The rise – welche Netzwerke benutzten sie?

11 Mrz

Ich habe in The Rise of Christianity die nächsten beiden Kapitel gelesen und bin schwer beeindruckt. Im letzten Post ging es um darum, wie langsam das eigentlich passiert ist. Jetzt geht es um Netzwerke und schwierige Umstände.

Bestehende Netzwerke genutzt: die Mission zu den Juden
Stark geht in einem Kapitel darauf ein, wie sich das Christentum in den etablierten jüdischen Kreisen ausgeprägt hat. Paulus ging oft auf seinen Missionsreisen direkt in die Synagoge und nutzte das als Startpunkt in eine Stadt. Aus den Argumenten im NT sieht man, dass die Auseinandersetzung mit jüdischen Fragen zu den wichtigsten Anliegen der ersten Gemeinde gehörte. Es waren also viele Juden unter den ersten Gemeinden. Stark weißt darauf hin, dass die Juden außerhalb von Israel in einer schwierigen Situation waren: sie konnten nicht richtig jüdisch leben (Reinheit, Riten) und waren sozial isoliert. Da bot ihnen die Botschaft von Jesus einen Ausweg, da sie sich mehr kulturell adaptieren konnten. Seiner Meinung nach kamen also der Großteil der Bekehrungen der Christen aus diesem Vorrat an Juden, die vorbereitet waren, die Botschaft anzunehmen.

Menschen sind eher bereit, eine Religion zu akzeptieren, die kultuerelle Kontinuität zu ihren bisherigen Glaubenssystemen enthält, mit denen sie vertraut sind.

Für mich bleibt dabei hängen, dass meistens die Botschaft von Jesus am ehesten bei vorgeprägten Personen auf offene Ohren fällt. Wir haben manchmal die Tendenz, das als „nicht richtige“ Bekehrungen abzutun und die hardcore-von-nichts-gekommenen-Bekehrungen als besser darzustellen. Klar, die Juden sind noch mal ein spezieller Fall, aber auch heute wachsen viele Freikirchen durch Bekehrungen von Landeskirchlern oder Ex-Kirchenkindern. Das ist vielleicht nicht der Wachstum, wie man ihn sich gerne ausmalt, aber es scheint, dass in der ersten Zeit das auch eine wesentliche Rolle gespielt hat.

Effektive Netzwerke in Krisen: die Epidemien
Stark beschreibt, wie 2 große Epidemien über die griechisch-römische Welt gezogen sind. In den Jahren um 165 und 250 seien dabei bis zu 1/3 der Bevölkerung gestorben. Die Bevölkerung reagierte darauf, dass sie aus den Gebieten flohen. Sie ließen die Kranken zurück, die auch oft starben. Selbst die Ärzte machten sich aus dem Staub. Die Christen hatten aber eine Gewohnheit, sich um Kranke und Schwache zu kümmern. Sie taten das auch während dieser Plagen. Viele der Christen starben, viele Überlebten aber auch. Wenn sie überlebten, waren sie immun und konnten vielen helfen. Wem geholfen wurde überlebte auch oft. Dadurch bekehrten sich viele Leute und das Verhältnis von Christen zu Nichtchristen verschob sich zugunsten der Christen. Es war der Ethos sich um Arme und Kranke zu kümmern, der in diesen Krisen zu einem starken Verhältnis-Wachstum führte.

„das Heidentum hatte eine aktive, wichtige Rolle im Aufstieg der griechisch-römischen Zivilisation, daher muss es grundlegende religiöse Impulse erfüllt haben. Vielleicht waren es diese schrecklichen Krisen, die dieses „ernome Ding“ in die Geschichte geschickt haben. Das Heidentum ist nicht einfach zusammengefallen, sondern wurde in dieser Zeit mit seiner Unfähigkeit konfrontiert, geistliche und sozial mit diesen Krisen umzugehen. Diese Unfähigkeit wurde durch das Beispiel dieser neuen Religion gezeigt.“

Diese Kapitel finde ich den Hammer! Es zeigt, dass es in einer Krise besonders auf den Lebensstil und den Ethos einer Gruppe ankommt. Auch kam durch das Christentum ein Gedanke in die Welt, der in keiner anderen Religion zu finden war: die Verbindung von Glauben mit pro-sozialem Verhalten. Man konnte Gott nur dann lieben, wenn man seinen Nächsten liebte – und das waren nicht nur Familie oder Freunden, sondern Fremde und andere. Das war neu und zeigte sich in der Krise. Ich finde auch immer wieder die einzige Bedinung an die ersten Gemeinde wichtig: „kümmert euch um die Armen“ (Gal 2,10). Wir versuchen, das in unsere Gemeinde aktiv umzusetzen. Es ist nicht leicht, weil wir alle viel zu tun haben und der Dienst an Armen nicht sehr leicht zugänglich ist. Aber wenn man diesen Ethos nicht in ruhigen Zeiten etabliert, dann wird es auch nichts in Krisen. Außerdem zeigt es mir, dass es weniger Sinn macht, auf Pfingst-Highs zu warten, dass sich die Gemeinde ausbreitet. Vielmehr liegt es an einem Lebensstil, der Jesus imitiert und sich um Arme kümmert.

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Eine Antwort to “The rise – welche Netzwerke benutzten sie?”

Trackbacks/Pingbacks

  1. Transforum - der Blog - 26 März, 2007

    The Rise of Christianity

    Marlin (Vineyard Heidelberg) beschreibt Einsichten und Eindrücke beim Lesen von Rodney Stark: The Rise of Christianity.
    Teil 1, 2, 3, 4

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