Die 4-Stunden-Woche

6 Jun

Wäre das nicht schön: nur 4 Stunden pro Woche zu arbeiten? Mit diesem Anspruch startet Tim Ferriss sein Buch und man könnte denken, er wäre ein Hochstapler. Vor 2 Jahren habe ich ein Buch bei Johannes aufgeschnappt und seitdem praktiziere ich GTD. Das war ein großer Wurf und daher war ich auch jetzt gegen die Hochstapler-Anmutung resistent und habe The Four-Hour-Workweek gelesen. Die Ähnlichkeiten zu GTD liegen nahe und ich würde es mit gleichem Impact gewichten.

Um was geht es? Ferriss erfindet eine neue Klasse von Arbeitern, die er die New Rich (NR) nennt. Diese unterscheidt er von der alten Arbeitsmentalität (arbeite viel, spare, gehe irgendwann in die Rente) und schlägt vor, sein Leben zu Strukturieren, dass man hier und jetzt Spass und Freiheiten hat. Dazu sind seiner Meinung nach 3 Faktoren wichtig: Zeit, Geld und Mobilität.

Ferriss stellt dazu eine Formel vor, um in die Ränke der New Rich aufzusteigen: DEAL. Define – Eliminate – Automate – Liberate. Mit Define setzt man die Richtung; mit Eliminate schafft man sich Zeit; mit Automate bekommt man Kohle und mit Liberate gesellt sich die Mobilität hinzu.

DEFINE – Ferriss startet seine New Rich-Philosophie mit dem Formulieren von Träumen. Was willst du mit deinem Leben machen? Wenn es nicht um Geld geht und an keinen Grenzen scheitert: was würdest du mit deiner Zeit machen? Dazu schlägt er eine Dreamline: Träume aufschreiben, Kosten dazurechnen und die konkrete Schritte für die wichtigsten 4 Träume aufschreiben. Lifestyle-Design nennet er diesen Ansatz: erst planen, dann umsetzen.

ELIMINATE – um seine Träume zu erreichen, muss man sich Zeit freischaufeln. Es geht darum, Dinge aus dem Leben abzuschaffen, die Zeit fressen und dich im Büro fesseln. Erster Vorschlag ist die Low-Information Diet: wenig Input, keine Nachrichten, so wenig wie möglich Email, Blackberry ersäufen etc. Anstatt Input sollte man sich auf den Output konzentrieren. Nur was wirklich zu einem konkreten Ergebnis führt, bekommt Aufmerksamkeit. Die beiden Videos hier erklären dieses Prinzip noch weiter (keine Angst: schweizerdeutsch nur am Anfang):

Dann folgt das Pareto-Prinzip, um Zeit freizuschaufeln. 20% der Anstrengungen führen zu 80% der Ergebnisse. Also nur 20% machen. Und den Rest einfach lassen. Außerdem zieht er lehren aus dem Parkinson-Gesetz – Arbeit nimmt immer so viel Raum ein, wie man ihr zugesteht. Wenn man 8 Stunden für einen Text hat, braucht man genauso bis zu letzten Minute wie wenn man nur 20 Minuten dafür hat. Also sollte man sich harte Deadlines setzen und damit die Arbeit eingrenzen. Alle Tipps hier sind superweltklasse und relativ leicht umsetzbar. Dafür alleine lohnt sich das Buch schon.

AUTOMATE – Ferriss schlägt vor, alle wiederkehrende Arbeit outzusourcen. Er macht das in Indien, wo ein paar Leute seine Inbox pflegen, Termin für ihn vereinbaren und alle Standardabläufe erledigen. Das zwingt einem dazu, gute Regeln für die Arbeit aufzustellen und nur das weiterzugeben, für das man bereit ist, Geld zu zahlen. Für Deutsche ist das nicht so leicht. Wir finden wahrscheinlich keine Inder, die deutsch sprechen und uns hier weiterhelfen können. Ferriss meint, alles was billiger erledigt werden kann als von dir selbst sollte von jemand anderem erledigt werden.

