Wo kommt Glaube her? – Gott entdecken

13 Feb

Gestern bin ich 23.30 Uhr heim gekommen und habe noch 1 Stunde in unserm frisch renovierten Wohnzimmer gelesen. Sollte man eigentlich nicht machen. Aber wenn eine knackige Frage im Raum steht, dann muss ich einfach wissen, was ein Buch dazu zu sagen hat. Vor allem von Rodney Stark, der früher schon wichtige Fragen gestellt hat und mich zu einer Serie bewegt hat. Jetzt blogge ich eine Serie über sein neues Buch „Discovering God“, wo er fragt: wo kommt Glaube her? Wie entstehen Religionen? Wie entwickeln sie sich?

In einem netten Video habe ich einen Vergleich von 2 Sichtweisen gesehen. Sehr schön gemacht von ein paar Filmstudenten:

Wo kommt Glaube her? Erster Fakt ist mal, dass all Völker einen Glauben an Gott oder Götter haben. Erstaunlich ist, dass diese auch relativ ähnliche Elemente haben: Trennung von Gott, Opfer, Sage von einer Überflutung. Manchmal gibt es auch erstaunliche äußere Merkmale (wie zum Beispiel die Konstruktion von Tempeln und Pyramiden in Ägypten und Peru) oder zeitähnliche Entwicklungen (wie z.B. 600 vChr das Auftreten von Zarathustra in Persien, Gautama Buddha in Indien, Konfuzius in China und den Propheten in Israel). Wie kann man das erklären? Stark führt 3 Alternativen an, wie schlaue Köpfe das zu erklären versuchen: biologisch, kulturell, geistlich.

Die biologische Erklärung sagt, dass Menschen eine biologische Veranlagung haben, an Gott zu glauben. Ein Ansatz sagt, dass das Bewusstsein des Menschen aus dem Zusammenspiel von rechter und linker Hirnhälfte funktioniert. Julian Jaynes ist der Meinung, dass in den alten Zeiten die beiden Hirnhälften nicht miteinander koordiniert waren und zu manchen Zeiten die linke Hirnhälfte direkt auf die rechte eingeredet und die Menschen das als Stimme Gottes misinterpretiert haben. So was wie permanente Schizophrenie. Als die Menschen dann Bewusstsein gewonnen haben, hörte das auf und demnach wird Religion auch aufhören.

Eine andere biologische Erklärung sagt, dass wir Menschen anfällig sind, unserer Umwelt Absichten zu unterstellen. Wenn ein Busch raschelt, denken wir, da steckt was dahinter. Durch diese Überreaktion, haben wir hinter manchen Ereignissen Geister gesehen und uns deshalb Religionen geformt. Pascal Boyer meint daher, das Religion eine Illusion ist, weil sie nicht direkt überprüfbar ist (wie sind dann Boyers Annahmen über Annahmen überprüfbar)?

„das größte Manko an biologischen Erklärung ist, dass sie unnötig sind! Die grundlegende Basis aller Kulturen ist allgemeine Intelligenz. Kulturen entwickeln sich durch Verstand und Abwägung: Kultur wird entdeckt und verfeinert durch denken Menschen, die ihre Probleme lösen und ihre Wünsche erfüllen wollen. Nach einem religiösen Instinkt oder biologischen Basis für Glauben zu suchen ist wie für einen Mathe- oder Chemie-Instinkt zu forschen – eine fehlgeleitete Verschwendung an Zeit“

Die kulturelle Erklärung sagt, dass Menschen sich eine Glaubenskultur geschaffen haben. Dieser Glauben geht von einzelnen aus, die sich entweder vergöttern wollten und damit politische Macht ausüben, oder naiv Thesen über Gott formulierten. Oder von einzelnen, die wirklich eine Erkenntnis von Gott hatten. Die Glaubensskeptiker sagen natürlich, dass es politische Motivation oder Unwissenheit war, die Glauben in eine Kultur brachte. Letztlich besteht ähnliche Religion deshalb, weil es überall ähnliche Bedürfnisse gibt. Oder aber die Religionen kommen durch eine Schau auf Gott, die zu unterschiedlichen Zeit mit unterschiedlichem Verständnis kommt und natürlich missverstanden, überinterpretiert und verzerrt werden kann.

