Winter-Christen und Worship-Songs

10 Mai

War gestern mit Arne Mittagessen und war mal wieder von seinen Einsichten begeistert. Er ist ja jetzt auch in Heidelberg, scheitert auf seinem schönen Blog nach vorne und bringt immer wieder Sachen gut auf den Punkt.

Gestern ging es um unser Emerging-Projekt vineyardkontakt. Mir ist aufgefallen, dass sich dort auch einige Leute wiederfinden, die gar nicht so ins typisch emerging-kulturkreative-mac-bloggen-Image passen (vielleicht wieder ein Hinweis, dass Typen einfach fast nie passen). Jedenfalls sind da welche, die mit unsrer Normal-Vineyard nicht immer was anfangen können. Zu jung, zu optmistisch, zu worship-mäßig – hört man da. Das finde ich eigentlich nicht schlecht, denn in so einer Gemeinde bin ich gerne. Aber wenn Leute da nicht so einen Zugang finden, bringt mich das natürlich zum Nachdenken. Arne meinte dazu (so ungefähr dem Wortlaut nach):

Für Hillsong worship braucht es schon so einen gewissen Grundenthusiasmus
Sonst kommst du nicht rein
Wenn du rein kommst, wächst der Enthusiasmus noch weiter
Wenn nicht, wird das eher noch deprimierend

Wow, was für eine treffende Einsicht. Ich bin zwar nicht so der Überenthusiast, aber ich bin immer bereit, mich in einen guten Worship-Song reinzuexpandieren. Das ist für mich nicht der Emotion wegen, aber ich kann so echt mit Gott connecten.

Was ist mit denen, die das nicht können? Mir fällt auf, dass es viele gute, ehrliche Leute gibt, die einfach nicht gerne singen. Vor allem nicht diese Jesus-I-love-you Lieder. Da hat eine weniger Worship-Song-basierte Anbetung einen guten Beitrag. Denn der Zugang zu Gott sollte doch nicht an den Formen scheitern. Deshalb freue ich mich auch, dass mit Kontakt ein paar Wege gesucht werden, Formen für mehr Menschen zu finden als das „classic vineyard“ kann.

summer_winter.jpgZum Schluss zitierte mir Mr Arnechie dann noch einen Post von Richard Back über Sommer- und Winterchristen. Eine Hervorragende Abhandlung über verschiedene Typen des Glaubens und dem Platz von Zweifel in der Anbetung.

Winter-Christen überleben meist nicht in Sommer-überfluteten Gemeinden
Oder Sommer-Christen in Winter-Gemeinden

Ich glaube, ich habe mit dieser Unterscheidung einige Seelen gerettet.

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8 Antworten to “Winter-Christen und Worship-Songs”

  1. Simon 10 Mai, 2007 um 10:21 pm #

    Für Hillsong worship braucht es schon so einen gewissen Grundenthusiasmus
    Sonst kommst du nicht rein
    Wenn du rein kommst, wächst der Enthusiasmus noch weiter
    Wenn nicht, wird das eher noch deprimierend

    Puh – wenn das wirklich so ist (ich bin da kein Experte und muss fairerweise dazusagen, dass ich mit Teilen des Hillsong/Vineyard-Liedgutes meine Schwierigkeiten habe), dann gehen bei mir alle Alarmglocken an. Wenn man schon etwas mitbringen muss, um Gott anbeten zu können – und das dann auch noch gute Stimmung sein soll – dann bin ich an den allermeisten Tagen außen vor. Und wenn das Ergebnis nur noch mehr Enthusiasmus sein soll, dann will ich auch gar Teil dessen sein, denn darum geht es in der Anbetung nun wirklich nicht.

    Was heißt das denn, dass ich mich in einen Song reinexpandiere, um dann mit Gott connecten zu können? Ist das nicht der guten alten Werkgerechtigkeit ziemlich ähnlich – nur dieses mal eben auf „emotional“?

    Ich habe viel aus der charismatischen Bewegung gelernt und ich kann auch sehr emotional werden (auch in Bezug auf Jesus), aber da kann ich glaube ich nicht mehr mit …

  2. BroccOli 11 Mai, 2007 um 7:03 am #

    Danke Marlin, für die – auch aus meiner Erfahrung – relevanten Gedanken. Wir erleben das bei uns ähnlich und ringen um die hochgelobte Ganzheitlichkeit. Ich kenne als ehemaliger Pastor im trad. freikirchlichen Umfeld die ganze Diskussions-Palette in der Gemeinde zu allem möglichen Liedgut über alle Jahrhunderte, inkl. Typen- und Generationenfragen. Abgesehen davon müssen wir wohl aber auch ehrlicherweise sagen, dass solche Probleme wohl nur in unserer Wohlstands-Christenheit auftauchen. Manchmal stresst mich extrem, dass wir uns solche Diskussionen überhaupt leisten. Unser christlichen Freunde in Afrika, China usw. würden darüber wohl bloss unverständig den Kopf schütteln und sich fragen, ob wir wohl überhaupt etwas von der Message Jesu vestanden haben …

  3. marlster 11 Mai, 2007 um 7:47 am #

    @simon: das ist sicherlich keine absolute Hürde, aber ich fand es in einigen Fällen treffend. Ich habe auch oft erlebt, dass Anbetungszeiten in Krisen und mit schlechter Stimmung etwas bewirken. Es wird in so einem Umfeld eben Wert auf emotionale Reaktion gelegt und meistens positive Emotionale Reaktion. Deshalb ist die Frage ja gut, wie mit negativen Emotionen wie Zweifel usw umgeganen wird.
    Wegen dem in die Songs reinlehnen und connecten: für mich ist das wie in den Psalmen („meine Seele lobe den Herrn“). Mehr ein Schritt des Glaubens als ein volles Bekenntnis. Und häufig ist das gut für mich in dem Sinn, dass ich etwas aus meiner Lethargie rauskomme und aufmerksamer für Gott werde. Ich würde das nicht als Gerechtigkeits-Kriterium nehmen, sondern eine Selbsterkenntnis wie ich offener für Gott werden kann.

  4. Mathias 11 Mai, 2007 um 7:59 am #

    Ich muss mich bekennen: Ich kann solche Jesus-I-love-you Lieder nur schwer singen, möchte das eigentlich auch nicht.

    Aus Erfahrung in der Leitung eines Jugendkreises weiß ich wovon du schreibst. Es gibt einfach so unterschiedliche ehrliche Christen.

    Da fällt mir ein witziges Beispiel ein: Als wir im Jugendkreis mehr in Gruppen arbeiteten, kamen welche und sagten mir, dass sie das total gut finden, weil jetzt endlich mal neuer Wind reinkommt. Andere wiederum kamen und meinten, dass der Jugendkreis jetzt nicht mehr das ist was er mal war… Beide Gruppen blieben dem Kreis jedoch treu.

    Und so gibt es auch Leute, die nicht in unseren Jugendkreis gehen weil einfach die Alterstruktur nicht passt. Ich bin mir aber sicher, dass die auch regelmäßig kommen würden, wenn sie zu irgendeinem Zeitpunkt mal die Verbindung gefunden hätten.

    Letztenendes frage ich mich auch ob man sich über Typen zu viel Gedanken machen muss oder ob Gott diese „Eintracht der unterschiedlichen Typen“ nicht automatisch schenkt/schenken kann/schenken will und diese Frage eher untergeordnet ist.

    Ich denke an das Beispiel eines Senioren-Ehepaars – Typ Preußische Tugenden: Pünktlichkeit, Anstand, Verbindlichkeit, Treue, …) entwickelt eine Liebe für „postmoderne Teens“ und beginnt eine Jugendarbeit. Dann wird die Liebe sie leiten sich Gedanken über Typen zu machen. Aber das läuft neben der Liebe quasi als Nebeneffekt.

    Das ganze geht natürlich auch andersrum – postmoderner Teen entwickelt Liebe zu Senioren g*.

    Wenn diese Liebe uns Anstoß gibt über Typen nachzudenken und wie man ihnen dienen kann wird es gut.

  5. marlster 11 Mai, 2007 um 8:46 am #

    @Mathias: Richard Beck schreibt, dass durch diese Bezeichnung (vielleicht besser als Typ), für einige Leute Enstpannung ins Leben und Erleben kam. Ich nehme an, man kann sich dadurch mehr Freiraum geben und ist nicht so sehr an seinen eigenen Erfahrungen und Vorlieben orientiert. Das ist für mich auch der Vorteil von z.B. Zugängen zu Gott oder Persönlichkeitstypen.

  6. Arnachie 13 Mai, 2007 um 10:49 pm #

    Ich kenne einige Leute, die sind vollblut Musiker und die sagen sehr oft: wenn die Musik im Gottesdienst nicht stimmt, sind sie irgendwie abgelenkt; es fällt schwieriger Gott darin zu finden. Besonders, wenn ein Instrument verstimmt ist oder so. Es gibt Leute, die erleben Gott in der Schönheit der Schöpfung, die haben vielleicht Schwierigkeiten, Gott im Hof einer grauen Neubausiedlung anzubeten. Ich bin jemand, der Gott auch gerade in der Schönheit der Sprache begegnet und manchmal lenkt es mich ab, wenn ich auf Sprache treffe, die abgenutzt wie ein alter Reifen ist. Es geht also nicht immer nur um Musikstile, sondern auch um Sprachstile. Abgesehen von der ganzen, ich nenns mal, „Emochristen gegen Skachristen“ Problematik…

  7. theolounge 21 Mai, 2007 um 6:26 pm #

    klingt ganz interessant dein artikel 😉

Trackbacks/Pingbacks

  1. peregrinatio » Stoff fürs Wochenende - 11 Mai, 2007

    […] es zu bissig wird: Über einen Verweis bei Marlin bin ich bei Experimental Theology gelandet und habe dort eine schöne Serie über die Theologie des […]

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