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Archiv für August 2007

Die Krisen der Mutter Teresa

30 August, 2007 marlster 6 Kommentare

Ich traute meinen Augen kaum: im Time-Magazin diese Woche war ein langer Bericht über die Glaubenskrisen von Mutter Teresa. In einem neuen Buch („Mother Teresa: Come Be My Light„) werden ihre Briefe aus über 60 Jahren aufgeführt. Die Einleitung für den Artikel lautet:

Her secret letters show that she spent almost 50 years without sensing the presence of God in her life. What does her experience teach us about the value of doubt?

Es ist eine interessante Analyse von Zweifel und der dunklen Nacht der Seele. Wenn eine so hingegebene und konsequente Frau wie Mutter Teresa über 50 Jahre (!) kein Gespür von Gottes Gegenwart hat, wie gehen wir dann mit Zweifel und Gottes gefühlter Abwesenheit um?

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Kategorien:Bücher, Spiritualität

Die Atmosphäre und die Architekten

20 August, 2007 marlster Kommentieren

Alle Kirchen haben eine Atmosphäre. Atmosphäre ist das, wie sich Leute in der Gemeinde fühlen. Es sind die sichtbaren Elemente in einem Raum, die eine Gefühl erzeugen und damit die Haltung der Menschen prägen. Steve Sjogren hat in einem Buch den Begriff „Atmosphere Architect“ benutzt. Er verstand damit seine eigene Rolle als Gemeindeleiter und meinte:

I see myself as Captain Stubbing on the Love Boat, going about 24/7 seeing where the atmosphere of love is being hindered and in the name of the Lord I getting the party back on track!

Das ist ein interessantes Konzept. Als Leiter ist er verantwortlich für das Gefühl der Gemeinde und die Einstellung, die die Leute mitbringen. Den VIBE sozusagen. In letzter Zeit habe ich viel über diese Bereich gelesen und mir Gedanken gemacht: wie man Dörfer baut, wie man ein Restaurant anlegt. Da wir gerade in unsrer Gemeinde umbauen und auch zu Hause am Gestalten sind, mache ich mir Gedanken: wie gestalt ich den Vibe meiner Wohnung und meiner Gemeinde? Hier sind meine ersten Gedanken:

Überlegen: Was will ich für eine Atmosphäre? Welche Eigenschaften soll unsere Atmosphäre habe? Welche Worte sollen Menschen gebrauchen, wenn sie unsere Gottesdienste beschreiben?

Vorlegen: show-don’t-tell. Die Atmosphäre lebt durch die Umgebung und Gestaltung. Welche Elemente unterstützen die Atmosphäre? Welche Symbole gehen in diese Richtung?

Verhalten: Übergänge und der Umgang miteinander prägen die Atmosphäre. Welche Praktiken unterstützen unsere Atmosphäre? Welche hindern? Welche Atmospähre nehmen Neulinge war? Was fällt ihnen auf? Welche Worte benutzen sie?

Erwartungen: die Haltung und Erwartung der Menschen prägt eine Veranstaltung und die Atmosphäre. Genauso können Hürden durch unklare Erwartungen entstehen. Welche Erwartungen bauen wir für die Events auf? Wo haben Menschen ihre Erwartunge her? Wie können wir Erwartungen prägen?

Die unsichtbaren Dinge sprechen lautstark zu den Besuchern und sind vor allem für Neulinge sehr sichtbar. Das Reich Gottes ist weniger ein Ort als viel mehr eine Atmosphäre.

Kategorien:Kirche, Missional

Prayers of the Saints

17 August, 2007 marlster 1 Kommentar

In letzter Zeit sind wieder alte Lieder und Worte im Kommen. Das Alter bringt ein Geschmack von Reife und Lebensweisheit mit sich. Mein Freund Ben hat mir kürzlich eine CD aus der Trinity Vineyard in Atlanta geschenkt: Prayers of the Saints (itunes). Martin Reardon und seine Kollegen haben Gebete von Heiligen  genommen und sie mit ihrem Coldplay-meets-Americana-Stil vertont und aufgenommen. Mich bewegen die Lieder, weil sie wunderbar Christus-zentriert sind und eben diese Reife ausstrahlen.

Hier ist eine Version vom Gebet von St. Patrick (mp3):

Christ be with me, Christ within me,
Christ behind me, Christ before me,
Christ beneath me, Christ above me,
Christ to comfort & restore me
Christ in the hearts of all who think of me,
Christ on the lips of all who speak of me,
Christ in every eye that looks upon me,
Christ in every ear that hears me.

Let it be, let it be, let it be so with me
Have your way, have your way, have your way I bend my knees

Wie gesagt, sehr bewegend. Hier sind noch ein paar weitere alte Gebete, die diese Ausstrahlung haben. Irgendwie wäre es gut, wenn es noch mehr so aktuelle Musikversionen von diesen Gebeten gäbe. Kann ja noch werden.

