The rise – wie haben sie es gemacht?

2 Mrz

Ich habe mich schon sehr lange nicht mehr so auf ein Amazon-Packet gefreut. Mit The Rise of Christianity und The Rise of Evangelicalism habe ich 2 Bücher gekommen, die Bewegungen und ihre Ausbreitung untersuchen. Wie haben sie es gemacht, dass Ideen auf einmal ganze Gesellschaften verändert haben? Mit dieser Frage beschäftige ich mich seit einer Weile. Mir ist es nicht genug, mit meine Gemeinde nur Freikirche zu spielen. Ich frage mich echt, wie wir in Heidelberg eine Jesus-Bewegung starten können. Was braucht es? Was hat es damals gebraucht?

Ich habe jetzt The Rise of Christianity angefangen. Der Autor Rodney Stark ist Soziologie-Professor und versucht, die ersten 300 Jahre des Christentums nachzuvollziehen. Dabei geht er sowohl auf die gesellschaftlichen wie sozialen Bedingungen ein, die eine solche Ausbreitung des Christentums möglich gemacht haben. Ich werde regelmäßig darüber bloggen, weil ich mich selber durcharbeite und auf Kommentare gespannt bin. Hier sind seine ersten Beobachtungen:

Weniger wundersam als erwartet
Stark untersucht zunächst, was für eine Art von Ausbreitung das frühe Christentum hatte. Dabei steht häufig in der Annahme, dass es schnell groß wurde. Stark hat zwei Ausgangspunkte: im Jahr 50 gab es wohl 1000 Christen und im Jahr 300 ca. 25 Millionen, was ungefähr die Hälfte der Population war. Er meint, dass es mit einem Wachstum von 40% pro Jahrzehnt zu diesem Wachstum kam (das ist 3,4% pro Jahr). Das ist eigentlich nicht sehr viel. Viel wird es durch das Gesetz des exponentiellen Wachstums. Daher kam es erst um die Jahre 250-300 zu einem massenhaften Anstieg, der aber mit den 40% passt.

Das ist zunächst mal überraschend für mich. Das ist weniger als angenommen. Auch ich hatte mehr so das Pfingstereignis im Kopf: 3000 an einem Tag. Da muss wirklich super Power am Wirken gewesen sein. Aber mit 3% im Jahr ist das eher eine langsame Rate. Das ist ermutigend: es braucht nicht sehr schnell zu gehen. Wichtiger ist die Konstanz und das dauerhafte Wachsen.

Neue Bewegungen entstehen eher in der Oberschicht
Es gab immer wieder Auseinandersetzung, ob die Armen oder nicht die Hauptquelle von Wachstum waren. Stark analysiert generell den Wachstum von religiösen Bewegungen und in welchem Umfeld sie sich etablieren. Dabei unterscheidet er zwischen Sekten und Kult. Sekte ist eine Kritikbewegung innerhalb einer Religion (Freikirchen wären so was). Kulte sind Erweiterungen des Gedankenguts und neue Religionen (Zeugen Jehovas etc). Sekten nähren sich eher aus der Unterschicht, während Kulte einen hohen Anteil an gebildeten Menschen haben. Christentum war in den ersten Jahren ein Kult, da es sich ja um eine neue Religion handelte. Stark zeigt auf, wie neue religiöse Bewegungen heute (Mormonen, Moonies, TM, New Age etc) eher von gebildeten zusammengesetzt sind, während Erneuerungsbewegungen (Pfingstler, Baptisten etc) eher ein umgekehrtes Verhältnis haben.

Dieser Zusammenhang war mir neu. Ich habe auch nicht Soziologie studiert. Es ist etwas überraschend für mich, aber kann durchaus so sein. Stark meint, dass höher gebildete Menschen eher die Schwächen einer Glaubensrichtung sehen und daher nichts mit Reformation zu tun haben wollen. Außerdem sind sie offener für neue Erfahrungen und durch das Entdecken von Neuem angetrieben. Daher eher der Zugang zu neuen Religionen.