Die theologische Erklärung sagt, dass einzelne Menschen zu unterschiedlichen Zeiten eine Schau auf Gott hatten, wie sie der jeweiligen Entwicklung angemessen und verständlich war. Bei der Untersuchung von primitiven Kulturen wurde festgestellt, dass eine erstaunliche Mengen, an einen globalen, souveränen Gott glaubte (64% der Nomadenvölker, 67% der Agrarvölker, 43% Jagdvölker). Wie kommt es, dass sie ein Gotteskonzept haben, das weit über ihren lokalen Bedürfnissen steht oder auf lokale Personen zentriert ist? Wilhelm Schmidt meint, dass zu Beginn der Welt alle Religionen gleich waren und den gleichen Gott kannten. Im Laufe der Geschichte ergaben sich Unterschiede durch Übertragung, menschliches Zutun und Missverständnisse; und damit entstanden unterschiedliche Religionen.

OK, so weit zur Herkunft von Glauben. Aber wie entwickelt sich Glaube? Wie funktionieren Innovationen? Und was sind gute Innovationen? Das sind die Fragen, die mich wirklich wach halten und warum ich diese Serie starte. Apropos Serie – mehr kommt bald.

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6 Antworten to “Wo kommt Glaube her? – Gott entdecken”

  1. Arne 18 Februar, 2008 um 8:42 am #

    Gute Serie.
    Historisch gesehen ist doch weniger die Frage: wieso gibt es Religion, sondern: „wie kommt es, dass in einenm kleinen Teil der Welt (Europa), in einer Zeit von ca. 200 Jahren, eine kleine Akademikaerelite NICHT glaubt?“ Und vor allem: wie schaffen diese es, so viel Definitionsmacht zu haben, einer ganzen Gesellschaft einzureden, dass der Weg des Nichtglaubens der normale ist?

  2. marlster 18 Februar, 2008 um 12:14 pm #

    Hm, interessante Frage. Ich nehme an, Stark würde 2 Argumente bringen:
    1. – geistliche Entwicklungen starten meist in der Oberschicht. Ursprünglich war Christentum (und die meisten Religionen) ein Impuls in der Oberschicht, die sich dann auf’s Volk ausbreitete. Da ist die Frage, wie viel Power wir Gläubigen in der Oberschicht haben.
    2. – die ganze Gesellschaft war schon immer relativ ungläubig. Wenn man Stark glauben darf, dann war die religiöse Beteiligung im Volk schon immer relativ gering (bis zu 5% aktive Beteiligung). Was heute anders ist, dass die informelle Autorität von Kirchen abgenommen und damit die Leute offen über Unglauben reden. Früher war das unter dem Mantel der Respektierbarkeit wahrscheinlich weniger möglich.

  3. Achti 18 Februar, 2008 um 9:05 pm #

    Spannender Artikel. Das Ende aber ist enttäuschend. Es werden verschiedene Erklärungsmuster referriert, aber eine Evaluation bleibt zu vermissen.
    Gerade die letzte (die wohl besser religionswissenschaftlich genannt wird) reizt auch zum Widerspruch, wogegen dann ein christlich-theologische Position zu erwarten wäre. Zumindest aus meiner Sicht.
    Letztendlich geht es ja auch mal wieder um die Wahrheitsfrage…

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  1. Der Niedergang der Staatskirchen und das Wachstum von Religion – Gott entdecken « siyach - 17 Februar, 2008

    […] ich mich. Neben dem Wetter beschäftigt mich die Frage aus Rodney Starks Discovering God (Zsf Teil 1): warum sind manche Generationen gläubiger als andere? Warum sind manche Völker religiöser als […]

  2. Religiöse Innovation? – Gott entdecken « siyach - 22 Februar, 2008

    […] sagt in Discovering God, dass eine ähnliche Wirkung bei der Entwicklung von Religionen gibt (Zsf Teil 1 und 2). Innovation in Religion kommt aus 3 Quellen: Anwendung auf ein neues Umfeld, Entwicklung von […]

  3. Wie entstehen Bewegungen? - Gott erkennen « siyach - 27 Februar, 2008

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