Gründen und Kommunizieren mit Respekt und Verständnis – Lektionen von Tim Keller
Die Top25-Gemeinde-Gründer sind in einer neuen Studie (pdf) zusammengetragen. Ganz oben: Tim Keller und Mark Driscoll. Steve Addission meint: kopiere nicht, was sie tun; kopiere ihre Werte und Einstellungen:
- Unerreichte erreichen wollen
- Investment der Mitarbeiter und Mitglieder
- Fokus auf Reich-Gottes-Ausbreitung
- Beständige Beziehung
- Großzügiges Geben
- Kein Stillstand
Tim Keller hat seinen Ansatz in einerm Gründermanual zusammengefasst: Redeemer Church Planting Manual. Es ist recht ausführlich und beinhaltet viel Text. Ich fand es eins der besseren Bücher über Gründung und finde einige Punkte von Tim bemerkenswert.

Sein Ansatz zur Evangelisation geht viel auf die Haltung der Prediger und Leiter ein:
Zeige in der Predigt immer die Bereitschaft, Fragen zu addressieren, die eine ungläubige Person Fragen würde. Rede mit Respekt und Sympathie mit denen, die Schwierigkeiten mit dem Christentum haben. … Stimme jedem gutem Punkt in ihrem Widerspruch zu. Es ist sehr wichtig, dass die Ungläubigen fühlen, dass du sie verstehst.
Den Fokus seiner Ansprachen sind nicht nur für die Anwesenden:
Damit Leute ihre Freunde mitbringen muss der Gottesdienst verstänlich und von hoher Qualität sein. Christen merken sofort, ob der Gottesdienst attraktiv für ihre nicht-christlichen Freunde ist. … Der beste Weg um Leuten zu ermöglichen, ihre Freunde zu bringen, ist so zu tun als ob schon Hunderte von Skeptikern da sind. Und wenn du „so machst als ob“, dann werden sie auch bald kommen.
Dazu kommt eine Prise einfacher und nicht-selbstverständlicher Sprache:
Es ist normal, alle möglichen Aussagen zu machen, die für uns verständlich sind, die aber auf Annahmen beruhen, die eine sekulare Person nicht teilt…. Daher ist es notwendig, jeden theologischen oder evanglikalen Sub-Kultur-Jargon zu vermeiden und deutlich die grundlegenden Konzepte zu erklären
Der Inhalt der Botschaft sollte für Gläubige und nicht-Gläubige passen:
Die eine Botschaft, die Gläubige und Nicht-Gläubige brauchen, ist die Botschaft der Gnade und Annahme. … Wenn die Predigt nur auf Evangelisation abzielt, langweilt sie die Gläubigen. Wenn sie nur lehrt, wird sie die Ungläubigen verwirren und langweilen. Wenn wir über Gott reden, der aus Gnade wirkt, dann werden die Gläubigen erbaut und die Ungläubigen herausgefordert.
In einem guten Artikel über die Botschaften seiner Predigten schreibt Tim Keller:
Manhattan ist voller postmoderner Menschen, für die alle moralischen Aussagen kulturell relativ und sozial konstruiert sind. Wenn du mit ihnen über sexuelle Sünde redest, sagen sie einfach: „du hast deine Standards, ich habe meine“. Wenn du dann ihren Relativismus attakierst, fühlen sie sich nur bevormundet und distanzierst… Ich lerne von Soren Kierkegaard, der Sünde als Identitätsfindung (Selbstwert nud Glück) außerhalb von Gott definiert. Das ist das biblische Verständnis von Sünde als Götze. Dadurch ist der Fokus nicht so sehr auf „was falsches tun“ als auf „gute zu ultimativen Dingen“ zu machen.
Anstatt ihr voreheliches Verhältnis zu ihrem Partner als Sünde darzustellen, sage ich ihnen, es ist Sünde, dass sie in einer Partnerschaft nach Lebenssinn, Rettung und Erfüllung suchen. Das kann nur von Gott kommen. Dieser Götze führt zu Angst, Vereinnahmung, Neid und Frust. Ich merke, dass wenn man ihr Leben im Sinn von Götzendienst darstellt, dann leisten postmoderne Menschen nicht viel Widerstand. Christus kann dann nicht nur als die einzige Hoffnung auf Vergebung, sondern auch die Hoffnung für Freiheit und Erfüllung präsentiert werden.
Weiter Anmerkungen zu Tims Stil:
Preaching the Gospel to yourself
Why I like Keller better than Piper
In seinem Manual ist auch recht guter Abschnitt über Zielgruppe und wie man dazu ein Profil erstellen kann. Das habe ich auf unserem Gründerportal aufbereitet.

