Welche Schwächen sind gute Schwächen?

7 Jan

Schwächen sollen nach der Bibel gut sein für uns. Aber wie genau? Sind alle Schwächen gut? Irgendwie doch nicht, oder? Wir haben kürzlich einen Workshop „emotionale Gesundheit“ gemacht, basierend auf Pete Scazzeros Buch. Eine These darin ist, um emotional gesund zu werden:

lebe in Zerbrochenheit und Verletzlichkeit: Paulus zog zur Verteidigung seiner Autorität stets seine Schwächen und Verletzlichkeit heran. Leiter sollten lernen, ihre Schwächen zu akzeptieren und offen darüber zu reden.

Das bezieht sich auf Paulus in 2. Kor 12: „Und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir wohne. … denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.“ Schöne Stelle, vor allem, wenn es dir nicht so gut geht. Aber Schwächen nerven ja auch. Sie verbauen Möglichkeiten, nerven andere und limitieren.

Eigentlich sind ja alle Schwächen negativ. Wenn ich unehrlich bin, dann mag ich mich schön in meiner Unehrlichkeit schwach fühlen, aber das ist nicht gut. Oder wenn ich unpünktlich bin, dann ärgern sich andere über mich. Wenn ich mich an nichts erinnern kann, dann wird sich wohl bald niemand mehr an mich erinnern. Wenn also alle Schwächen so einen negativen Faktor haben, was heißt es dann, mit seinen Schwächen zu leben? Soll man sie nicht verändern sondern einfach akzeptieren?

Mit Schwächen leben bedeutet für mich, sie sich einzugestehen und sie auch vor anderen nicht zu verbergen. Verletzlichkeit ist Gewinn! Das bedeutet, man kann natürlich Schwächen ändern wollen (und sollte dies wahrscheinlich auch). Aber man sollte vor sich selbst und anderen nicht verbergen, was uns auch menschlich macht. Was passiert, wenn man sich das eingesteht? Man verabschiedet sich von einem Überflieger-Image von sich selbst, wird menschlicher und abhängiger von der Gnade Gottes und anderen, und dadurch auch wärmer und barmherziger.

Wie kann man in der Schwäche wachsen?

Ich glaube, man kann sich zunächst eingestehen, wo man schwach ist:
Was sind deine größten Schwächen? Was sind deine größten Fehler?
Wie haben dich diese geformt?
Wie gehst du mit ihnen um?
Oder ein Lebenslauf der Schwäche:
Mangel in Ausbildung, Wissen und Fähigkeiten
„Ich habe nie gelernt__________“
Mangel an Fertigkeiten oder Begabungen:
„Ich bin nicht gut in___________“
Hindernisse in deiner Persönlichkeit oder Temprament
„Ich bin__________“
Schlechte Prägung oder Teil deiner Geschichte
„Ich war _____________“
Schwäche oder Bedarf in deiner geistlichen oder emotionalen Gesundheit
„Ich muss wachsen in _____________“

Der zweite Schritt ist, das in Gespräch mit einfließen zu lassen: Hier gibt es kein schematisches Vorgehen. Man sollte einfach in Gespräche einfließen lassen, wo man nicht perfekt ist. „Constantly share your brokeness“ sagte Wimber.

John Wimber: “don’t trust leaders who doesn’t walk with a limp
(vertraue keinem Leiter, der nicht hinkt)
Kevin Prosch: “brokenness awaits on the other side.”
(Zerbruch erwartet uns auf der anderen Seite)

Schwäche ist also nicht direkt Stärke, sondern über den Umweg unsrer Haltung. Schwäche führt zu Stärke, weil sie zur Demut führt. Stärke führt zur Schwäche, weil sie zum Stolz führt. So sind eigentlich alle Schwächen gut. Vor allem die, die man gerne weg hätte.

Advertisements

7 Antworten to “Welche Schwächen sind gute Schwächen?”

  1. andy 8 Januar, 2007 um 8:27 am #

    Ich denke, dass Schwächen gut sind, weil sie unsere Grenzen aufzeigen und uns somit die Stellen anzeigen, an denen wir an die Fähigkeiten anderer andocken müssen.
    Und das erlaubt uns, unsere Stärken voll auszuspielen: Letztlich entscheiden unsere Stärken, das haben wir nur in der Schule verlernt (Reformvorschlag: Ohne zwei Einser fällt man durch, Fünfen sind egal =;-)
    Und noch ein schöngeistiges Argument mit dem größten Praxisbezug: In ner bekackten Welt sind die Streber die Trottel, man hat halt überwiegend lieber Teilzeit-Loser um sich als internationale 1A-Qualität

  2. marlster 8 Januar, 2007 um 12:55 pm #

    Andy: bin mit dir.

    Die Reform für die Schulen wäre sicher ganz interessant. Bis in welche Klasse hättest du es dann geschafft?

  3. einwort 8 Januar, 2007 um 5:49 pm #

    @marlster: musst du dann gleich so reinhauen?
    ich finde den Reformvorschlag gut, würde aber statt der zweiten 1 auch zwei zweien zählen lassen.
    um das mit den schwächen dann gleich um zu setzten: ich hätte es gerade mal in die zweite Klasse geschafft.

  4. andy 9 Januar, 2007 um 8:32 am #

    @marlster:
    bis ganz nach oben, an die uni. Ab nur dank Sport, Musik und Religion.
    Aber in der zweiten Klasse hätte es tatsächlich einen Engpass geben können („Man kann in einem Fluss ertrinken, der im Durchschnitt zehn Zentimeter tief ist!“)

  5. cat-zle 15 Januar, 2007 um 7:37 am #

    @einwort
    und Du hättest es nur in die zweite Klasse geschafft, wiel es in der ersten noch keinen Noten, nur beschriebene Bewertungen gibt ;o) *hahaha* – ich wusste doch, wozu ich grad zu so ner Streberin werd

    @andy
    guter Vorschlag! Auf der realschule wäre ich ned so weit gekommen. Dafür könnte ich jetzt mehrfach studieren!

    @marlster
    ich glaube ich finde deine Erklärungen gut, ich hab trotzdem sehr was gegen meine Schwächen! vielleicht aber auch gerade deshalb, weil ich oft das Gefühl hab, dass andere nicht so viele Schwächen haben, wie ich……. aber ich geb dir Recht: schwäche bewahrt uns vor Stolz. Und da sehe ich mich auf jeden fall in der gefahr. Würde ich nicht immer wieder deutlich auf meine Schwächen gestoßen, wäre ich vermutlich noch stolzer……

  6. marlster 15 Januar, 2007 um 10:20 pm #

    Cat – ich finde das interessante Gedanken. Mir ist auch aufgefallen, dass häufig Schwächen nicht nur vor Stolz bewahren, sondern bei manchen Leuten auch zu Stolz führt. Man fühlt sich schwach, also muss man sich irgendwie durch Stolz einreden, dass man doch wirklich besser ist als andere. Das ist der Effekt, wenn man die Schwächen nicht annimmt, sondern vor ihnen wegläuft. Wenn man sie aber annimmt, dann können sie vor Stolz bewahren.

  7. cat-zle 17 Januar, 2007 um 7:38 pm #

    @marlin
    oh……. das ist natürlich ne ganz andere sicht der dinge. so gesehen muss ich an diesem thema tatsäcj
    hlich noch einiges tun…… *schultern-einzier* das ist schwer! – was macht man eigentlich, wenn man sooo viele baustelllen hat? wie finde ich raus, wie ich da prioritäten setzen kann?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: