Wie finde ich meine Stärken?

18 Feb

„Eine Person kann nur durch ihre Stärken Leistung bringen. Niemand erreicht was durch seine Schwächen… Unsere Schwächen machen uns alle gleich. Es sind unsere Stärken, die uns unterscheiden und etwas bewegen.“ – Peter Drucker –

Es ist nicht so leicht, seine Stärken zu kennen. Die meisten Menschen haben keine klare Antwort auf die Frage: was sind deine Stärken? Vielmehr konzentrieren sich viele auf ihre Schwächen. Unser Schulsystem ist so ausgelegt, dass Schwächen mehr Aufmerksamkeit bekommen. Wenn du was nicht kannst, musst du mehr Energie reinstecken. Auch im Elternhaus, in Firmen oder Vereinen werden Schwächen schnell entdeckt und angesprochen.

Warum ist das so? Es hat wahrscheinlich mit der Regentonnen-Theorie zu tun. Im Gesetz des Minmum heißt es: Wachstum wird durch die knappste Ressource beschränkt. Also, egal wie viel Gutes man hat – wenn etwas knapp ist, dann schränkt das Wachstum ein. Aber stimmt das? Ist das wirklich so?

Es ist wohl die Frage, worauf ich das beziehe. Wenn ich gut tanzen kann (was definitiv der Fall ist – nur Spass), dann ist es wohl eher egal wie gut ich in Statistik bin. Wenn ich aber Psycholgie erforsche, dann ist Statistik ein Minimumfaktor, der meine mentale Brillanz beschränken kann. Regentonnen sind also dann zutreffend, wenn es relevant für den Bereich ist.

Wie kann man damit umgehen? Kevin Roberts meint, man muss sich mit schlaueren Leuten als sich selbst umgeben. Das finde ich einen Hammer-Tipp. Man arbeitet mit anderen zusammen: die bringen ihre Stärken und ich bringe meine. Dadurch wächst die Tonne mehr und mehr. Peter Drucker sagt das so: Der Zweck von Organisationen ist, Stärken zu nutzen und Schwächen irrelevant zu machen. Also braucht man doch ein gutes Bilder seiner Stärken. Man ist am effektivsten wenn man seine Stärken in den Mix gibt, nicht seine Schwächen perfektioniert.

Wie finde ich also meine Stärken? Es gibt einige Schritte, die immer wieder erwähnt werden.

Andere befragen – Feedback
Man ist selbst nicht die beste Person, um sich selbst einzuschätzen. Leute mit Abstand sehen häufig klarer als man selbst. Daher ist es hilfreich, andere zu fragen, was sie als Stärken in einem sehen. Das kann direkt sein („Hey, ich würde gerne ein besseres Bild über mich bekommen. Was kann ich denn in deinen Augen gut…“) oder indirekt (formelle Feedback-Prozesse, 360-Grad Feedback etc). Es ist auch möglich, das einfach aus dem Zusammenleben aufzuschnappen: wofür wird man gelobt? Wo fragen andere um Rat? Wofür bekommt man Anerkennung? Der beste Weg ist aber dennoch, das direkt zu erfragen. Wer nicht fragt, bekommt auch keine Antwort.

Tests nutzen
Es gibt eine Reihe von Selbst-Test, die dazu da sind, um Stärken und Eigenschaften aufzuzeigen. Hinter den Tests steht die Annahme, das Leute sich voneinander unterscheiden. Somit können sie helfen, das eigene Profil besser zu verstehen. Hier sind Tests, die ich ganz hilfreich fand:
DISG–Test – Misst die Dimensionen menschen- vs aufgabenorientiert und offensiv vs defensiv.
StrengthsFinder – enthält 34 Stile, die bestimmte Stärken bevorzugen. Man bekommt Zugang zu dem Online-Fragebogen und kann dort sein Top-5 Stile rausfinden und analysieren. Die Fragen sind gut, weil sie eine Entscheidung zwischen Paaren fordern und damit nicht so durchsichtig sind.
Base-Ministry – das basiert auf dem Pentagon-Lifeshape von Mike Breen. Wir haben alle eine Grundstil von Dienst, zu dem wir uns hingezogen fühlen (APEPT – apostle, prophet, evangelist, pastor, teacher; bzw Innovator, Questioner, Recruiter, Humanizer, Systematizer). Die Unterscheidung ist, ob wir intro- oder extrovertiert sind, Pionieere oder Siedler. (links: APEPT exercise; base ministry and the birth of new movements)
Lifo – unterscheidet zwischen Verhalten in günstigen Situationen und Stress. Daher beleuchtet er unterschiedliche Verhalten in der gleichen Person. Es gibt 4 Typen von bevorzugten Verhalten: unterstützend, harmonisierend, bewahrend, bestimmend.

