Daneben gibt es auch eine Reihe von Nachteilen, die mich insgesamt nicht gerade zu einem Fan der Kirchensteuer machen. Aber – und das finde ich wichtig zu sehen – es gibt für alle Seiten gute Gründe.

    Was du mit der Dezentralisierung von Kirchen und dem pro-allgemein-Glaubenslevel meinst, verstehe ich noch nicht. Was wünscht du dir denn da konkret? Dass wir auf landeskirchlicher Seite Gemeinden zumachen und die Leute nach Hause schicken? Meinst du, dass dann mehr Leute in die Freikirchen strömen würden? Dass wir die Kirchensteuer umgehend abschaffen? Wem wäre damit geholfen? Ich verstehe einfach nicht, wohin diese Ideen konkret führen sollen, abgesehen davon, dass ich das Modell insgesamt nicht hilfreich finde, wie die Gegenbeispiele in den anderen Kommentaren doch auch zeigen, dass es viel mehr Faktoren gibt.

  10. marlster 19 Februar, 2008 um 1:17 pm #

    Simon – danke für die Kommentare! Genau solches Peer-Feedback finde ich gut, weil es die Gedanken verfeinert und ich profitiere von deinen Kommentaren.

    Wenn du sagst, das Marktmodell ist „kein brauchbares Modell“ – wo nimmst du diese Aussage her? Es mag Beispiele geben, die das Modell nicht abdecken kann, aber mir scheint, dass die Aussagen von Stark schon recht häufig mit Zahlen belegt sind (z.B. USA, Indien, Italien, Europa etc). Zweifelst du diese Zahlen an? Hast du eine andere Interpretation für die Zahlen?

    Natürlich hat auch jeder Ansatz seine Spannung, die er mitbringt. Klar, wenn ich als Prediger direkt vom Geld abhängig bin, setzt mich das einem Druck aus. Klar, das kann negative Konsequenzen haben. Stark würde sagen, das Positive daran ist der Druck für Innovation und Wahrnehmen der Nöte der Leute. Das ist einfach effektiver, wenn es einem direkten Einfluss ausgesetzt ist.

    Eigentlich habe ich keinen Wunsch für die Landekirche. Es war nur eine Beobachtung: wenn es eine Abnahme an staatlicher Verankerung von Kirchen gibt, dann bringt das Chancen mit sich (anstatt nur Gefahren zu sehen). Das war mir bisher noch nicht so bewusst. Und diese Chance scheinen (historisch gesehen) relativ robust zu sein. Und das Kriterium ist für mich die Anzahl von Menschen die Jesus gerne und aktiv nachfolgen.

    Wie gesagt: kein Wunsch oder Hoffnung für die Landeskirche. Jetzt wo ich nachdenke: wenn ich dort was zu sagen hätte, würde ich versuchen, dem Wandel vorauszugreifen. Bevor man gezwungen wird, innovativ und direkt-verantwortlich zu handeln, würde ich versuchen, den Wandel zu Nutzen und diese Reformen aktiv zu betreiben. Aber da sind ja sicherlich einige (wie du selbst) schon dabei. Und außerdem habe ich da insgesamt zu wenig Ahnung, um eine gute Meinung dazu zu haben. Ich versuche nur, aus der Welt Sinn zu machen und meine Gedanken offen zu legen.

  11. Simon 19 Februar, 2008 um 4:14 pm #

    Geht mir auch so mit dem Profitieren – deswegen lese ich deinen Blog auch sehr gerne. Und wenn die letzten 3,4 Kommentare, die ich hier abgelassen habe, eher kritischer Natur waren, dann heißt das nicht, dass ich in der Zwischenzeit nicht auch ganz viel hier gelesen hätte, dem ich sehr zustimme. Find ich manchmal an mir selbst etwas schade, dass ich dann nix schreibe, sondern nur, wenn es was zu meckern gibt …

    Nochmal zum Thema: Mit „nicht brauchbar“ meine ich eben im Hinblick auf die Entstehung und die Beständigkeit von Religionen, dass das ganze Problemfeld viel komplexer ist und eine riesige Anzahl von Faktoren eine Rolle spielt – nicht nur, in welchen Verhältnis Staat und Kirche zueinander stehen und ob so etwas wie ein möglichst vollständig liberalisierter religiöser Markt besteht.

    Im Blick auf die Zahlen wäre ich auch wirklich vorsichtig. Wir werden ja zum Beispiel ohne Probleme Zeiten in der deutschen Geschichte finden, in denen die Anzahl der Kirchgänger/das Niveau an Glauben (wer mißt das eigentlich) oder was auch immer deutlich höher war als heute und gleichzeitig der religiöse Markt wesentlich reglementierter als heute. Wenn man auf gute Zahlen aus ist, sind Zwangstaufen auch ja ein Weg zum Ziel.