Hinzu kommt die Erstellung eines Business, das von alleine laufen kann. In Ferriss Fall hat er ein Sport-Nahrungsmittel entworfen, das mit Hilfe von CallCentern und Outsourcing alleine läuft und ihm viel Kohle in die Kasse spühlt. Er hat dann konkrete Vorschläge, wie man so einen Prozess nachahmen kann. Wäre schön, wenn das klappt, aber hier bin ich etwas skeptisch. Sicher ist es gut, so viel wie möglich outzusourcen und automatisieren. Aber ich frage mich, ob es so viele Ideen gibt, die von alleine laufen können.

LIBERATE – zuletzt ist die gewonnen Freiheit von Zeit und Geld erst dann richtig schön, wenn man die Welt bereisen kann. Mit Mobilität mein Ferriss das Arrangement seiner Arbeit, so dass man von jedem Ort der Welt aus seine 4 Stunden einlegen kann. Für Leute in einem Arbeitsverhältnis würde dieser Schritt vor Automate kommen (also DELA statt DEAL) und führt dazu, dass man ungeniert nur ein paar Stunden für seinen Chef arbeitet. Man kann sich das leisten, weil man eben super-effektiv ist aufgrund der Eliminate-Haltungen. Dann folgen eine Reihe von Tipps für billige Weltreisen, Häusertausch etc.

Insgesamt ist das Buch ein reines Tipp-Festival: vom Schnellesen zum einfach Sprachenlernen zum Aufsetzen von Call Centern. Es steckt viel drin. Die Prinzipien sind einfach und nahe liegend. Vor allem die Define- und Eliminate-Kapitel haben es in sich und werden sich sehr gut ausbezahlen. Vom Stil her lässt sich über das Buch streiten. Ferriss mangelt es sicher nicht an Selbstvertrauen. Manche seiner Vorschläge sind nicht gerade integer. Dennoch würde ich The Four-Hour-Workweek auf eine Stufe mit GTD stellen. Wo GTD hilft, das Chaos zu managen, bringt 4HW dazu, das Chaos zu beseitigen und automatisieren.

Tim Ferriss blog | Ferriss-Vortrag bei SXSW | 4HW Zusammenfassung | Low-information diet manifesto

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15 Antworten to “Die 4-Stunden-Woche”

  1. Arnachie 6 Juni, 2007 um 9:48 am #

    „AUTOMATE – Ferriss schlägt vor, alle wiederkehrende Arbeit outzusourcen. Er macht das in Indien, wo ein paar Leute seine Inbox pflegen, Termin für ihn vereinbaren und alle Standardabläufe erledigen.“
    Ist man ein ewiggestriger alt 68er wenn man das dekadent findet?
    Je mehr ich mich mit der kreativen Klasse beschäftige, desto unsympathischer finde ich ihre pragmatische Rückgratlosigkeit.
    Das ist von der Lebenswelt der Menschen, die ich kenne so weit weg, wie Putin von Bush weg ist.

  2. marlster 7 Juni, 2007 um 1:09 am #

    Wie gesagt: Ferriss ist nicht gerade ein Musterknabe in Sachen Integrität und Selbsthingabe für die Menschlichkeit. Ziemlich pragmatisch auf seinen Vorteil aus.

    Aber: wie ist das denn anders als andere Dienstleistungen? Wenn du dein Auto zum Mechaniker bringst, Brötchen kaufst, die Bank dein Geld bewahren lässt oder als Hiwi für deinen Prof Blätter kopierst. Arbeit ist ja immer etwas für jemand anderen erledigen für einen bestimmten Gegenwert. Oder habe ich das was übersehen?

  3. Alex 7 Juni, 2007 um 8:03 am #

    Hey Marlin,
    vielen Dank für dieses Rezension und allgemein für den Blog, finde der Inhalt ist (fast) jedes mal eine Herausforderung für mich! Das Buch spziell muß ich unbedingt kaufen, klingt nach etwas wonach ich schon lange gesucht habe 🙂

    Ciao, Alex

  4. einwort 7 Juni, 2007 um 8:24 am #

    ich finde er sollte an jeden seiner inder eine ausgabe seines buches schenken!

    oder könnte das zu einem problem führen?