Das Buch wird auf Deutsch übersetzt. Kommt hoffentlich bald heraus.
Hey, ich mag Tim Keller sehr. Auch wenn es manchmal etwas schwierig scheint, die Reich Gottes Theologie eines NT Wright z.B. mit klassisch reformierter Theologie zusammenzubringen, ist er doch einer der besten, durchdachtesten und demütigsten Vertreter von reformierter Theologie.
Ich finde den Ansatz seiner Predigten sehr richtig und mich beeindruckt sein Tonfall/Stil.
Ich glaube, sowohl was die Botschaft als auch was die Sensibilität für Außenstehende anbelangt, wäre ein Tim Keller (mit einigen Vorbehalten) genau das richtige für eine Stadt wie Heidelberg:
er ist belesen in den wichtigsten geisteswissenschaftlichen Theorien
er kann Dinge herunterbrechen ohne das Komplexität total auf der Strecke bleibt
er lebt in der Welt
er hat eine klares (aka reformiertes) Evangelium
er grenzt sich von Moralismus ab (wir grenzen uns zwar immer von „Religiosität“ ab; aber das ist nicht das gleiche; das könnte klingen wie eine Neuauflage von: Freikirchler polemisieren gegen Landeskirchler)
er hat eine demütige Art der geistigen Auseinandersetzung
wenn er über die Bibel redet kommen meist für alle neue Seiten an den Texten heraus.
Mir würde mehr davon auch bei uns gefallen genau damit ich eben Freunde mitbringen kann.
Wahre Geschichte: nachdem ich das Handbuch bekommen habe, habe ich es während der Autofahrt gelesen (!!!) und einen Crash gebaut. Er zeigt wirklich Schritt-für-Schritt sehr wohl durchdacht, wie man eine church z. B. in New York City oder Berlin gründen kann. Das Buch ist ein muss! (Das benutzen die church planter vom dreijährigen City Mentoring Programm in Deutschland)
Danny und Arne,
ich lebe in Berlin. Als Vineyard Berlin wollen wir hier ja einige Vineyard gründen. Danny du schreibst, dass das Buch bald auf Deutsch raus kommt. Wo bekomme ich es her? Und Danny, wer sind die church planter vom dreijährigen City Mentoring Programm in Deutschland??
danke für das extrakt marlin, hört sich echt gut an.
hallo danny
mich interessieren die fragen, die jochen oben stellte … wiewowann das buch? wer sind die vom citymentoringprogramm?
grüße
martin
Toller Post, hat mich zum Nachdenken gebracht, danke.
Ich denke nur gerade noch darüber nach, was genau eigentlich
die „Botschaft der Gnade und Annahme“ ist. Sicherlich zumindest einmal das, was dann etwas weiter gesagt ist, dass Gott aus Gnade wirkt.
Kontrastprogramm war dazu eine Osterfreizeit bei den Fackelträgern; ein Prediger, sehr bibelfest und jesusliebend, traf die Aussage: Ein Prediger hat die Wahl, er kann das Kreuz predigen – oder nicht. Das hat mich damals sehr berührt.
Ich stelle gerade fest, dass der „Opfergedanke“ in emergenten Kreisen kritisch gesehen wird, oder beobachte ich das falsch?
Das ist sehr ins Unreine gesprochen. Eure Meinungen?
Ich habe gehört, dass diese Frage die „fromme Szene“ in England bereits gespalten haben soll. Die einen sagen, es war kein Opfertod und der Tod Jesu ist unverständlich, die anderen beharren darauf, dass Jesus für unsere Sünden gestorben ist, weil das nötig ist.
zweitens habe ich gehört, dass die Theologie von Emerging Church ziemlich genau dem entspricht, was Rudolf Bultmann gelehrt hat. Die Spannung zwischen Wissenschaft und Glaube hat er folgendermaßen überbrückt: er sagt, Jesus sei „wahrhaftig“ auferstanden, – aber nicht „wirklich“.
Mein Eindruck ist, dass viele Befürworter der Emerging Church gar nicht wissen, was sie da tun und reden. Die Sache ist irgendwie hohl.
Auch wissen will wann das Buch wo zu haben ist.
Hi everyone! I stumbled on this blog while looking for info about Tim Keller in German. Does anyone know if the book has been translated and who the publisher is?
Thanks,
Deborah
Ich kann auch deutch lesen und verstehen! Antworten auf deutsch- kein Problem!