Kategorien:Musik, Vineyard, Worship

Christus vs die Welt

14 August, 2007 marlster Kommentieren

In einer bild-überschwemmten Welt
Einer Welt von Logos und Aufforderungen
Die auf unsere Gedanken einströmen
Eine Welt von schwacher und gefangener Imagination
In der wir zu stumpf und überschwemmt sind
Um anders zu denken
Einer Welt, in der das Reich der Wirtschaft und Unterhaltung
Ein Monopol auf unsere Gedanken hat
Ist Christus das Abbild Gottes in dieser Welt

Christus ist das Abbild par excellence!
das Bild über allen Bildern
das Bild, das keine Fassade ist
das Bild, das dir nichts verkaufen will
das Bild, das dich nicht manipuliert

Christus ist das Abbild des unsichtbaren Gottes
Das Ebenbild Gottes
Ein Haut-und-Knochen-Bild im Hier&Jetzt
Mit Freund und Leid
Ein Abbild von dem wie Gott ist
Gottes Abbild
Ein Haut-und-Knochen-Bild im Hier&Jetzt
Mit Freund und Leid
Ein Bild von uns
Wie wir als Ebenbilder Gottes sein sollten

Er ist die Quelle einer befreiten Imagination
Die Unterwanderung des Reiches
Denn alles beginnt und endet mit ihm
Alles
Alle Dinge
Alles, was du dir vorstellen kannst
Sichtbar und unsichtbar
Berge und Atome
Weltraum, Wohnraum, digitaler Raum
Ob Bundestag oder Holiday Park, SAP oder Telekom
Ob Bundeswehr oder die Uni Heidelberg
Alles wurde in ihm und durch ihn geschaffen

Er ist ihre Quelle
Ihr Sinn und ihr Ziel
Selbst in ihrer Rebellion
Selbst in ihrem Götzendienst
Er ist der Sourveräne Erhabene
Christ ist in und durch alle Dinge!

Aus: Brian Walsh – Colossians Remixed

Kategorien:Inspiration, Media, Worship

Glück ist relativ

10 August, 2007 marlster 1 Kommentar

Harvard-Professor für Psychologie Dan Gilbert hält einen interessanten Vortrag bei TED über Glück. Seiner Aussage nach passiert folgendes mit Glück:

Glück ist eine Interpretation der Umstände

Glück balanciert sich immer wieder aus – man hat ein Grundlevel an Glück, das sich trotz unterschiedlicher Lebensumstände wieder einstellt

Der Unterschied zwischen zwei Lebensumständen ist nicht so groß als dass es großen Aufwand rechtfertigt

Kategorien:Psychologie

Wie man ein Restaurant baut

8 August, 2007 marlster 1 Kommentar

In meiner Suche nach dem Erstellen von Dörfern bin ich über Danny Meyers Buch „Setting the Tablegestolpert. Er hat mit Erfolg eine Reihe von Restaurants in New York City eröffnet und schreibt nun über die Kraft von Gastfreundschaft. In dieser Biografie erzählt Meyer, wie er zunächst als Software-Verkäufer ein gutes Leben und guten Verdienst hatte, bis er Ende 20 seiner Leidenschaft für Essen folgt.

Lerne von den Besten
Der erste Schritt, den Meyer geht, um ein Restaurant zu eröffnen führt in nach Europa: Italien und Frankreich. Dort gibt es die besten Küchen und Meyer zieht ein halbes Jahr von Spitzenküche zu Spitzenküche, lernt Starkochs kennen und macht sich Notizen. Bei jeder Gelegenheit fragt er sich nach der Reaktion, die es in ihm hervorruft:

„Ich schrieb mir die Gericht auf, die mir gefielen, und auch alle möglichen Notize und Zeichnungen von Lichtern, Speisekarten, Architektur, Böden, Anordnung der Tisch – und wie ich mich an jedem Ort gefühlt habe. Ich habe die Vision für mein zukünftiges Restaurant entwickelt indem ich mich selbst kennen lernte. Ich war noch nie zuvor so lange allein unterwegs gewesen und die Erfahrung zwang mich, darüber nachzudenken, was wirklich wichtig war und sich gut anfühlte für MICH“. (S.38).

Finde einen authentischen Kontext
Mit den Eindrücken aus Europa kam Meyer zurück nach New York. Ihm wurde relativ schnell klar, dass eine Kopie eine europäischen Restaurants in Downtown NYC nicht passen würde. Er müsste nehmen, was er gelernt hatte, und es auf den Kontext übertragen – kapieren, nicht kopieren. Das ist wirklich ein schwieriger Part. Solche Übertragungen können zur billigen Imitation verkommen, einer Art thematischen Freizeitpark gleichen oder total daneben zu sein. Für Meyer war es wichtig, die Menschen vor Ort kennen zu lernen, den Ort zu beobachten und viel zu probieren.

