Wir müssen uns jederzeit befleißigen
dass alle unsere Verrichtungen
ohne Unterschied
kleine Unterredungen mit Gott sind
doch nicht mit Kunst
sondern wie sie von der Einfalt
und der Reinigkeit des Herzens herkommen
Jeden Dienstagmorgen treffe ich mich mit Dirk in der Kantine zum Frühstücken und Planen für unser neues Projekt. Über die letzten Jahre haben wir oft beim Essen über Bücher, unsere Arbeit und Jesus nachfolgen geredet. Neben der schieren Freude, den Weg mit einem Freund zu teilen, sind wir irgendwann zu der Frage gekommen: wie lässt es sich wirklich bei der Arbeit für Jesus leben? Was haben Theorien wie GTD, 7habits, 4hww etc dafür zu bedeuten? Vor 1 Jahr formten wir aus ein paar Ansätzen daraus einen Kurs für die Gemeinde, weil wir davon überzeugt waren, dass praktische Schritte wichtig sind für die Nachfolge Jesu in einer normalen Welt. Dabei merkten wir aber, dass vieles von diesen Theorien irgendwie nebeneinander steht und es keinen roten Faden gibt. Wir wollten nicht nur in Tipps und Techniken ertrinken, sondern den Alltag meistern und dabei Jesus integrieren.
Also haben wir „Projekt Nordstern“ ins Leben gerufen: Worship in a world of action. Häufig werden ja die geistlichen Aspekte des Lebens auf bestimmte Aktivitäten geschoben, die hoffentlich Platz finden im Tag: das Beten am Morgen, Hauskreis am Abend, ab und zu ein Spezialaktion für Arme oder Gottesdienste am Wochenende. Das hat sicher alles seinen Platz, aber es ist eine Trennung von Arbeit und Geist. Viele Tipps zur geistlichen Frische gehen Richtung Rückzug: mal ein Wochenende alleine wohin; mal auf einen Konferenz etc. Aber ganz am Anfang der Geschichte ruft Gott den Menschen zu Arbeit und segnet ihn damit. Die Arbeit ist Gottes Auftrag an uns. Viele sehen Action (Arbeit) als Störung für geistliches Leben oder Anbetung; Gott sah Arbeit als seinen Segen für uns. Im Hebräischen gibt es kein Wort für geistliches, genau weil es im hebräischen Denken keine Trennung zwischen geistlich und weltlich gibt. Alles ist geistlich. Aber warum ist es dann so schwierig, bei der Arbeit in den geistlichen Groove zu finden? (Google-Suche zu unserem Thema: 0 Treffer!).
Und dann kommt noch die Information-Worker Story dazu. Unsere Arbeit besteht heute im Umgang mit Informationen und dem Verarbeiten von Wissen. Im Gegensatz zu Landwirtschaft und Industrie sind die Ziele und Mittel für einen Information Worker nicht mehr klar umrissen. Wer sagt dir, was die richtigen Ziele sind im Studium / beim Firmengründen / in der Gemeinde? Es gibt hunderte Aktionen, um den Zielen näher zu kommen, aber welche zählt wirklich? Man muss sich aus Informationen das Wissen ziehen, um näher zu den Zielen zu kommen (und zu hoffen, dass die Ziele überhaupt richtig sind). Herbert Simon beschreibt das gut:
«What information consumes is rather obvious: it consumes the attention of its recipients. Hence, a wealth of information creates a poverty of attention and a need to allocate that attention efficiently among the overabundance of information sources that might consume it.»
Wir müssen in dieser Information navigieren, Unwichtiges kicken und das Chaos managen. In diesem Gebiet von zu viel Information und bewegenden Zielen wollen wir also Jesus nachfolgen. Der Nordstern leitet uns dort, wo wir sonst Orientierung verlieren würden. Jesus nachfolgen findet in einer realen Welt statt. Dabei scheitern wir nicht an unseren Idealen (z.B. schöne Familie haben, andere evangelisieren), sondern an den praktischen Dingen des Alltags. Daher verfolgen wir die Frage: Arbeit ist großer Teil unseres Lebens – Wie können wir sie zur Anbetung machen? Wie leben wir unsere Geistlichkeit nicht im Rückzug oder Spezialaktionen sondern in der Arbeit des Alltags? Mehr kommt sobald wir die Informationsflut gemanagt haben.
