The rise – die Rolle von Martyrern und Pluralismus

21 Mrz

In dieser letzten Serie über the Rise of Christianity geht es um die rationalen Gründe, warum Christentum eine gute Alternative bot. In den vergangen Serien (1 2 3) habe ich darüber geschrieben, wie Wachstum stattgefunden hat, welche Netzwerke sie nutzten und was die sozialen Bedingungen waren. Hier nun, warum Opfer und Martyrer rationalen Nachschub für eine Religion liefern:

Opfer als logische Bekräftigung
Rodney Stark geht in diesem Kapitel vom Glauben als logischer Entscheidung aus: man entscheidet sich für eine Religion, weil man positive Ergebnisse daraus erwartet (besseres Leben, Leben nach dem Tod etc). Allerdings sind religiöse Angebote unsicher. Sie bekommen ihre Glaubwürdigkeit durch soziale Bestätigung (andere machen das auch) und kollektive Aktionen (ich bin nicht der einzige, der glaubt). Außerdem erhöht sich die Glaubwürdigkeit (und damit der angenommene Gewinn), wenn Mitglieder einer Religion Aktivitäten vollbringen, die nicht mit anderen Gründen zu erklären sind. Hier sind wir beim Opfer. Wenn ein Leiter sich für einen Glauben aufopfert, ohne dafür Geld oder Ansehen zu bekommen, dann bestärkt das das Religionsangebot im Gegensatz zu Menschen, die nur was für eine Religion tun, weil sie dafür Kohle und Macht bekommen. Martyrer sind also eine große Bekräftigung für eine Religion, weil sie die Sicherheit vermitteln, dass das Angebot dieser Religion nicht nur eine Idee ist, sondern sich auch die Kosten lohnen. Damit steigt der Wert des Angebots, selbst wenn der Preis höher ist, der zu zahlen ist.

Das ist insgesamt eine nette soziologische Beobachtung. Je mehr Leute bereit sind, zu geben, desto mehr bestätigt das die Ansprüche der Religion. Demnach ist Religion wieder primär eine soziale Sache. Man sucht nach sichtbaren Zeichen, warum man einer Aussage glauben sollte. Für mich ist das wieder ein Argument für eine lebende Gemeinde, die nicht nur Aussagen macht, sondern auch ein entsprechendes Leben führt. Außerdem zeigt es mir den Anspruch an Leitung: man muss bereit sein, ein Leben des Opfers zu führen. Es genügt nicht nur, einen Blog zu haben, schlaue Gedanken zu verkünden und die anderen zur Arbeit zu bewegen. Die Ansprüche müssen gelebt werden und auch für die Welt glaubhaft belegt werden. Wie mein Lieblingszitat von Francis Schäffer ausdrückt:

Es muss etwas geben
Das nicht mit Psychologie oder sozialer Dynamik
Sondern nur dem Glauben zu erklären ist

Pluralismus: religiöse Angebote unter Marktperspektive
Wie schon im Kapitel zuvor, geht Rodney Stark einfach von Glauben als „Angebot“ im Marktsinn aus. Er geht davon aus, dass wenn der Markt nicht reguliert ist (durch staatliche Religion) wird er zum Pluralismus tendieren – mehr Religionen, verschieden Ausprägungen. Allerdings führen mehr Angebote auch zu weniger Ressourcen pro Angebot und alle einzelnen Angebote leiden. Dazu unterscheidet man zwischen exklusiven Religionen (Christentum, Islam) und nicht-exklusiven (New Age, Heidentum). Menschen tendieren dazu (wie im Aktienmarkt), das Risiko zu streuen und an mehreren Religionen teilzuhaben. Allerdings haben die exklusiven Religionen eine größere Aussage, mehr Anspruch und mehr Versprechen. Dadurch sind sie auch attraktiver: sie sind besser organisiert, besitzen mehr Ressourcen, können diese besser einsetzen und werden dadurch glaubwürdiger und vorteilhafter. Wenn das auf die chaotischen Umstände und Bedrohungen aus dem letzten Post trifft, ist klar, dass exklusive Religionen einen Vorteil haben.

Das ist eine ausführliche und komplizierte Art zu sagen: was sich durch Gemeinschaft zeigt, hat mehr Kraft. Das war eigentlich auch das Argument von Jesus und Paulus – Eph 3,10 – durch die Gemeinde wird die Weisheit und Kraft Gottes gezeigt. Was mich in letzter Zeit etwas besorgt ist, dass die Diskussionen um Emerging in die Richtung nicht-exklusiv tendieren. Dadurch verliert sich der Zusammenhalt als Gemeinde und die Kraft in der Welt geht verloren. Es scheint fast, dass Gemeinde ein Tabu-Thema ist. Man kann gerne an Jesus glauben, aber man sollte nicht zu sehr für Gemeinde argumentieren. Es ist mich klar, dass es falsch wäre, eine Gemeinde über andere zu erheben, aber was ich aus diesen Kapiteln wieder gesehen habe: ohne ein kollektives Zeugnis geht es nicht. Ich glaube auch, dass es für den Aufstieg des Christentums wesentlich war.

Die Überlegenheit der christlichen Theologie
Im letzten Kapitel geht Stark auf die Rolle christlicher Theologie ein. Eigentlich ist das auch ein no-go für Soziologen, aber er stellt die berechtigte Frage: warum haben Christen die Nächstenliebe hinbekommen wenn es den anderen nicht gelungen ist? Warum haben sie eine enge Gemeinschaft und Hingabe erzeugt wenn es den anderen nicht möglich war? Gute Fragen. Und eigentlich klare Antwort: die Inhalte des Evangeliums haben die Menschen dazu bewogen, sich entgegen den Praktiken ihrer Kultur zu verhalten.

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