„Unsere Aufgabe ist nicht, unsere Bedürfnisse auf unsere Gäste zu projizieren: es geht darum, ihre Bedürfnisse zu kennen und sie dann zu bedienen!“ „Es ist meine Leidenschaft, etwas Neues und Begeisterndes dem zuzufügen, was ich den Dialog zwischen dem Bestehenden und dem Möglichen nenne.“ „Mir geht es nie darum, eine neue Küche zu erfinden. Vielmehr will ich eine neue Mischung an Essenserfahrung erschaffen; um dann wie ein Museumsdirektor einen Rahmen zu finden, der darum passt, die richtige Wand zu finden, um es aufzuhängen, und genau das richtige Licht darauf zu werfen. Meine ultimative Leidenschaft für ein neues Restaurant ist immer, mit einem Thema zu beginnen, das ich liebe; mich darauf zu konzentrieren was ich am meisten daran mag; und dann einen neuen Kontext dafür zu entwerfen.“ (S. 98)

Hol dir Hilfe von den Besten
Meyer hatte Ideen, Inspiration und einen Plan für sein Restaurant. Um seine Ideen umzusetzen hat er sich die besten Designer und Handwerker gesucht, die seine Sprache verstanden haben. Für lange Zeit war er auch versucht, selbst der Chefkoch zu werden, aber entschied sich dann dagegen, um sich mehr auf das Management des Restaurants zu konzentrieren. Stattdessen suchte er sich einen anderen Chefkoch und ließ sich in allen wichtigen und unwichtigen Bereichen helfen.

Achte auf das Gefühl der Gäste
Die größte Botschaft in Setting the Table ist wohl die Betonung vom Umgang mit Menschen. Business ist nicht nur Arbeit und Kohle machen, sondern wie sich Menschen dabei fühlen, wenn sie das Produkt (Restaurant) erleben oder den Service (Bewirtung) in Anspruch nehmen. Andernort heißt das „emotionale Intelligenz“ – die Fähigkeit, eigene und fremde Emotionen wahrzunehmen und mit ihnen umzugehen.

„Vom Moment unsrer Geburt erleben die Babys die ersten vier Gaben des Lebens: Augenkontakt, ein Lächeln, eine Umarmung und Nahrung. Wir erhalten vier über den Kurs unseres Lebens, aber wenige übertreffen diese ersten vier. Dieser erste Kontakt ist wahrscheinlich die reinste Gastfreundschaft, die wir empfangen, und daher ist es nicht überraschend, dass wir sie sie den Rest des Lebens wollen…“ (S.2)

„Gastfreundschaft ist die Grundlage meiner Geschäftsphilosophie. Es gibt fast nichts so wichtig wie sich eine Person bei einer Transaktion fühlt. Gastfreundschaft existiert, wenn du andere Person glaubt, dass du auf ihrer Seite bist. Das Gegenteil ist genauso wichtig. Gastfreundschaft ist da, wenn etwas FÜR dich passiert. Sie fehlt, wenn etwas MIT dir geschieht. Diese beiden Wörte – für und mit – beschreiben alles.“ (S.11)

Mary Kay: „Jede Person läuft durchs Leben mit einem unsichtbaren Schild um ihren Hals, auf dem steht: gib mir das Gefühl, ich bin wichtig! Die Meister der menschlichen Beziehung wissen, wie man Personen das Gefühl auf ihre Aufforderung auf dem Schild geben.“ (S.92)

Erstelle einen Plan und sei flexibel
Nach dem Erfolg seines ersten Restaurants – dem Union Square Cafe – begann Meyer weitere Restaurants mit unterschiedlichem Schwerpunkt zu eröffnen. Ein Jazzklub, ein Firmenrestaurant, eine BBQ-Bude, eine Taverne etc. Bei jedem dieser Unternehmungen war es wichtig, eine Idee zu haben und dann einen Plan zu erarbeiten. Aber der Plan war nicht das Ende, sondern erst der Anfang. Es ging darum, die Idee in der jeweiligen Nachbarschaft so anzupassen, dass sie authentisch kommen. Außerdem musste man von den Kunden lernen, was wirklich klappt und was nicht. Das hat zum Teil teure Renovationen nach sich gezogen, war aber der Schlüssel zum Erfolg.

„Kontext ist alles. Was mich als Firmengründer als am meisten geführt hat war die Verbindung von Leidenschaft mit Möglichkeit (und manchmal Zufall) führt zum richtigen Kontext für die richtige Idee zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich habe mich nie auf Marktforschung verlassen, um ein neues Geschäft aufzuziehen. Ich bin mein eigener bester Markt.“ (S.99)

Setting the Table ist eine faszinierende Erzählung. Klar, hinterher ist man immer schlauer. Aber von Meyer kann man lernen, was es bedeutet Ideen von anderswo authentisch umzusetzen, seinen Gefühle zu vertrauen und wirkliche Gastfreundschaft zu üben. Ich bin noch nicht ganz durch, aber die Einsichten lohnen sich schon. Und es ist ein Buch, das Essen zelebriert und wenn man zu lange am Stück ließt, läuft einem das Wasser im Mund zusammen.

Kategorien:Bücher

Shine your light

1 August, 2007 marlster 3 Kommentare

Schönes Atmo-Video über die Gebrochenheit der Welt.

Wenn es schon um Not und Wasser geht. Hier ist ein wunderbarer Artikel von Fast Company über den Luxus und die Psychologie von Wasser: message in a bottle.

Kategorien:Media, Spiritualität