Jedes Jahr sendet Pixar viele ihrer Mitarbeiter zu dem Seminar von Robert McKee über Geschichten erzählen. Neben ihrer technischen Brillanz brauchen die kreativen Köpfe auch einen Weg, um Filme zu machen, die jemand sehen will. Vor einigen Jahren kamen John Lasseter und seine Kollegen zu McKee und meinten: „Wir sind Computer Freaks und können keine Geschichten erzählen.“ McKee lehrte sie in einem Seminar und sie nahmen die Ideen mit zurück in ihr Studio: „John Lasseter und Peter Docter ging nach L.A. in diesen Kurs und kamen begeistert zurück. Wir folgten McKee aufs Detail als wir an Toy Story arbeitetn. Toy Story ist das Resultat von McKee’s system“.
Was ist das System von Robert McKee? In seinem Buch Story beschreibt der Filmlehrer, wie eine Geschichte sich entfaltet und aufgebaut ist. Zunächst steht am Anfang ein „inciting incident“, der die Kräfte im Leben des Akteurs aus dem Gleichgewicht bringt (die Spinne bei Peter Parker in Spiderman; James Bond entdeckt Attentate und einen Zusammenhang). Das sendet den Akteur auf eine Reise, das Gleichgewicht in seiner Welt wieder herzustellen. Auf dieser Reise begegnet er „zunehmenden Schwierigkeiten“ – Hindernisse auf dem Weg der Lösung. Diese werden immer schwerer und erfordern mehr Aufwand (James Bond findet immer größere Zusammenhänge des Weltbedrohers). Dies führt zu einer „Krise“, wo es nur noch eine Option gibt, die Lösung des Dilemmas zu finden: den Weg in die „Climax“ – die finale Auseinandersetzung zwischen Akteur und Widersacher. Dieser Kampf verändert die Welt für immer und ist unwiederkehrbar (James Bond besiegt Dr. No) . Schließlich schließt der Film mit einer „Auflösung“, wo die Konsequenzen der Story angedeutet werden (James Bond treibt in seinem Boot mit seinem Mädchen und knipst das Licht aus).
Eine gute Geschichte stellt dauernd die Frage: „Was passiert als nächstes?“ Jede Szene, jede Handlung trägt zum Konflikt bei und sucht nach der Lösung im Kampf des Akteurs mit seinem Schicksal. Die Geschichte entwickelt sich nur durch Konflikt und dauernde Veränderung. Dieser Bogen von Inciting Incident zur Resolution hält alles zusammen und gibt der Geschichte Einheit.
Kino im Kopf beginnt also mit einer guten Struktur einer Geschichte. Es muss was sich was ereignen, das die Welt aus dem Gleichgewicht bringt und nach einer Lösung sehnen lässt. Der nächste Schritt ist dann, die Details in das Outline zu bringen. Das folgt im nächsten Post…
Gehe hin zur Ameise, du Fauler, siehe ihre Weise an und lerne – Sprüche 6,6. Seit einiger Zeit erfreuen sich Ameisen neuer Beliebtheit. Sie verdeutlichen das Prinzip der Emergenz und Selbstorganisation. Hier ist die beste Präsentation, die ich bisher dazu gesehen habe.
Es gibt einige Aha-Momente wenn man verstehen will, wie Organisationen arbeiten und effizient sind:
Keine zentrale Ordnungsstruktur
Wachstum bis zu einer bestimmten Größe und dann Multiplikation
Aufgabenteilung nach Bedarf
Einfache Regeln zur Aufgabenfindung
Kein Rückschritt in der Entwicklung von Aufgaben – nur nach außen, nie mehr nach innen.