    (aber generell finde ich die tips sehr gut!)

  5. streulicht 3 Juli, 2007 um 6:25 pm #

    Nun ja, also wenn jeder deligiert und outsourced, wer macht dann die Arbeit und wer stellt Produkte her die wirklich zu Wertschöpfung beitragen. Die Einkommensart enspricht dem des passiven Einkommens in Multilevelmarketing. Dem Mechaniker bringe ich mein Auto, weil ich es selbst nicht kann, oder mir die Zeit fehlt, weil ich Geld verdienen muss um den Mechaniker zu bezahlen.

  6. marlster 6 Juli, 2007 um 2:22 pm #

    Hm, das outsourcing scheint tief unpopulär zu sein. Wenn es darum geht, Zeit zu sparen bei gleicher Arbeitslast, dann kann man das nur machen, indem man Arbeit verteilt. Das ist ja auch die Idee von Firmen: man verteilt die Arbeit nach Erfahrung und Skills. Wenn ein Inder 5 Euro verdient, um Aufgaben zu übernehmen, ist das ein Rießenverdienst für den. Ist das nicht gut, wenn beide gewinnen?! Ich habe mehr Zeit und er mehr Kohle?

    Hier ist noch ein interessanter Artikel über Outsourcing mit dieser Art von Services: my outsourced life.

  7. Karsten 20 Dezember, 2007 um 4:11 pm #

    Hallo zusammen,

    zum Buch „The 4-Hour Workweek“ gibt es eine deutschsprachige Website für Diskussionen:

    http://4-stunden-arbeitswoche.de/

    Gruß
    Karsten

  8. Patrick C. Price 6 Februar, 2008 um 3:44 pm #

    Hallo Zusammen

    Danke für die Integration meines Interviews mit Tim. Bin Euch auch dankbar, wenn Ihr die Arbeit mit einem Backlink als Quellen-Angabe würdigt 🙂

    Dieses und weitere interessante Interviews findest Du auf netznews.tv (nicht-kommerzieller video-blog)
    http://www.netznews.tv

    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Patrick

  9. Oliver Springer 6 Juli, 2008 um 5:58 pm #

    Diejenigen, die das Outsourcing von Dienstleistungen kritisieren sollten eine andere Seite der Globalisierung berücksichtigen: Deutschland ist Exportweltmeister (immer noch nicht von China überholt, auch wenn das nicht mehr so lange auf sich warten lassen wird).

    Was, wenn anderen Ländern gesagt würde: Ach, die armen Deutschen bauen uns Autos, Maschinen etc. Wie schlimm.

    Unsinn, oder?

    Das Anheuern indischer Dienstleister dürfte den Aufschwung dort unterstützen. Problematisch ist diese Entwicklung eher für entsprechende Dienstleister in den Hochlohnländern.

    Wer meint, die Menschen in Indien würden für ihre Dienstleistung zu wenig Geld bekommen, kann seinem Dienstleister ja mehr bezahlen.

  10. svenivobrinck 2 November, 2012 um 1:18 pm #

    Reblogged this on sven ivo brinck und kommentierte:
    Sehr schöne Zusammenfassung zu dem Buch „Die 4 Stunden Woche“ vonTim Ferriss.

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  1. Abtauchen « Reinalds Ramblings - 10 Juni, 2007

    […] Und ich werde wahrscheinlich in Zukunft auch mehr Zeit zum Schreiben haben, nachdem ich mir das von Marlin empfohlene “Four Hour Week” bestellt habe. Lesestoff, den ich euch sonst noch empfehlen kann: Ulli […]

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    […] ganz gute Zusammenfassung des ganzen Buches findet man hier Die 4 Stunden Woche und hier […]

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