Was macht Gründer erfolgreich – Projekt vReddy

8 Jan

Zur Zeit bin ich viel in Kontakt mit der raren Spezies der Gemeindegründer in Deutschland. Letzten Herbst haben wir in Budapest über Gemeindegründung diskutiert und einen Plan aufgestellt, wie wir Gründungen besser unterstützen können. Jetzt haben wir eine Church Planting Task Force gegründet und uns wurde klar, dass es wichtig ist, die tatsächlichen Bedürfnisse der Gemeindegründer zu verstehen, um sie dann entsprechend fördern zu können.planting.jpg

Also haben wir das Projekt vReddy gestartet: benannt nach dem Pflanzenwissenschaftler Vangimalla R. Reddy, dessen Forschung und Modellierung den Prozess von Pflanzung, Wachstum und Fruchtbarkeit von Nutzpflanzen verbessert. Grundlegend für diese Optimierung ist ein tiefes Verstehen der Wirkfaktoren und der Umgebung. Mit diesem Verstehen erstellt Reddy dann Modelle, die ein Eingreifen in und Optimierung des Wachstums erlauben. Projekt vReddy greift diesen Ansatz für Gemeindegründungen auf: durch Forschung über Wirkfaktoren und Umgebungsbedingungen soll eine Grundlage geschaffen werden, um ein Optimieren des Gründungsprozesses zu ermöglichen.

Daher streben wir knapp 100 Interviews an mit Personen, die Gemeinden gründen, gegründet haben oder versuchten zu gründen. Unser Schwerpunkt liegt dabei auf der Person des Gründers, dessen Fähigkeiten und dem Team in der ersten Phase der Gründung. Wenn wir verstehen, was dort die wesentlichen Faktoren sind, werden wir in einem zweiten Schritt an Maßnahmen arbeiten, um Gründer durch Training, Vernetzung und praktische Unterstützung zu fördern. Wir wollen verstehen, was wirklich funktioniert (und wo man diese Fähigkeiten her hat).

Neben den direkten Interviews lesen wir auch allerhand Studien dazu und reden mit Denkern auf diesem interessanten Gebiet. Es ist auf jeden Fall schon mal sehr spaßig, mit so viele Draufgängern zu reden, die in unserem Land geistlich was bewegen.

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10 Antworten to “Was macht Gründer erfolgreich – Projekt vReddy”

  1. Dirk 8 Januar, 2008 um 12:09 pm #

    Hi!

    Super Sache!

    Nach meinen bisherigen Recherchen gibt einige wenige Aufbrüche in Sachen „Gemeindegründung“ in Deutschland. Auch manche Verbände haben sich das auf die Fahnen geschrieben (wenn vielleicht auch mehr in eine kleine Ecke der Fahne! 🙂 ).

    Was aus meiner Sicht fehlt, ist u.a. das:
    – Geld.
    Ja, Gott kann und will versorgen und selbst mit viel Geld ist eine Gemeindegründung nicht garantiert.
    Aber ohne Geld geht wirklich nicht viel.
    Für den klassischen Gemeindegründer in Deutschland bleibt m.E. im Normalfall das „Zeltmacher-Prinzip“. Das kann ja sogar hilfreich sein.
    Es gibt m.E. aber auch Fälle, in denen ein Gemeindegründer eher zwischen Armut und wenig Mitteln (=Gemeindegründung) oder einem „ordentlichen“ Job wählen muss.
    Für unsere Gemeinden und Christen ist die Frage:
    Was ist uns das Gemeindepflanzen wert?

    – Es fehlt mitunter die Kultur der Förderung:
    Dabei denke ich das Coaching, das Motivieren, das gemeinsame Herausfinden von Chancen … ich glaube, dass es gerade in der ersten Zeit eines Gemeindegründers so viele frustrierende Erfahrungen geben kann, dass mancher ohne solche Förder-Kultur aufgeben würde.
    Im besten Fall sollte das die sog. „Muttergemeinde“ bringen oder ein entsprechender Verband.
    Aber die Wirklichkeit sieht wohl nicht immer so aus.

    Ich find’s toll, dass Ihr solche Gedanken wagt und konkrete Schritte gehen wollt.
    Gott segne Euch dafür!
    Dirk.

  2. marlster 8 Januar, 2008 um 12:16 pm #

    Hi Dirk,
    danke für das Feedback. Geld spielt sicher einer Rolle. Was ist denn aus deiner Meinung der Zweck von Geld? Also wofür braucht denn ein Gründer Geld? Was kann er denn nicht, wenn Geld fehlt?

  3. Dirk 8 Januar, 2008 um 12:54 pm #

    Ich denke das:

    Zum einen ganz grundsätzlich:
    Geld wird benötigt, um selbst leben zu können.

    Zum anderen ist es dann eine Einzelfallfrage:
    Wie soll die Gemeindegründung starten?
    Wie soll sich was entwickeln?
    Je nachdem, wird mehr oder weniger Geld benötigt.

    Mal zwei „Extreme“:
    a) Der Gründer engagiert sich im örtlichen Sportverein, lernt die Nachbarn kennen etc. – irgendwann entwickeln sich Gespräche über Gott & die Welt. Im besten Fall kann der Gründer irgendwann mit diesen Menschen einen Hauskreis gründen.
    Der Gründer tritt hier als evangelistisch Begabter auf (bzw. sollte es sein).
    Diese Art erfordert relativ wenig Geld. Vielleicht im Hauskreisstadium ein bisschen Geld für Materialien (Bibelkurs für Einsteiger, andere Medien…).
    Vorteil dieser Methode scheint mir zu sein: Es wird nur das getan, was die Gruppe leisten kann. Ein eher natürlicher Prozess.
    Nachteil: Es kann sehr lange dauern und der Gründer muss für diese Aufgabe viel Freiraum und eine eindeutig evangelistische Begabung haben.

    b) Es wird mit einer Art „Gründerteam“ gearbeitet und man geht relativ schnell „in die Vollen“. D.h.: Raummiete, ggf. Kauf von OH-Projektor, Beamer, Produzieren von Flyern, Internetauftritt…
    Vorteil: Manchmal kann eine Gemeindegründung schneller als bei a) vonstatten gehen. Durch die Teamarbeit muss der Gründer nicht „tausende“ von Fähigkeiten haben. Es wird eher die Vielfalt gewahrt.
    Nachteil: Natürlich braucht auch das Team eine gewisse Freisetzung von anderen Aufgaben. Und von Beginn an entstehen Kosten, die durchaus das Budget einer Kleingruppe sprengen können.

    Was denkst Du?

  4. Martin DJ 8 Januar, 2008 um 4:11 pm #

    hallo marlin … ich bin sehr begeistert, hier von eurem plänen zu lesen … und was die interviews so bringen, da bin ich voll kanne gespannt … will und brauch da dringend input und vorbilder und lehrer … wir bleiben am ball … grüße von martin

  5. Georgia Bühlmann 13 Januar, 2008 um 9:28 am #

    Habe da mal Eure Gedanken und vielleicht auch zT Erfahrungen gelesen.
    Ich bin nicht unbedingt DIE Gemeindegründerin, aber da ich praktisch im Boot sitze muss ich was dazu sagen.
    Zum Gemeinde gründen braucht es 1. eine Vision 2. einen klaren Auftrag 3. Gehorsam 4. Gastfreundschaft und noch mal Gastfreundschaft und noch mal Gastfreundschaft 5. Ideen, Inspiration und Umsetzung, Kreativität 6. Durchhalten, nicht auf geben. 7. Glaubensgrundkurs 8. wieder Durchhalten 9. Geld
    Geld ist so eine Sache. Ich glaube viele junge Gründer sind heute nicht mehr bereit sich wirklich ganz zu verschenken. Geld ist häufig ein guter Gradmesser, wo jemand geistlich steht( ich weiss ist eine gewagte Aussage) Gemeinde gründen ist wirklich etwas Ganzheitliches und wenn etwas aus der Balance gerät fehlt das Gleichgewicht. Ich habe viele gesehen, die gut angefangen haben voll begabt, aber DIE Beziehung zu IHM war nicht DAS Wichtigste oder Beziehungsfragen wurden nicht wirklich gelöst. Diese Gründer sind heute weg vom Fenster.
    Ich erlebe wirklich einige Gemeindegründer als starke Persönlichkeiten, die es selber schaffen und die Beziehung mit Gott leben. Wenn sie anstehen brauchen sie oft nur Ermutigung oder Ermahnung und sie laufen wieder. Geld regiert die Welt und ihr könnt nicht 2 Herren dienen. Da erlebe ich auch Gemeindegründer, die meinen die Muttergemeinde sei für ihr Vorwärtskommen verantwortlich. Wenn es Schwierigkeiten gibt ist alles Schuld, nur nicht das Gründerpaar oder Einzelperson selber. Ich verstehe oft nicht warum wir so herausgefordert sind und es immer an Geld fehlt. Kann es auch sein, dass wenn wir grosszügig sind, Gott auch grosszügig ist?
    Gemeinde gründen soll nur jemand, der die Menschen liebt, egal ob er evangelistisch ist oder ein Hirte, die Menschen sind immer wichtiger als Kohle. Wenn Geld Thema Nr. 1 ist mit so jemandem möchte ich keine Gemeinde gründen. Die Gelder, die wir von Organisationen bekommen, verderben uns hier vielleicht sogar unsere Natürlichkeit.
    Die Zukunft wird es zeigen. Manch einer wird wieder das Fenster schliessen.
    Gorgeli