Endlich gibt es eine Video-Einführung online zu Getting Things Done. David Allen war bei Google und sein Vortrag dort wurde gefilmt. Dort sind alle Elemente von GTD beschrieben und es ist die beste Kurzeinführung, die ich kenne.
Nach über 2 Jahren GTD kann ich sagen, dass The David und sein System wirklich funktionieren (.1; .2; .3; .4; .5; praxis; spiritualität). Der Knackpunkt ist wirklich die wöchentliche Durchsicht, denn nur damit behält man langfristig das Vertrauen in sein System und reist es nicht wieder an sich. Der Entstress-Faktor bei GTD ist wirklich sehr hoch und mir hat es geholfen, meine Aufmerksamkeit trotz Überinformation zu führen.
Vor einiger Zeit habe ich auch das CD-Set GTD Fast von David Allen bekommen und finde das ein guter Refresher, den ich alle paar Monate reinwerfe. Beim letzten Mal hat mich dieses Zitat zum Nachdenken gebracht:
Your maturity in life, personally, professionally and especially financial, has been based on your ability to hand greater and greater levels of ambiguity and stay sane.
Zur Zeit bin ich viel in Kontakt mit der raren Spezies der Gemeindegründer in Deutschland. Letzten Herbst haben wir in Budapest über Gemeindegründung diskutiert und einen Plan aufgestellt, wie wir Gründungen besser unterstützen können. Jetzt haben wir eine Church Planting Task Force gegründet und uns wurde klar, dass es wichtig ist, die tatsächlichen Bedürfnisse der Gemeindegründer zu verstehen, um sie dann entsprechend fördern zu können.
Also haben wir das Projekt vReddy gestartet: benannt nach dem Pflanzenwissenschaftler Vangimalla R. Reddy, dessen Forschung und Modellierung den Prozess von Pflanzung, Wachstum und Fruchtbarkeit von Nutzpflanzen verbessert. Grundlegend für diese Optimierung ist ein tiefes Verstehen der Wirkfaktoren und der Umgebung. Mit diesem Verstehen erstellt Reddy dann Modelle, die ein Eingreifen in und Optimierung des Wachstums erlauben. Projekt vReddy greift diesen Ansatz für Gemeindegründungen auf: durch Forschung über Wirkfaktoren und Umgebungsbedingungen soll eine Grundlage geschaffen werden, um ein Optimieren des Gründungsprozesses zu ermöglichen.
Daher streben wir knapp 100 Interviews an mit Personen, die Gemeinden gründen, gegründet haben oder versuchten zu gründen. Unser Schwerpunkt liegt dabei auf der Person des Gründers, dessen Fähigkeiten und dem Team in der ersten Phase der Gründung. Wenn wir verstehen, was dort die wesentlichen Faktoren sind, werden wir in einem zweiten Schritt an Maßnahmen arbeiten, um Gründer durch Training, Vernetzung und praktische Unterstützung zu fördern. Wir wollen verstehen, was wirklich funktioniert (und wo man diese Fähigkeiten her hat).
Neben den direkten Interviews lesen wir auch allerhand Studien dazu und reden mit Denkern auf diesem interessanten Gebiet. Es ist auf jeden Fall schon mal sehr spaßig, mit so viele Draufgängern zu reden, die in unserem Land geistlich was bewegen.
Berlin war ganz schön kalt und es lag mehr Schnee als in der Schweiz. Emotional waren die 2 Tage als andere als kalt, denn unter den 400 Teilnehmern der jährlichen Leiterkonferenz von Vineyard sind viele gute Freunde und interessante Neubegegnungen. Neben guten Sprechern (Bühlmann, Eggers (bloglos), Scott) waren es vor allem die Gespräche, die diese Tage zu so einer guten Zeit machen mit Weggefährten, die in ähnlichen Situationen stecken: Gemeinde gründen, Familie organisieren, neue Wege beschreiten. Das Gefühl von Familie ist bei solchen Treffen immer präsent und es ist ein toller Start ins neue Jahr.
Ausführliche Beschreibung gibt es bei Marcus zu Tag 1, 2, 3 und 4.