Bin gespannt, wie es weitergeht. Alan Hirschs neues Buch geht ja auch in die Richtung. Ich werde ab April an einem Kurs mit Hirsch & co teilnehmen, der sich auch mit dieser Frage auseinandersetzt. Es ist ein online-Lern-kurs mit sehr interessante Leuten aus aller Welt. Mal schauen, ob es uns gelingt, einer Jesus-Bewegung näher zu kommen.

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9 Antworten to “The rise – wie haben sie es gemacht?”

  1. roger 3 April, 2007 um 3:48 pm #

    he frend
    what about the Alen Hirsch thing?

Trackbacks/Pingbacks

  1. The rise – welche Netzwerke benutzten sie? « siyach - 11 März, 2007

    […] habe in The Rise of Christianity die nächsten beiden Kapitel gelesen und bin schwer beeindruckt. Im letzten Post ging es um darum, wie langsam das eigentlich passiert ist. Jetzt geht es um Netzwerke und […]

  2. The rise – die sozialen Bedingungen des Wachstums « siyach - 17 März, 2007

    […] von Frauen und Städten in der Ausbreitung des Christentums. In den letzten Post ging es darum, wie Wachstum stattgefunden hat und welche Netzwerke benutzt […]

  3. The rise - die Rolle von Martyrern und Pluralismus « siyach - 21 März, 2007

    […] es um die rationalen Gründe, warum Christentum eine gute Alternative bot. In den vergangen Serien (1 2 3) habe ich darüber geschrieben, wie Wachstum stattgefunden hat, welche Netzwerke sie nutzten […]

  4. Transforum - der Blog » The Rise of Christianity - 26 März, 2007

    […] 1, 2, 3, […]

  5. The rise - was es für mich bedeutet « siyach - 2 April, 2007

    […] trackback Da ich mit The Rise of Christianity fertig bin, bleiben einige Gedanken aus der Serie (1 2 3 4 ). Mich beschäftigt immer noch, wie Bewegungen entstehen und wie wir in Heidelberg eine neue […]

  6. Forgotten Ways Cafe « siyach - 13 April, 2007

    […] Forgotten Ways Cafe 13 April, 2007 Posted by marlster in Bücher, Tools. trackback Das Forgotten Ways Cafe ist heute gestartet. Seit dieser Woche bin ich einigen Leuten und anderen und anderen und anderen und noch mehr anderen in einem Kurs. Mein erster Kurs seit der Uni. Er wurde von Alan Hirsch eingeleitet und dreht sich um sein Buch “the forgotten ways“. Darum geht es um die Frage, die mich auch ständig beschäftigt: wie haben sie es gemacht? […]

  7. Gewinner und Verlierer « siyach - 3 April, 2008

    […] – The rise – wie haben sie es gemacht? 2 – The rise – welche Netzwerke benutzten sie? 3 – The rise – die sozialen Bedingungen des […]

  8. Wie Veränderung gelingt – der lange Weg zu Mission-Shaped Communities « siyach - 15 Februar, 2012

    […] Veränderung ist wichtig, Veränderung ist schwierig. Mit Gregersens Buch It Starts with One im Rücken, würde ich gerne über die missionale Welle schreiben. Damit meint man die Notwendigkeit, Kirche neu zu denken, weg von attraktionalen („wir sind toll als Christen“) Formen hin zu Formen für den alltäglichen Kontext (als Christen macht der Alltag einen positiven Unterschied) weil sich die Zeiten ändern (von Moderne und Ländlichkeit hin zu globaler Vernetzung und postmodernen Ansichten) mit der Hoffnung, der Kirche neues Leben einzuhauchen, Christsein relevant zu machen und damit nah am ursprünglichen Gedanken von Jesus dran zu sein. […]

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