  6. Dirk 13 Januar, 2008 um 2:56 pm #

    Hi Georgia!

    Gute Gedanken von Dir.
    Fühle mich angesprochen.

    Für mich ist es bislang eine Vertrauenssache zu Gott.
    Ich habe keine Ahnung, wie Gott mich und meine Familie in 2 Monaten oder gar in einem halben Jahr versorgen wird.
    Da sehe ich mich auf jeden Fall in der Verantwortung, darüber nachzudenken und zu beten.
    Das einzige, was mich dann über Wasser hält, ist der Ruf Gottes bzw. die Vision. Wenn das nicht wäre, hätte ich schon längst aufgegeben. Insofern stimme ich Dir hinsichtlich der Vision zu.

    Und es ist auf jeden Fall einfacher, wenn man weiß, dass auch die eigene Gemeindeleitung voll und ganz hinter dem Vorhaben steckt.
    Für mich macht das schon wesentliche Unterschiede aus.
    Es wäre toll, wenn man erfahren würde, dass man ansatzweise gecoacht wird. Wenn das nicht stattfindet, dann geht’s auch (ist ja schließlich Gottes Werk), aber es kommt mir dann steiniger vor.

    Trotzdem erfahre ich letztlich das:
    – Gott hat uns in den letzten Jahren immer versorgt. Wir hatten nie materielle Not.
    – Gott wird auch in nächster Zeit versorgen. Wie auch immer. Denn es ist Sein Reich und Er weiß, in welcher Situation wir sind und was wir brauchen.

    Deshalb stelle ich fest:
    Es gibt hilfreiche Rahmenbedingungen (Geld, Technik etc.). Toll, wenn das da ist. Schafft manchmal neue Chancen.
    Und es gibt Rahmenbedingungen, an denen ich entweder im Glauben reife oder … zeitweilig scheitere – bis Gott mich manche Lektione dann irgendwie anders lehren will.

    Meine These ist:
    Jemand, der keine Vision hat und für den „Geld“ das Thema Nr.1 ist, der hält kaum länger als ein Jahr aus.
    Jemand, der Vision hat, aber kein Geld – der stirbt, weil er sich kein Essen kaufen kann. 🙂 Nee, da habe ich schon die Hoffnung, dass Gott dann irgendwie versorgen wird.
    Und jemand, der Vision hat und Geld – der kann vielleicht neue Chancen erarbeiten.

    Gby,
    Dirk.

  7. Georgia Bühlmann 14 Januar, 2008 um 6:27 am #

    Lieber Dirk,

    wenn wir Christen verstehen würden, was für ein Segen es ist sich um einander zu kümmern, in jeder Hinsicht, ich meine aber nicht die Eigenverantwortung von anderen Christen zu übernehmen, dann wäre das Leben für viele heilend.
    Keine Ahnung Dirk was Du machst. Natürlich ist es Deine Verantwortung die Familie zu versorgen. Arbeitest Du in einem sekularen Job? Bist Du am Gemeinde gründen?
    In unseren Breitengraden kann man ja nicht einfach so los gehen und „nichts“ machen. Martin und ich haben das vor 26 Jahren gemacht. Manchmal hatten wir fast nichts, wir waren am falschen Ort, aber die Absichten waren gut. Bis einer kam und uns fragte: wollt ihr eigentlich die Kühe bekehren? Ihr müsst dahin gehen wo die Menschen sind. Wir waren 3 Jahre ohne jegliche bezahlte Arbeit in den Bergen, weil Martins Eltern dort ein Haus besassen und für uns eine wunder schöne Wohnung bauten, die im Monat nur 650.- Fr kostete Also zogen wir etwas später um, obwohl ich das gar nicht mochte. Ich meine nicht, dass jeder Gemeindegründer so schwer durch muss wie wir. Wenn wir Martins Eltern, die uns immer wieder freiwillig etwas zu steckten nicht gehabt hätten, hätten wir nicht überlebt. Das war auch nicht nur gut. Sie wussten nichts von unserer finanziellen Lage, sie lebten den Glauben, so wie Landeskirchen Menschen den Glauben leben, waren aber immer sehr gottesfürchtig.
    Ich bin überzeugt, Du musst Eigenverantwortung für Deine Familie übernehmen.
    Keine Frage. Sind den schon Menschen zum Glauben gekommen durch dich?
    Bevor wir eine Gemeinde gründeten hat Martin 11 Menschen an seinem Arbeitsplatz auf der Bank, zum Herrn geführt. So wussten wir das ist nicht nur eine Schwärmerei, Gott steht dazu. Diese Leute waren aber dann nicht mit in der Gemeindegründung, die haben wir unterwegs auch wieder aus den Augen verloren.
    Oft erlebe ich eben auch Gemeindegründer, die die Vorstellung haben eine Gemeinde anzufangen und dann nicht so viel arbeiten zu müssen. Solche Menschen gehen mir echt auf den Wecker. Da sind manchmal Nichtchristen angenehmer und verschenken sich mehr. Keine Ahnung, wo du stehst. Kenne Dich nicht. Wünsche Dir auf jeden Fall Gottesversorgung nach Leib Seele und Geist.
    Gruss Gorgeli

  8. Dirk 14 Januar, 2008 um 8:13 am #

    Hi Georgia!

    Ich bin zur Zeit in einem missionarischen Projekt in Berlin-Spandau. Hatte auch schon mal ein Gespräch mit Jochen & Steffi.
    Gott hat es mir auf’s Herz gelegt, in einem sog. „Problemkiez“ präsent zu sein. Die Vision ist:
    „Gott wird Sein Volk aus der Gefangenschaft befreien und sie in das verheißene Land führen. Wir werden Zeugen davon sein.“
    Und ich meine:
    Er will sich dort eine geistlich gesinnte Gemeinde bauen, die Ihn lobpreist.
    Diese Verheißung wurde für mich im Gebet immer wieder bestätigt.
    Was das konkret für mich heißt, weiß ich nicht.
    Vielleicht soll ich was anschubsen und andere machen weiter.
    Vielleicht soll ich auch zur Gemeindegründung beitragen.
    ???

    Beruflich bin ich noch ca. ein halbes Jahr in einer theologischen Ausbildung und lebe noch von ALG I. Meine Frau ist die Hauptverdienerin.
    Einer meiner Fragen an Gott ist, wie es für mich und uns im Rahmen des Projektes weitergehen soll.
    Denn das ist momentan deutlich:
    Das Projekt kostet Geld, bringt aber keins ein.
    Und ich will schon „Ein paar Brötchen“ dazu verdienen.
    Ich merke: Gott macht mir zwar Mut – aber gibt keine konkrete Antwort. Also, abwarten und beten, gell? 🙂

    Noch eins zum Projekt:
    Mit dem offiziellen Start des Projekts hat sich ein Freund von mir zu Jesus gewandt und eine Schwester blüht geistlich auf.
    Mit den beiden zusammen emfpinden wir uns manchmal schon als Gemeinde.

    Danke für Deine Segenswünsche.
    Ich leite sie weiter, damit sie irgendwie wieder auf Dich treffen! 🙂
    Dirk.

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  1. Persönlicher Blogrundblick « dikosss blog - 8 Januar, 2008

    […] Gründertypen ansehe, aber es ist trotzdem “mein” Thema. Deshalb: Super Sache, die bei Marlin beschrieben […]

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    […] Treffen vom European Church Planting Network (ecpn) und werde wieder live bloggen. Wir haben unser Forschungsprojekt durchlaufen und 50 Interviews mit Gründern gemacht. Bisher hat es inspiriert und mir gehen viele […]

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