Meine Gabe ist, die Welt mit komischen Augen zu sehen – Innerview mit Travis Reed

21 Jan

Ein Interview mit Travis Reed, Gründer von Highway Video und neuerdings The Work of The People. Video-Produzent, Medien-Künstler, Geschichten-Erzähler, Pionier. Er lebt mit seiner Frau und 2 Kindern in Houston und ist Teil der Ecclesia-Gemeinde.
twotp

Auf meiner Suche der Mischung aus Spiritualität, Gemeinde und Kultur treffe ich Leute, die genau dort ihr Zelt aufgeschlagen haben. Über Kairos Media bin ich mit Travis Reed in Kontakt gekommen und war beeindruckt von den Vibes in seinen Videos. Kurz vor Weihnachten hatte ich die Möglichkeit, vor ein paar Minuten mit Travis zu reden.travis3.jpg

Travis, wie kamst du zur Gründunge einer Video-Firma für Kirchen?
Ich bin nicht im kirchlichen Kontext aufgewachsen, hatte damit eigentlich gar nichts zu tun. Im College habe ich dann in meine Zimmer das Lied Hawkmoon 269 von U2 gehört und da kam Jesus durch und hat mein Herz berührt. hwyDamals gab es in Mountain View in der Nähe von San Fransico eine Gemeindegründung – Highway Community Church. Die waren ganz offen und so bin ich da hin. Die Idee zu Highway Video war ein Gekritzel auf einer Serviette. Mission entsteht aus Beziehungen. Und so begannen wir das als Projekt in der Gemeinde und dann als Firma – Highway Video war geboren.

Wieso hast du dann Highway verlassen und deine neue Firma gegründet TWOTP?
Highway war eine gute Gruppe und wir sind viel abgehangen. Aber irgendwie hat niemand dort meine Sätz zu Ende geredet. Ich habe die Firma 3 Jahre lang gemacht, aber niemand kam auf meine Wellenlänge. Ich wollte mehr Beziehung zusammen mit meiner Mission. Ich kannte Chris Seay und wir haben ab und zu ein paar Gläser Wein getrunken. Ich hatte damals nicht mehr an Kirche geglaubt, weil zu viel schief lief. Ich war unreif und einfach auf der Suche. Chris hatte etwas Reales und da haben wir den Leuten bei Highway gesagt, dass wir gehen werden. Die Connection war einfach nicht mehr da und es ging zu viel um’s Business. Ich spielte die Musik, bediente alle Instrumente, aber irgendwie hörte niemand meine Lieder mehr an. Mit Chris und anderen Freunden haben wir uns zum Grillen und Wein getroffen; einfach zusammen leben und daraus floss die Mission. So begann TWOTP. Mission ist unser Leben und nicht nur ein Arbeitsbereich. Wir wollen als Katalysator wirken – für eine globale Liturgie.

Wie ist eure Gemeinde, Ecclessia in Houston, anders?
Kunst ist dort nicht nur ein Bereich. In den meisten Gemeinden dreht sich das Leben um den Gottesdienst. Hier geht es dagegen wirklich um eine Gemeinschaft. Es gibt kein heilig vs sekulär, keine Hierachie. Wir sind die Mission, wir wollen nicht nur Leute zur Gemeinde bringen; wir wollen die Kirche sein. Wir fragen uns: wir können wir die Kirche in der Welt sein? Wie können wir das in unsrer Lebenswelt leben?
Ich wurde sehr von Musik und Filmen geprägt, es ist ein großer Teil von mir. Kunst ist nicht nur eine Gruppe von Spezialisten, sondern ein Teil einer schöpferischen Gemeinschaft. Wie können wir die Geschichte Gottes erzählen? Andere Gemeinden sind programm-getrieben, formulieren schöne Punkte, sind sind rethorisch topfit. Wir versuchen, Mysterium zu schaffen. Die Schrift ist uns gegeben, um mit ihr zu kämpfen. Anbetung ist mehr als ich-lieb-dich-und-du-liebst-mich. Die Psalmen sind voller Auseinandersetzung und Kampf und dem Ruf nach Gerechtigkeit. Es geht um Beziehungen: miteinander, mit dem eigenen Leben und sich gegenseitig die Sätze zuende zu reden.travis1.jpg

Mein Dienst richtet sich auf die Kirche und kann nicht davon getrennt werden. Es kommt aus der Gemeinschaft. Ist Ausdruck unserer Auseinandersetzung, unsres gemeinsamen Weges, unsrer Gemeinschaft. Es ist kein Geschäftsmodell, sondern ein Gemeinschaftsmodell.

Benutzt du Videos von anderen?
Ein paar von Nooma. Aber sonst gibt es nicht viel. Die Qualität ist nicht so gut, oder es ist nicht wahr. Die meisten versuchen, etwas schönes darzustellen und Punkte zu unterstreichen. HD ist besser als das wahre Leben. Wir kümmern uns nicht um das Schöne, sondern das Wahre. Ich versuche, Leute in eine größere Geschichte einzuladen. Mark Roman, oder die letzten Johnny Cash oder U2 Videos – ich nehme die. Oder ich nehme was von YouTube. Es ist nicht immer das schönste, aber es ist wahr.

Was macht es wahr?
Diese schönen gummi-artigen Hintergründe von manchen ist wie die Pop-Art bei den Superstar-Shows. Da ist keine Menschlichkeit drin. In den großen Gemeinden läuft das und es sieht schön aus, aber es ist kein Kampf drin. Diese Bilder von Thomas Kinkade sind zu perfekt. So ist das Leben nicht. Um wahr zu sein, msst du dich damit auseinandersetzen: was durchleben wir gerade? Mit was kämpfen wir? Welche Mysterien erleben wir gerade? Stellst du dich wirklich den offenen Fragen im Leben und kommt das in deiner Kunst raus?

Ich bin darin nicht gut, aber gute Kunst geht unter die Oberfläche. Dazu sind wir als Gemeinde berufen: das Oberflächliche wegzunehmen und an die inneren Dinge zu kommen. Eine Note, ein Gemälde berührt etwas Tieferes in uns. Es geht um mehr als nur Punkte zu unterstützen, sondern das Reale im Leben zu beschreiben.

Was haben Gemeinden davon wenn sie das tun?
Die meisten Gemeinde kaufen einfach Videos und das war’s. Es wäre super, wenn mehr Gemeinden einen Ausdruck der Geschichte sind. Holt all eure Leute zusammen und malt, was ihr seht. Es macht Gemeinden organischer. Die Videos sind nur Fast-Food. Es geht darum, ehrlich mit dem Leben umzugehen, nicht nur Filmchen zu zeigen. Manche Fragen nicht beantworten zu können. Wir haben Angst davor, Dinge offen zu lassen. Jesus antwortet auf vieles mit Fragen. Es geht darum, die Spannung auszuhalten: meine Oma mag gerade sterben und ich fühle mich elend, bete aber trotzdem an und bin Teil der Gemeinschaft, obwohl mich gerade niemand versteht. Es geht um die Veränderung von der schönen Form zm wahren Leben.

Filmemacher haben ein Auge für Situationen und einen besondern Blick auf die Welt. Wie hast du dein Auge entwickelt?
stupid_travis.jpgIch habe nie einen Kurs besucht. Schau dir viele Filme an – wie Magnolia. Das spricht mich an. Es gibt Kampf, aber auch Hoffnung. Ich habe viele Filme produziert; 1-2 pro Woche. Die meisten waren schlecht. Aber das ist alles Teil des Prozesses. Vor allem in Amerika wollen wir immer von Hoch zu Hoch. Aber Teil des Wachstum ist das Tal dazwischen. Fang einfach an mit dem, was du siehst. Schau auf das, was etwas in dir bewegt. In der Schule wollte ich gute Berichte abgeben, bis mir dann ein Lehrer gesagt hat: sei real, schreib einfach drauf los und kümmere dich nicht um die Kommas. Und das war der Durchbruch. Es floss los. So habe ich auch mein Auge entwickelt. Meine Gabe ist, die Welt mit komischen Augen zu sehen.
Picasso sagt: gute Kunst ist geborgt, herausragende Kunst ist gestohlen. Du steckst dein Herz rein, rührst rum, arbeitest mit anderen und siehst, was rauskommt. Ich frage mich immer, wie können wir die normalen Rythmen des Lebens einbeziehen? Ich schaue dauernd nach Leuten mit denen ich zusammenarbeiten kann.

Was ist dein Traum?
Ich träume davon, dass wir ein Kloster eröffnen, wo Leute kommen und träumen können. Wir könnten dort Geschichten in Filme übersetzen, mehr schreiben, mit Musikern arbeiten. Außerdem ware es gut, global mit anderen zu arbeiten und als große Gemeinschaft zu kollaborieren. Einen Ort, wo Freunde zusammen arbeiten können – das ist mein Traum.

Travis startete kürzlich einen Blog unter: theworkofthepeople.blogspot.com

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2 Antworten to “Meine Gabe ist, die Welt mit komischen Augen zu sehen – Innerview mit Travis Reed”

  1. andy 21 Januar, 2007 um 9:05 pm #

    ich denke, dass wir mehr mit den Menschen Leben müssen, z.B. Vereine stiften, die Dinge fördern, die jeder fördern „muss“. Kunstkreise stiften. Soziale Diskutiergruppen mit „Hausaufgaben“ und intensiver Erfolgsvermittlung. Dann können wir im Gottsdienst auch zur Sache kommen =;-)

  2. Mike 22 Januar, 2007 um 9:26 am #

    Cooler Artikel! Danke!

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