    Und wenn wir in unserer Zeit bleiben und uns in der Welt umschauen, weiß ich gar nicht, ob ich als Deutscher unbedingt mit den USA tauschen möchte. Was dort alles im Namen Jesu getrieben wird, trägt vielleicht zu großer Pluralität auf dem freien Markt bei, aber es geht ja nicht nur um irgendwelchen Glauben, sondern auch um theologisch verantwortbaren.

    Noch ein Gedanke zum Stichwort „Faulheit und Starrheit“ von oben aus dem Beitrag – das ist mit Sicherheit nicht unser Problem in der Volkskirche. Ich kenne wirklich viele, viele Pastoren in Landeskirchen und Freikirchen und kann nicht erkennen, dass die Landeskirchler auch nur minimal weniger engagiert wären.

  12. Arne 19 Februar, 2008 um 9:11 pm #

    Also ich hab nochmal mein Ordner rausgekramt. Gibt einen Aufsatz von Wolfgang Jagodzinski, der die Markthypothese an Ostdeutschland testet und sie dahingehend verändert, dass die Sozialisation noch ein wichtiger Punkt ist. Er hinterfragt damit die zentrale These, dass die Nachfrage in einer Gesellschaft konstant ist.
    Ich weiß nicht,gibt irgendwie zwei Punkte zu der Martkhypothese.
    Auf der einen Seite: wenn der Punkt ist, dass man Machtzentren hinterfragt und zeigt: wir brauchen Dezentralisierung, dann ist es gut. Wir haben in Deutschland zu viel Polemik zwischen Landes- und Freikirchen, die vielleicht nicht nötig ist.
    Auf der anderen Seite: mich iritiert halt der Sound von so einer These. Was da mitschwingt ist doch ein bisschen Kulturimperialismus: guckt her, wir Amerikaner sind mal wieder vorbildlich und erklären euch die Welt. Ist das nicht der Grund für das zunehmende Misstrauen der Mitteleuropäer gegen die Amerikaner? Das eben zwei Kulturen aufeinanderprallen: Pragmatismus gegen Idealismus; die Zahl gegen den Gedanken, der freie Markt gegen die soliadarische Gesellschaft.
    Die Aussage von Stark ist in Ordnung, nur die Metapher nicht. Freier Markt weckt halt in mir eher negative Bilder.
    Biblischer wäre es vielleicht von machtloser/schwacher Kirche zu reden (1. Kor.1-2).

  13. Walter 19 Februar, 2008 um 10:33 pm #

    Ich glaube, Arne hat recht, indem er die Aussage von Stark von der Markt-Metapher trennt. Es geht doch einfach darum, dass
    a) ein vielfältiges und menschenorientiertes religiöses Angebot die Leute religiöser macht (finde ich einen interessanten Gedanken, und ich glaube eigentlich, dass das stimmt), und
    b) dass es dieses reichhaltigere Angebot dort nicht gibt, wo es eine staatlich (oder auch nur faktisch oder sonstwie) monopolisierte Religionsagentur gibt.
    Ich finde das ganz plausibel. Nur so als kleines Beispiel: weil weniger Geld bei uns ankommt, haben wir einen Verein gegründet, um die Gemeinde zu finanzieren. Beabsichtigte und eingetretene Nebenwirkung: mehr Leute identifizieren sich mit der Gemeinde, arbeiten auch mit. Und man lernt Menschen noch mal von anderer Seite her kennen (überwiegend positiv bisher). Hätten wir noch so viel Geld wie vor 20 Jahren, hätten wir das nicht machen müssen/können.
    Ist doch eigentlich ganz hoffnungsvoll, dass die Religiosität mindestens langfristig von der Supply-Side her beeinflusst werden kann.

  14. Walter 19 Februar, 2008 um 10:35 pm #

    by the way, deine Uhr geht 13 Stunden nach, ich schreibe um 23.34 Uhr Ortszeit.

  15. marlster 20 Februar, 2008 um 10:47 am #

    Arne – wie immer ein sehr schlauer Kommentar! Vielen Dank dafür. Ich habe da einfach wenig Hemmungen, Begriffe aus irgendwelchen Feldern zu benutzen. Aber wenn das negative Szenarien weckt, dann ist es sicher nicht hilfreich.

    Walter – genau das ist auch der Grund meines Optimismus. Dass die Nebenwirkungen aus der Denzentralisierung eigentlich das sind, wovon ich träume. Und dass was über die supply-Seite geht.

Trackbacks/Pingbacks

  1. Religiöse Innovation? – Gott entdecken « siyach - 22 Februar, 2008

    […] God, dass eine ähnliche Wirkung bei der Entwicklung von Religionen gibt (Zsf Teil 1 und 2). Innovation in Religion kommt aus 3 Quellen: Anwendung auf ein neues Umfeld, Entwicklung von […]

  2. Wie entstehen Bewegungen? - Gott erkennen « siyach - 27 Februar, 2008

    […] oder einfach Behauptungen aufzustellen. Im letzten Teil der Zusammenfassung seines Buchs (Teil 1, Teil 2, Teil 3) geht es darum, wie Bewegungen aus Innovation geboren, über Netzwerke sich ausbreiten, […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: