Die Praktiken eines Gemeindegründers

11 Jul

Wir sind gerade dran, unseren Plan von Gemeinschaften (Cluster) bei uns in der Gemeinde voran zu bringen und in Mannheim eine Gemeindegründung zu starten. Das Flair von Gemeindegründung reizt mich einfach: Risiko, Hingabe, Träume, Zweifel, Erwartung. Kürzlich kam mir das in Berlin wieder und hat in mir den Wunsch gestärkt, weiter Gemeinden zu gründen und andere dafür scharf zu machen. Wir planen ein Gründer/Cluster-Camp im Januar 2008 und ich wollte schon mal meine Gedanken formulieren. Was macht denn so ein Gemeindegründer? Was sind die Aufgaben, die anstehen?

Träume artikulieren
Träume sind die Energie, die eine Gründung voranbringt. Warum lässt man sich auf eine Zeit ein, wo viel schief gehen kann, man viel Einsatz bringt und häufig noch wenig sieht? Weil man Träume hat, die wie ein Anker in der Zukunft liegen und den Antrieb vorwärts geben. Zunächst hat man nichts, um Personen zu motivieren als Worte von Träumen. Leute beteiligen sich an einer Gründung, weil sie mit den Träumen übereinstimmen und sich so eine Zukunft selbst gerne wünschen. Daher ist es das Ziel eines Gründers, diese Träume zu sammeln und kommunizieren. Es ist eigentlich egal, ob sie von dem Gründer selbst kommen, einem Team, ob sie vorgegeben sind oder sich mit der Zeit entwickeln. Wichtig finde ich, dass sie irgendwann griffig formuliert werden und zu leben beginnen.

Hingabe vorleben
Die erste Gruppe in einer Gründung ist die Keimzelle, in der die Kultur und Schwerpunkte der Gemeinde entstehen. Man kann zwar auch später noch ändern, aber dort wird die erste Prägung gegeben. Damit Träume nicht nur Zukunftsmusik bleiben, muss man sie anfangen zu leben. Wenn auch im Kleinen. Ich finde den Kernfokus in der ersten Zeit sollte die Qualität der natürlichen Hingabe an Jesus haben. Nicht programm-orientiert, nicht zweckmäßig. Sondern die erste Gruppe sollte wirklich in ihrer Hingabe an Jesus wachsen. Braucht es denn wirklich noch eine Gruppe, die tolle Ideen hat und sich später erst um die Beziehung zu Ihm kümmert? Häufig wird das auch vom Gründer geprägt. Man lädt die Leute auf einen neuen Lebensstil ein. Die beste Predigt findet ohne Worte statt.

Prioritäten umsetzen
In einer ersten Phase der Gemeinde kann man zwar viel träumen, aber nur begrenzt viel umsetzen. Man muss sich entscheiden, wo man seine Prioritäten setzen will. Wenn man evangelistisch arbeiten will, muss man sich darauf auch konzentrieren. Und eben nicht noch auf 10 andere Dinge. Und dann ist es die Aufgabe des Gründers, das auch zur Umsetzung zu bringen. In einer großen Gemeinde kann man später Pläne für andere machen (auch keine gute Idee), aber in einer Gründertruppe geht das ja überhaupt nicht. Narrow the focus – ist nicht nur am Anfang eine gute Devise, aber am Anfang ist sie entscheidend. Man muss harte Entscheidung treffen, was man weglässt. Das führt zum nächsten Punkt…

Lücken füllen
Eine Gründung ist eine Übergangsphase. Die Leute müssen auf viel Verzichten, wenn sie sonst eine volles Gemeindeleben gewohnt sind. Es gibt keine speziellen Programme, keine Sicherheiten, kein Kinderprogramm. Vielleicht ist die Musik deutlich schlechter. Es hilft, wenn man mit dieser Spannung leben kann und sich nicht nur Anspruchsdenken Gefangen nehmen lässt. Trotzdem gibt es manchmal Lücken, die man einfach schließen sollte. Bei uns war es die Anbetungsleitung. Wir hatten niemand, der das richtig übernommen hat. Aber Anbetung war uns wichtig, sehr wichtig sogar. Es hilft dann, entweder Multi-Skills zu haben, schnell zu lernen oder ein Netzwerk zu haben, um grundlegende Lücken füllen zu können.

Menschen integrieren
Wenn das Ziel ist, eine Gruppe zu etablieren, muss man Menschen gut integrieren können. Einerseits sozial – d.h. viel Zeit mit Leuten verbringen, sie kennen lernen, ihnen zuhören, sie connecten; andererseits dienstmäßig – jede Person ist eine Gabe und bringt Stärken mit. Da die Gruppe klein ist, will man diese Stärken nutzen und Raum für die Personen schaffen. Ich bin wirklich kein Fan von Not-getriebenen Dienstpositionen (oh, wir brauchen Kinderdienst – hätte nicht jemand Lust). Ich glaube, an die Einsetzung von Stärke – wenn jemand gerne singt, soll er singen; wenn jemand gerne kocht, soll er kochen. Was ist wenn alle gerne kochen? Dann wird eben viel gegessen. Obwohl man Leute auch herausfordert, muss man bewusst mit den Gaben umgehen, die Gott ins Gründungsumfeld gegeben hat. Die Suppe schmeckt so wie die Gemüse die drin sind.

die Stimmung halten
Vielleicht am wichtigsten wenn die Zeit voranschreitet. Man muss die Motivation für sich selbst halten. Mir hat es geholfen, voll zu arbeiten während dieser Zeit. Dadurch wurde ich nicht nervös, auch wenn man ein paar Monate sehr wenig passierte. Dieser Graubereich, wo vieles noch nicht klar ist, wie es sich entwickelt, kann schon an den Nerven zähren. Es ist gut, wenn man kompensieren kann – Freude in anderen Lebensbereichen findet und seine eigene Stimmung managen kann. Es ist nicht gut, wenn man zu lange zu nervös wird, Panik unter der Truppe verbreitet und hofft, dass Leute kommen, damit man seine Angst begraben kann. Diese Ängste muss man durchstehen. Das ist Teil von jeder Geburt.

Ich weiß nicht, ob das alles ist. Es ist man ein erster Gedanken-Sketch. Fehlt noch was? Gibt es andere Schwerpunkte?

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2 Antworten to “Die Praktiken eines Gemeindegründers”

  1. Martin 12 Juli, 2007 um 4:31 pm #

    hallo marlin
    habe eben bei dir gelesen von dem projekt mannheim … wer sind denn außer dir die leute, die da hinter stehen und die sich darüber gedanken machen? und noch ´ne frage: was weißt du neben berlin – köpenick noch von vineyard – plänen in ostdeutschland? mit grüßen aus adelshofen … martindj

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  1. Verlinkte Links #3 » Schrotty - think about - 18 Juli, 2007

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