Mein 3. Buch kommt…

26 Jun

 

 

Dieser Tage sitze ich am Laptop und drehe die letzten Runden über mein drittes Buch. Nach dem vielgeachteten Natürlich Übernatürlich folgte mit START ein Leidenschaftsprojekt, das zum ewigen Geheimtipp mutierte. Eigentlich hat es mich danach gar nicht mehr gereizt noch mehr zu Schreiben. Zu schmerzhaft ist der Prozess, zu wenig geht durch Bücher. Bloggen genügt und macht mir Spass.

Aber… Ich habe einen Traum. Und den lebe ich seit 10 Jahren. Und ich frage mich immer wieder, wie wir unsere Träume noch weiterträumen können. Und über die letzten 10 Jahre bin ich auch zum semi-professionellen Kinderbuch vorleser geworden. Meine drei Kinder haben jedenfalls nie gesagt, dass ich jetzt aufhören soll. Und mir ist aufgefallen, dass die meisten Kindergeschichten eine Moral haben. Wenn Kinder etwas verstehen, dann ist es für alle verträglich.

Daher ist über die letzten 3 Jahre ein Skript für ein Kinderbuch gewachsen. Aber! Kinderbücher brauchen mehr als Text. Also habe ich lange, lange nach einem Zeichner gesucht. Kürzlich bin ich dann auf die 13-jährige Clara aus Speyer getroffen, die schon seit Jahren Mangas malt. Und schwuppdiwupp sind wir Parnter geworden.

Jetzt ist “Felix und der Traum” kurz vor dem Launch. Ein Kinderbuch, wer hätte das gedacht. Verfügbar wird ist ab September in unseren tollen Gottesdiensten in Heidelberg sein. Also, sitzt still und spitzt eure Ohren…

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5 Freunde beim Träumen beobachtet

27 Mai

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Die Kirche von heute braucht Träumer. Die Kirche von heute braucht Praktiker. Ergo, die Kirche von heute braucht träumende Praktiker? Auf jeden Fall!

Fünf davon kamen letzte Woche im zum Träumen einladenden Kreuzlingen am Bodensee zusammen um herauszufinden: Zu wem hat Gott uns gemeinsam gesandt? Um was geht es dabei? Was wir bisher sehen: Es geht um Gemeindegründungen und deren Förderung im deutschsprachigen Europa. Es geht um frische, praxiserprobte Impulse für den Alltag als Nachfolger Jesu und als Gemeinde. Es geht um Gemeinschaft, Gerechtigkeit, Jüngerschaft und die Schönheit & Tiefe des Glaubens. Es geht um die Erneuerung der Welt. Es geht um die Ausbreitung des Reiche Gottes.

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Wie das mit dem träumen so ist, plötzlich wacht man auf und fragt sich, wie die Geschichte, die man da vor dem inneren Auge gesehen hat, wohl weitergeht. Wir wissen es noch nicht. Aber eins ist klar: Wenn sie weiter geht dann brauchen die fünf Freunde unbedingt einen Timmi den Hund.

 

God sees diamonds

21 Mai

Ein schönes Gedicht, eine Art Manifest. Habe ich kürzlich gefunden und hat mich inspiriert. Unten ist Gerard Kelly – mit einem Talk über Tables. Sehr cool.

We believe…
…every human being
has a worth worth seeing
Every name is a sound worth saying
Your potential a prayer worth praying
You see coals – God sees diamonds

We believe in the grace
Of the gifts God gives
His breath in everything that lives
Greater gifts to be discovered
Deep in you, disguised, dust-covered
You see coal – God sees diamonds

We see traces of truth
In the yearnings of youth
God’s image in imagination
We crave a community
that will honour audacity
And cherish the dreams of its children
You see coal – God sees diamonds

We see God seeking
A servant generation
Kindness as the kindling
To Kick-start transformation
Love as liberation
Of a captive creation
We are digging
for the diamonds God sees

written by Gerard Kelly
godseesdiamonds.tumblr.com

brauchen wir schnellere Pferde?

