The rise – was es für mich bedeutet

2 Apr

Da ich mit The Rise of Christianity fertig bin, bleiben einige Gedanken aus der Serie (1 2 3 4 ). Mich beschäftigt immer noch, wie Bewegungen entstehen und wie wir in Heidelberg eine neue Jesus-Bewegung starten können. Folgendes sind erste Ergebnisse aus The Rise:

Nur soziale Charakteristika?
Stark hebt ziemlich auf die sozialen Dynamiken in der Verbreitung des Christentums ab. Wie soll er auch anders – er ist Soziologieprofessor. Da ist einiges sehr interessant. Mir bleibt immer noch die Beständigkeit und Armendienst als größtes Element hängen. Es geht weniger um große Events, große Wachstumsschübe, sondern einfach beständig sein Jesus-Leben zu leben. Implizit geht aus der Argumentation von Stark auch hervor, dass es mehr die sozialen Charaktieristiken waren also geistliche Power, die den Aufstieg des Christentums verursacht haben. Das ist eine interessante Frage: glaube ich eher an soziale Gesetze oder an Gottes Kraft im Leben von Menschen? Wo setze ich den Schwerpunkt? Stark setzt ihn bei den sozialen Gesetzen. Was ist mein Weltbild?

Demonstration von Gottes Kraft?
Bei Vineyard wird stark auf SHOW-and-TELL gebaut. John Wimber war immer der Meinung, dass das Evangelium nicht nur Reden ist, sondern auch Demonstration von Kraft: Kranke werden geheilt, Wunder passieren. Er merkt, dass im Leben von Jesus, die beiden Dinge Hand-in-Hand gingen. Power-Evangelisation nennt sich das. Das war bisher auch die Brille, durch die ich sowohl das Evangelium als auch Wachstum von Bewegungen gesehen habe. Ich selbst bin nicht so der Wundertäter – überhaupt nicht eigentlich. Ich glaube daran, sehe aber selbst nichts. Stark geht ja ganz klar in die Richtung, dass natürliche Erklärungen reichen. Ist das wirklich so? Hier ist, was ich in der Bibel dazu gefunden habe:

Denn das Reich Gottes steht nicht in Worten, sondern in Kraft.

1. Korinther 4,20

außerdem: Römer 15,18-19 | 1. Korinther 2,4-5 | 2. Timotheus 3,5 | Lukas 7,22

Kraft muss ja nicht nur isolierte Wunder bedeuten. Es kann auch die Kraft von Gemeinschaft sein. Oder die Kraft der Transformation. Aber es ist auf jeden Fall mehr als nur Information. Und auch mehr als nur Soziologie. Also: nicht nur, dass wir richtige Sachen sagen oder schön nett zueinander sind breitet sich der Glaube aus. Sondern durch Gottes aktives Eingreifen und Wirken. Das hat Stark nicht mit drin. Und auch wenn seine Ansätze schlau sind und er schöne Aspekte beleuchtet, fehlt meiner Ansicht nach der Hauptaspekt. So wie wenn man die Soziologie von Starbucks beschreibt ohne dort einen Grande Latte Machiatto extra double Shot getrunkten zu haben.

Aber noch eine Frage…

Anti-Kulturell – welche Antworten haben wir? Welchen Vorteil bieten wir?
Wie schon in den Posts dazu angeklungen: ich bin großer Fan von Gruppen, die ihre Kultur hinterfragen können und prophetische Zeichen setzen. Die meisten Leute schwimmen mit dem Zeitgeist und kommen sich sehr fortschrittlich dabei vor. Man merkt das sehr schön an Kindererziehung: jede Generation hat die ultimative Weisheit und die besten Ansätze. Die sind nur anders als das meiste vor 15 Jahren und unsere Kinder werden es wieder genau anders machen. Also: anti-kulturell zu leben hat meinen tiefen Respekt. Aus Starks Buch geht da für mich die Kraft der Bibel hervor, ganz klar. Menschenwürde, Dienst an Armen, Solidarität, Opferbereitschaft sind direkt aus der Bibel. Nur: damals haben die Leute das wirklich gebraucht, sonst sanken ihre Überlebenschancen. Das ist ein guter Grund, um zu glauben. Das ist ja auch ein zentrales Argument von Stark: die christliche Soziologie und Praktiken waren den anderen Religionen überlegen.

Sind wir das immer noch? Was bieten wir den Leuten heute wirklich an? Wieso ist es eine besser Alternative, wenn wir Glauben und mit einer Gruppe von anderen Christen leben? Pfuh, das ist eine schwere Frage. Die meisten Leute sind materiell gut versorgt. Sie können Leute finden, mit denen sie Interessen teilen. Und es gibt viele Projekte, um sich wertvoll und sinnerfüllt zu fühlen. Außerdem haben die Leute keine Zeit und geben nicht gerne von ihrem Geld – also warum in aller Welt bieten wir ihnen Gemeinde an? Das ewige-Leben-Argument zieht heutzutage nicht mehr so, weil die meisten genauso wenig an ewiges Leben glauben wie dass Dr. Snuggles wirklich zum Mond geflogen ist. Welche diesseitigen Vorteile hat es, als Christ zu leben?

Hier sind ein paar Ideen, was wir anbieten könnten:
Connection – unsere postmoderene Welt ist irgendwie auf der Suche nach einer Verbindung. „Only connect“ symbolisiert für mich diese Zeit. Ob das über Sex läuft oder emotionales Branding oder einen Mac. Die Leute tendieren zu Dingen, die ihnen einen positive emotionale Verbindung ermöglichen. Meine Annahme ist, dass eine wirkliche Verbindung mit Gott und eine echte lebendige Gemeinschaft mehr Potential haben als Starbucks und ein MacBook. Das Problem ist, wenn die Beziehung mit Gott nur Gerede ist und Gemeinschaft keine Echtheit mehr enthält. Aber wenn wir Verbindung zu einem lebenden Gott aufbauen und eine Gemeinde authentisch zusammen auf dem Weg ist, dann haben wir eine erste besser Alternative.

Kompass – „one of the most salient features of our time is that there is so much bullshit,“ meint Harrry Frankfurter. „Each of us contributes his share. But we tend to take the situation for granted.“ Leute suchen nach Orientierung. Es gibt nicht mehr das große Gebilde, die große Story, die unser Leben zusammenhält. Man muss sich durch kämpfen. Obwohl das viel Freiheit und Abenteuer mit sich bringt, ist es oft auch super frustrierend. Diese ganze Self-Help / LifeHacks-Tipps halten alle ihre versprechen nicht wirklich. Sie sind zwar inspirierend, aber wer hat schon wirklich sein Leben simplified? Ich glaube auch hier, dass die Aussagen Gottes zum Leben tatsächlich funktionieren und besser sind. Sie ändern sich nicht einfach wie neusten Methoden auf dem Markt und sie geben Stabilität in einer sich hyper-verändernden Welt. Das Problem ist, dass viele Predigten überhaupt keine Bezug zum Leben haben. Aber wenn die Bibel in unseren Leben hinein übersetzt wird, dann haben wir Weisheit, die wirklich funktionert. Das ist eine bessere Alternative.

Mission – der größte christliche Bestselle der letzten Jahr ist: Leben mit Vision. What on earth am I here for? Diese Frage wird darin angegangen und die kann man ohne Gott nur schwer beantworten. Menschen sind zu mehr geschaffen als Web-Apps zu bauen, Kindern das ABC beizubringen oder Projekte zu managen. Das weiß auch jeder. Man verdrängt es mit aller Kraft und Kreativität. Aber es kommt doch durch, dass wir einen Sinn brauchen. Dieses Bedürfnis nach einem würdigen Inhalt für unser Leben, können wir beantworten. Das Problem ist, dass es kein würdiger Inhalt ist, über die Farbe des Teppichs in der Gemeinde zu streiten oder langweiligen Predigten zuzuhören. Aber wenn wir eine Gemeinschaft mit Mission werden, die ihren Beitrag zum Reich Gottes auf der Welt liefert und Menschen in ihren Gaben fördert und freisetzt, dann haben wir eine besser Alternative. Paradox: man fordert mehr und es bringt allen mehr.

Und jetzt die letzte Frage…

Was denkt der Hirsch dazu?
Diese Frage: wie haben sie es gemacht? Beschäftigt mich noch immer. Rodney Stark hat ein paar interessante Gedanken ins Rollen gebracht. Alan Hirsch genau zu dieser Frage ein Buch geschrieben. Ab nächster Woche bin ich in einem Kurs dabei mit ihm, TSK und vielen anderen, die über diese Frage nachdenken wollen. The Forgotten-Ways-Cafe. Ich bin gespannt, was dabei rauskommt und werde euch natürlich hier auf dem Laufenden halten.

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4 Antworten to “The rise – was es für mich bedeutet”

  1. DoSi 3 April, 2007 um 11:03 am #

    Gute Fragen, gute Gedanken – bin gespannt, was Du von der Zeit mit Alan schreibst…

  2. reinald 4 April, 2007 um 5:37 pm #

    Ich glaube, dass die soziale Komponente und die Frage der Kraft sich nicht ausschließen. Es ist nur die Frage mit welchen Augen man die sozialen Netzwerke sieht. Gott benützt die natürlichen Beziehungen, die wir haben um darin zu wirken. Die ersten Christen sahen die Welt und die Menschen um sie herum plötzlich mit anderen Augen. Sie hatten durch ihre Beziehung zu Jesus ein neues Menschenbild und standen auch den Nöten um sie herum nicht mehr ohnmächtig gegenüber, weil sie einen Herrn hatten, der mächtig ist. Du kennst vielleicht auch die Situationen wo Außenstehende sagen: “ Ihr habt irgendwas aber ich weiß nicht was!“ oder Menschen (in diesem Fall auch manchmal völlig Fremde) dir plötzlich anfangen ihre Lebensgeschichte zu erzählen.Darin liegt glaube ich auch der Erfolg von Alphakursen, die Verbindung von Beziehungen, Lehre über die Bibel un dem übernatürlichem Wirken Gottes.Es gibt zwar „divine appointments“ wie John Wimber sie nennt, aber für mich überraschend oft mit Leuten die ich bereits irgend woher kannte. Also müssten wir vielleicht wenn wir einen neue Jesusbewegung sehen wollen, Gott um offene Augen für unsere sozialen Netzwerke bitten. und darum dass wir die Weisheit, das nötige Engagement und die Kraft Gottes haben den Nöten die wir dort sehen zu begegnen.
    PS. Freue mich schon auf Dein Buch

  3. marlster 6 April, 2007 um 8:25 pm #

    Geht mir ähnlich – ich denke auch nicht, dass sich die Netzwerke und Kraft ausschließen. Sie sollten sich ergänzen. Mir fiel bei Stark nur auf (und bei anderen, die stark auf Netzwerke setzen), dass das häufig zu Lasten von Kraft geht. Anders herum ist das wohl auch so: Leute, die viel auf Kraft setzen, vernachlässigen das normale Netzwerken.

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  1. Die Top 5 der Inspiration | siyach - 12 November, 2015

    […] Soziologe. Ich bin zuerst über ihn gestolpert mit the Rise of Christianity. Dazu habe ich eine ausführliche Zusammenfassung […]

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