Träume entwickeln
Neben den konkreten Verhaltensweisen zeigen sich manche Stärken erst in der Zukunft. An diese kommt man eigentlich nur über Träume und unrealistisches Denken ran. Denn meisten ist da wo ein wirkliches Interesse besteht auch früher oder später eine Stärke. Der Traum kommt vor der Realität. Das Problem ist, dass man häufig den Traum nur in den Realitäten denkt (ist das überhaupt möglich) und nicht wirklich weit denkt. Daher sind fragen gut, die alle Hindernisse überwinden – was würdest du machen wenn du kein Geld verdienen müsstest? Was willst du, dass auf deinem Grabstein steht? Was würdest du tun, wenn du alles tun könntest? Wie soll dein Leben in 10 Jahren aussehen? Wenn du in dieser Welt eine Sache anders machen könntest, was würdest du ändern?
Von diesen weit entfernten Realitäten kann man dann zurückschließen, wofür die eigene Leidenschaft brennt. Vielleicht ist man noch nicht wirklich gut in diesem Bereich, aber man hat die Voraussetzung dafür, sich dort zu verbessern. Zusammen mit den anderen Wegen ist dieser hier sicher hilfreich.

Von Entscheidungen lernen
Peter Drucker schlägt die Feedback-Analyse vor, um seine eigenen Stärken besser kennen zu lernen: bei jeder großen Entscheidung soll man aufschreiben, was man sich davon erhofft. Nach 6-9 Monaten geht man dann zurück zu der ursprünglichen Motivation und prüft die Resultate mit den Vorhersagen. Laut Drucker ist das die beste Methode, um sich selbst kennen zu lernen.
Ich habe das jetzt eine Weile probiert und kann sagen, dass da viel Wahres dran ist. Man bekommt einfach ein Gespür dafür, welche Entscheidungen Erfolg versprechen und welche Annahmen sich bewahrheiten.

Links:
Peter Drucker – manage yourself
Harvard Business Review – How to play to your strengths (pdf)
Marcus Buckingham – What great managers do

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5 Antworten to “Wie finde ich meine Stärken?”

  1. Schrotty 22 Februar, 2007 um 9:00 pm #

    Ich finde das sowas von wichtig nicht immer nur auf die Schwächen zu achten, sondern gerade auf die Stärken. Leute ermutigen ihre Stärken auszubauen und ihre Schwächen zu minimieren. Gerade im Bereich der Gemeinde oder Jugendarbeit ist es unheimlich wichtig auf Stärken zu achten, Stärken von Leuten zu fördern entdecken zu lassen und zu erweitern. Dazu gehört echt die Leute auch zu ermutigen, wenn man in ihnen Potenzial sieht

  2. toby 23 Februar, 2007 um 10:03 am #

    Ich gebe dir in allem Recht und umgebe mich gerne mit schlauen Menschen (deshalb lese ich so gerne deinen Blog!) und trotzdem steht das in einer gewissen Spannung zum Evangelium, in dem gerade das und die Schwachen eine zentrale Rolle spielen. Nicht aus masochistisches Selbstmitleid, sondern zur Ehre Gottes. Wir sollen unsere gottgegeben Stärken stärken und dürfen doch schwach sein vor Gott und diese Schwäche werden zum Wachstum im Reich Gottes genutzt. Eine Ambivalente Spannung, die uns hilft demütig & stark zu werden. Hoffentlich.

  3. oliver 5 Mai, 2007 um 6:16 am #

    @ tobi: Ja ganz genau 100% Zustimmung!

  4. Stefan 13 Januar, 2010 um 1:39 pm #

    Hi Marlin, Du schreibst, dass Du die Feedback-Analyse ausprobiert hast. Machst Du das weiterhin? Was schreibst Du Dir denn da so auf? Ich habe das jetzt auch mal angefangen, bin aber noch etwas unschlüssig, was da letztendlich wichtig ist bzw. was man sich eigentlich notieren sollte.

  5. freilaufmenschen 11 September, 2011 um 10:23 am #

    Danke für den interessanten Artikel und die vielen Tipps. Ich bin gerade dabei, dem Thema auf den Grund zu gehen und bin dazu zu der Erkenntnis gekommen, dass man über die Schwächen oft auch zu seinen Stärken kommt. Denn viele Schwächen sind in bestimmten Situationen Stärken. Wenn ich zum Beispiel unorganisiert bin (und ich das als Schwäche betrachte) , dann kann das in einer Brainstorming-Sitzung(zum Beispiel) sehr nützlich sein.
    Aber die Feedback-Analyse werde ich nun ausprobieren….

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