19 Mai

Dieser Tage hecken wir ein Treffen aus, das bewegen kann. WEITWINKEL heißt das Teil und soll Leute sammeln rund um das missionale Gedankenexperiement. Es wird bunt, es wird neu und ich bin mit super Leuten am Start. Hier ist ein kleiner Teaser, was mich dabei bewegt:

W E I T W I N K E L - Frische Perspektiven auf Kultur, Spiritualität und Mission

Datum: 27. – 29. Juni 2014

Ort: Haus Bethanien, Karlsruhe-Durlach
Preis: 60 €, inkl. Verpflegung, ohne Unterkunft
Veranstalter: Novavox & Mosaik Heidelberg
Teilnehmerzahl: Auf 70 begrenzt
Unterkünfte: Kostenlos zelten, oder uns anschreiben mit Tipps zu Unterkünften

mit dabei sein

 

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Erweckungspornos

18 Mai

Ich muss mal meine Hand heben, denn es zieht hier. Ein kleines Lüftchen, das kalt macht und nervt. Und diesen Luftzug muss man mal ansprechen, um ihn abstellen zu können: Erweckungspornos. Was soll das denn heißen?

Nun, in der christlichen Welt gibt es diese Idee von einer dicken, wundersamen Verbesserung. Ein Durchbruch. Massenbekehrung. Radikale, rasante Veränderung. El Dorado. Quasi-orgasmische Zustände. Himmel auf Erde. Erweckung nenne das einige. Wie für die Fußballer der Gewinn der WM, so ist für Christen Erweckung das Ultimo. Die große Sehnsucht.

Und es gibt einige Bücher dazu, die das beschreiben. Aus der Vergangenheit von George Whitefield und John Wesley, von Charles Finney und Smith Wigglesworth. Und hinein in unsere Zeit – Toronto, Pensacola/Brownsville, Lakeland, Argentinen etc. Dort passieren viele Bekehrungen in kurzer Zeit. Menschen orientieren sich an Gott, die Kirchen sind voll und der Respekt für Gottes Gebot ist hoch. Das wird in den Büchern beschrieben.

Jetzt gibt es ein kleines Problem mit diesen Büchern. Sie füttern eine Erwartung, die etwas daneben ist. Sie haben etwas von Pornos – sie erwarten einen Höhepunkt, sie betonen diesen über alles andere, sie betonen dramatische Momente. Und wie Pornos für eine eheliche, ehrliche Beziehung nicht gut sind, so hat diese Erwartung auf  Erweckung was Wahres und was Falsches. Ich zeige mal drei Probleme und plädiere dann für eine etwas demütigere Hoffnung, die aber mehr Mut braucht.

Geschichte ist selektiv

Ich habe zwei Bücher geschrieben. Und darin wurden historische Ereignisse verarbeitet. Ich habe die Geschichte der Vineyard erzählt. Und die Geschichte von Gründungen. Was jeder Geschichtsschreiber weiß: man wählt für eine Geschichtsschreibung bestimmte Punkte aus. Man will einen Punkt rüber bringen. Nicht jedes Detail kann drin sein. Daher ist man ist immer selektiv. Und ich habe einige Erweckungspornos gelesen – da wird einiges weggelassen. Wie in einer Ehe der Sex ein Teil eines ganzen, gemeinsamen Lebens ist, so verkürzt Porno all die Themen, die langfristig und aufwendig sind. Das ist in den Erweckungsbüchern auch so. Und das malt ein komisches Bild.

Erweckungszentren sind nicht so wirklich wirkungsvoll

Jetzt gibt es einige Ort, an denen in unsrer Zeit Erweckung stattgefunden haben soll. Toronto 1994, Pensacola Ende der 90er, Brownsville und Lakeland in den 2000ern, dazu noch Redding über die letzten 5-10 Jahre. Ich kenne aus der Vineyard USA einige Leute, die die ganze Toronto-Nummer mal 10 Jahre danach angeschaut haben. Die haben festgestellt, dass Toronto-nahe Gemeinden nach 10 Jahren kleiner (!) sind als vor 10 Jahren. Hier ist eine interessante Frage von einigen der anderen Orte:

Warum erhöhen die sogenannten “Erweckungen” nicht an Anteil an Kirchgängern in ihren Orten?
In Toronto (92-99) ist das nicht passiert.
In Brownsville ist das nicht passiert.
Bei Bethel passiert das nicht. In Redding sagen 22%, sie gehen in eine Kirche. Das ist die gleiche Anzahl wie in Corvallis, OR. Sogar Eugene, OR ist höher mit 24,5%.

Was soll das heißen? Diese Orte können tolle Wirkung haben. Aber irgendwie beeinflussen sie nicht ihr direktes Umfeld. Ich kenne eine Person aus Redding, die dort über 20 Jahre gelebt hat, noch bevor Bill Johnson bekannt war. Sie sagte, der Ort Redding empfindet Bethel als „etwas komisch“. Es kommen viele Leute von außerhalb, die sich öfter mal komisch benehmen. Jetzt will ich nicht Bethel dumm darstellen (ich mag sie), sondern auf die Porno-Dynamik hinweisen. Diese Erweckungszentren sind häufig eine Bespassung der Heiligen  und ein Trip in höhere geistliche Gefühle. Das muss nicht schlecht sein – es ist nur nicht das El Dorado für unsere Orte, das man sich unter Erweckung wünscht.

Massenbekehrungen gibt es nicht

Der Historiker Rodney Stark sagt: „es gibt kein belegtes Beispiel von Massenbekehrungen außerhalb von Pfingsten – jemals.“ Starkes Statement. Kein (!) Beispiel jemals (!). Mag natürlich sein, dass es an der Belegbarkeit liegt, aber vielleicht auch nicht. Vor allem die Amerikaner haben ja diese Erweckung als Revival-Treffen gestartet. Das ist eine Maßnahme, um laue Christen wieder auf die Spur zu bringen. Also Personen, die schon irgendwie Christen sind oder sich damit beschäftigt haben. Also Leute, die schon unterwegs sind oder waren.

Ich habe mich mal auf die Pirsch gemacht, um den Wachstum von „erfolgreichen“ Bewegungen zu verstehen. Meine kleine Studie hat ergeben, dass die Wachstumsraten jeweils überschaubar waren, aber über lange Zeit angehalten haben. Das ist, was ich gefunden habe:

Der Wachstum von Bewegungen

Wenn man das so sieht, dann sieht man eine Kurve, die langsam ansteigt. Big Bangs sind da unwichtig. Die Schlüsselworte sind Langsam und Steigend. Während Erweckungspornos den Moment verherrlichen, so zeigt die Geschichte vom Wachstum der Christenheit wie wichtig die lange Perspektive ist – fast wie in einer Ehe.

Was soll das alles heißen? Hier ist mein Plädoyer:

Stop bullshit, speak truth

Wir sollen aufhören, uns was vorzumachen. Wir sollten die Dinge so besprechen wie sie sind, und nicht wie sie sich gut in Büchern lesen. Es würde uns glaubwürdiger machen (ein großes Problem für Charismaten) und demütiger. Nachfolge ist wichtig. Netzwerke in unsere Umwelt sind wichtig. Treue ist wichtig, vor allem im Kleinen. Langer Atem ist wichtig, sehr sogar. Wenn wir darauf  bauen, dann werden wir besser mit dem realen Leben klar kommen – wie in einer Ehe eben.

Ein Spaziergang mit NT Wright – Teil 5

12 Mai

Auch der schönste Spaziergang neigt sich dem Ende. Nach ein paar Kilometern Reich Gottes, Heiliger Geist, Schönheit, Gerechtigkeit kommen wir jetzt nah ans zuhause: Europa! Was hat der liebe Prof Wright dazu zu sagen?

Europa heute

Was ist Ihre Vision, wie Laien das Reich Gottes ausleben?

In der anglikanischen Kirche sind in den letzten 40 Jahren die Kandidaten fürs Priestertum rapide zurückgegangen. Aber gleichzeitig gibt es sehr viel mehr offizielle Laien in Diensten wie Heilung, pastorale Fürsorge, Ehevorbereitung und Jugenddienst usw. In Durham, wo ich einige Jahre war, haben wir uns sehr darüber gefreut. Das hat den Priestern erlaubt, sich um das Wort und die Sakramente zu kümmern. Wir hatten ein Programm, um Laien zu trainieren, damit sie Leitung mit übernehmen konnten. Wenn es an einem Ort Gläubige gibt, dann wird der Heilige Geist das in die Gemeinschaft hinein legen, was er sehen will. Unsere Aufgabe ist, das zu sehen, zu bestätigen und zu unterstützen.

Haben Sie Hoffnung für die Kirche in Europa?

(lacht). Ganz Europa? Da weiß ich zu wenig. Ich reise hier nicht so viel und  wenn, dann sehe ich eine große Bandbreite. Von großen Kirchen in Frankreich, in die 2-3 Leute zum Gottesdienst gehen. Und dann gibt es sehr lebendige Kirchen.

Ich bin immer hoffnungsvoll. Denn alles, was ich über Gott weiß ist, dass er neue Dinge macht. Vor allem wenn die Leute ihn gerade abgeschrieben haben. Daher ist der schrille Säkularismus, den wir gerade hier in England haben, vielleicht das Vorspiel zu etwas Neuem, das Gott schenkt. Und die Vineyard ist ein Beispiel davon, wie es viel Hoffnung gibt. In Durham waren es die Freikirchen und die Katholiken, die sehr unterstützend waren und dabei waren, als wie neue Bibelkreise starten wollten. Daher gibt es viele Zeichen von Leben. Gott hat Europa noch nicht aufgegeben.

Was erhoffen Sie sich in ihrer Lebzeit in der Kirche?

Natürlich erhoffen wir uns alle, dass große Mengen von Menschen zu Jesus und ernsthaftem Glauben kommen. Einem frischen und relevanten Glauben, der die Welt von Morgen prägt. Nicht dem verwaschenen Glauben und der Stimmung von gestern. Sondern hin zu einer Begeisterung über das, was wirklich in der Bibel steht. Was mich wirklich stresst – hier in St. Andrews sind fast alle graduierten Studenten, die in der Bibel forschen, aus Nordamerika. Wir schaffen es nicht in England und Europa junge Leute so scharf auf die Bibel zu machen, dass sie es gerne studieren und erforschen wollen. Warum das so ist, weiß ich nicht. Vielleicht betonen die jungen, freieren Kirchen nicht so sehr die tiefe, genaue Auslegung der Bibel wie das früher der Fall war.

Zum Schluss: Was wäre Ihr Ratschlag für einen jungen Pastor in Europa?

Ich bin da sehr traditionell. Ich denke, Pastoren müssen hauptsächlich das machen, was Dietrich Bonhoeffer gesagt hat: „ihre Bibel besser und besser und besser zu kennen“ – nicht unbedingt die neuste Forschung, aber vor allem Zeit mit dem Text selbst zu verbringen. Zeit im Studium, Zeit im Gebet für ihr Umfeld und die Welt.  Und dann einfach in die Welt gehen und Menschen lieben. Bibel, Gebet und Liebe für Menschen – darum geht es. Und das schließt ein, die lokale Kultur zu verstehen. Menschen denken, sie kennen sie. Aber die Welt ändert sich rasant. Da gibt es verschieden Wege. Aber die Pastoren müssen die Welt verstehen, um das Evangelium darin zu verkörpern und die Sprache zu sprechen, damit sie klar und ehrlich sein können. Karl Barth sagte – die Bibel in einer Hand und die Zeitung in der anderen. Und mit viel Gebet und Liebe zwischen den zwei Händen

Ein Spaziergang mit NT Wright – Teil 4

4 Mai

Wenn NT Wright schon mal ne Minute hat, dann frage ich ihn doch gleich nach den Sachen, die einen Unterschied machen. Als Theoretiker kann man sich wunderbar die heile Welt herbei wünschen. Aber wie wird die Welt denn heil? Das wollte ich von dem bekannten Theologen und einflussreichen Autor wissen.

Soziale Gerechtigkeit

Sie haben auch viel über Barmherzigkeit als Zeichen vom Reich Gottes geschrieben. Wie kann eine Familie mit Beruf und drei Kindern an der Reduzierung der Schulden in der dritten Welt mitmachen?

Für die Schulden muss man organisiert sein. Kirchen müssen auf nationaler und internationaler Ebene wirken. Eine lokale Familie kann bei lokalen Aktionen mitmachen, die diese Themen unterstützen. Wenn wir zusammen wirken, können wir mehr erreichen.

Also geht es mehr um Politik und strukturelle Änderungen als nur etwas Gutes zu tun?

Politik und Struktur sind sehr wichtig, denn ich kann als einzelner Bürger nicht an irgendeine Bank schreiben und sie bitten, den Philippinen ihre nicht rückzahlbaren Schulden zu erlassen. Aber wenn die Kirchen zusammen mit vielen anderen an den Themen dran sind, dann gibt es irgendwann eine kritische Masse, die die Politiker wahrnehmen müssen.

Was in diesen letzten Jahren krass war: als die Finanzkrise 2008 kam, haben die Steuerzahler die Banken gerettet. Wir haben das für die sehr Reichen getan, was wir für die sehr Armen nicht tun – sie von ihren Schulden zu retten. Das hat ein hohes Maß an Heuchelei, das mich sehr stört. Und wenn die Kirchen dazu nicht aufstehen, wird es niemand merken, weil es sie nicht interessiert.

Ihre Antworten hören sich sehr gut an. Aber als halbinformierte Laien ist es sehr schwer, die richtigen Prioritäten zu finden, den richtigen Kampf zu kämpfen, gut genug zu organisieren und dann auch noch vielleicht 50 Jahre durchhalten zu müssen.

Das ist ein echtes Problem. Als ich noch Bischof war, da kamen dauernd Themen und Hilfgesuche. Ich musste dauernd prüfen, wo ich meine begrenzte Energie einsetzen konnte. Bei manchen konnte ich durch einen Brief leicht etwas erreichen. Bei vielen mussten wir Arbeitskreise schaffen und häufig war es unklar, ob wir was erreichen können. Wir leben in einer Sofort-Gesellschaft, wo wir Probleme jetzt lösen wollen. Wir müssen uns an die Gleichnisse vom Senfkorn erinnern – wir sind im Sektor von Samenpflanzung und das Reich Gottes wächst dann häufig überraschend. Die großen Reformationen in der Geschichte waren so – ob Wilberforce oder andere. Ein paar Leute, die sich einer Sache verschrieben haben, beständig darüber beten und den langen Weg dazu gehen, weil Gott es ihnen aufs Herz gelegt hat. Es braucht nicht viele Leute, um die Welt zu verändern.

Das hört sich ja leicht an. Wenn selbst ein Genie wie Sie es nicht immer gut unterscheiden können, was ist dann die Hoffnung für uns mit Überforderung und vollen Arbeitswochen? Der Reflex von Freikirchen ist dann häufig die Suppenküche – tu was Gutes lokal, was aber nicht wirklich etwas verändert.

Das muss wohl beides sein. In meiner Kirche sagen wir immer wieder: wenn es echt ist, dann ist es lokal. Wir müssen zurück zur Erkenntnis, wie das Christentum sich verbreitet hat. Es waren nicht die tollen theologischen Ideen, die vom einen Theologen zum anderen übergesprungen sind. Es waren die Christen, die sich um die Armen in ihrer Straße gekümmert haben. Wenn jemand krank war, hat man sich um sie gekümmert. Wenn sie im Gefängnis waren, schaut man nach ihnen. Selbst wenn sie keine Christen waren. Und die Leuten fragten sich: „warum macht ihr das? So was hat noch nie jemand in der Menschheitsgeschichte gemacht“. Und sie meinte: „so sieht Jesus folgen aus“. Es ist die Gefahr in der westlichen Kirche, dass Nachfolge bedeutet, die richtigen Ansichten zu haben. Aber Christsein heißt, die Sachen auf der Straße zu machen.

Und je mehr man das macht, desto mehr fragt man sich – warum sind die Leute eigentlich arm? Was ist mit dem System? Homer hat den berühmten Satz gesagt: „Als ich den Armen Brot gab, nannten sie mich einen Heiligen; als ich fragte, warum sie arm seien, nannten sie mich einen Kommunisten“. Wir müssen fragen, wo die Armut her kommt. Sowohl lokal als global. Denn wir leben in einem globalen Dorf.

Leute sagen dann darauf: „ich muss einen Abschluss machen, eine Job kriegen, Familien gründen und alle durchs Leben bringen. Wie kann ich das alles auf mich nehmen?“  Darauf meinte ich: „das musst du gar nicht. Schau auf große Bild, bete darüber und lies und studiere und diskutiere mit anderen bis du deinen Platz findest und wo du einen Beitrag leisten kannst“. Daher musste ich vor zwei Jahren die schwere Entscheidung treffen, als Bischof aufzuhören und meiner Berufung nachzukommen, das Neue Testament zu erforschen und zu lehren. In der Hoffnung, dass Gott das für seine Herrlichkeit und seine Kirche nutzt. Daher bin ich im Moment nicht mehr mit Ausländern oder Asylbewerbern involviert.

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