Einheit ist ein Zeichen von Schwäche ist die zentrale These in diesem Post. Auch in den letzen Posts gab es schon einige kontroversen Beobachtung von Rodney Stark und Roger Finke in ihrer Untersuchung der kirchlichen Entwicklung in Amerika, aber jetzt haben stärken sie ihr Argument, dass Pluralismus zu Stärkung führt. Folglich ist die Konsolidierung schlecht für Glaubensgenerierung und zeigt die Schwäche der Bewegungen an. (Frühere Einträge der Serie: 1 – überblick; 2 – aufstieg der außenseiter; 3 – ende von bewegungen; 4 - warum mainstream verliert).

Hier ist die These in Abrissen:
-> Pluralismus = gut
-> Einheit = Minimal-Referendum
-> Theologisches Edge = klare Linie

Stark und Finke sehen Religion wie ein All-you-can-eat Buffet: mit mehr Angebot kommt mehr Appetit und Verbauch. Sie sind der Meinung, dass das religiöse Interesse bei Menschen vom Angebot abhängt, und nicht das Angebot auf das Interesser reagiert. Das nennen sie das Supply-Side-Argument. Daher ist es natürlich gut für die Religiösität des Volkes, weil einfach mehr geht. Einheit bedeutet, es gibt weniger Angebot, was für die Religiösität schlecht ist.

Im Prinzip ist das, den Kapitalismus auf die Entwicklungen von Religionen anzuwenden. Und das ist genauso unumgänglich und unsympatisch wie am Markt mit Euro-und-Cents. Alan Greenspan bringt es auf den Nenner:

Das Problem ist, dass die Dynamik im Zentrum von Kapitalismus (unvergebender Marktwettbewerb) mit dem menschlichen Verlangen nach Stabilität und Sicherheit quer steht. Wettbewerb als die größte Kraft im Kapitalismus bewirkt in uns allen Ängstlichkeit. Eine Quelle ist die chronische Angst vom Verlust des Arbeitsplatzes. Eine weiter Angst, die noch tiefer gefühlt ist, kommt von der dauernden Störung des Status Quo und unseres Lebensstils, ob gut oder schlecht, von dem wir unseren Komfort ziehen.
Tief unten ist das wahrscheinlich die Botschaft von Kapitalismus: kreative Destruktion. Das Überwerfen von alten Technologien und verändern von alten Wegen zugunsten von Neuen ist der einzige Weg, um den Lebensstandard zu erhöhen und auf Dauer zu erhalten.

Neben der positiven (oder negativen) Dynamik von mehr Angebot, sind den meisten Einheitsansätzen ein Minimumglauben anbehaftet. Weil man sich vereinheitlichen will, schiebt man alle Ansprüche aus dem Fenster und findet sich mit den anderem auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Das führt meistens dazu, dass man fast nichst mehr glaubt, aber sich wahnsinnig eins fühlt. Mir ist das auch ein intuiver Grund, warum ich Pastoren-Treffen nur selten mag: ein Abtasten, vorsichtig sein, halbherzig reden. Gemeinde sind dann gut, wenn sie eine wirkliche Botschaft haben. Nach Stark und Finke sind starke Gemeinden auch nicht wirklich an Einheit (im organisationellen Sinne) interessiert. Die haben ja eine klar Botschaft und wollen diese auch verkörpern. Nur ältere und schwächere Gemeinden suchen die Einheit in der Organisation, weil sie selbst nicht mehr klar sind, was sie denn eigentlich wollen und dann das Heil im gemeinsamen Gut finden.

Diese Annahmen werden in der folgenden Statistik verdeutlicht. Das gefällt mir an Stark und Finke – nicht nur Meinungen, sondern auch ein paar Zahlen, die die Aussagen bekräftigen.

Starke Organisationen haben selten das Verlangen nach Zusammenschluss. Dieses Verlangen kommt häufig durch Schwäche… ein ökumenischer „neuer Glaube“ kann nur vom Klerus kommen, der etwas braucht, an das er glauben kann.

OK, das war die vorletzte Etappe – das Finale gibt es mit der Frage: Wie bleiben Bewegungenfrisch und wachsend


Flavi aus Liestal hat 2 neue Songs zu unsrer Worship-Playliste beigesteuert. Wie immer Gottesdienst-getestet, deutsch und Handarbeit - mit Akkorden. Es werden noch ein paar mehr neue kommen diesen Sommer.

König der Könige

Dein Reich komme


Die Top25-Gemeinde-Gründer sind in einer neuen Studie (pdf) zusammengetragen. Ganz oben: Tim Keller und Mark Driscoll. Steve Addission meint: kopiere nicht, was sie tun; kopiere ihre Werte und Einstellungen:

  • Unerreichte erreichen wollen
  • Investment der Mitarbeiter und Mitglieder
  • Fokus auf Reich-Gottes-Ausbreitung
  • Beständige Beziehung
  • Großzügiges Geben
  • Kein Stillstand

Tim Keller hat seinen Ansatz in einerm Gründermanual zusammengefasst: Redeemer Church Planting Manual. Es ist recht ausführlich und beinhaltet viel Text. Ich fand es eins der besseren Bücher über Gründung und finde einige Punkte von Tim bemerkenswert.

Sein Ansatz zur Evangelisation geht viel auf die Haltung der Prediger und Leiter ein:

Zeige in der Predigt immer die Bereitschaft, Fragen zu addressieren, die eine ungläubige Person Fragen würde. Rede mit Respekt und Sympathie mit denen, die Schwierigkeiten mit dem Christentum haben. … Stimme jedem gutem Punkt in ihrem Widerspruch zu. Es ist sehr wichtig, dass die Ungläubigen fühlen, dass du sie verstehst.

Den Fokus seiner Ansprachen sind nicht nur für die Anwesenden:

Damit Leute ihre Freunde mitbringen muss der Gottesdienst verstänlich und von hoher Qualität sein. Christen merken sofort, ob der Gottesdienst attraktiv für ihre nicht-christlichen Freunde ist. … Der beste Weg um Leuten zu ermöglichen, ihre Freunde zu bringen, ist so zu tun als ob schon Hunderte von Skeptikern da sind. Und wenn du „so machst als ob“, dann werden sie auch bald kommen.

Dazu kommt eine Prise einfacher und nicht-selbstverständlicher Sprache:

Es ist normal, alle möglichen Aussagen zu machen, die für uns verständlich sind, die aber auf Annahmen beruhen, die eine sekulare Person nicht teilt…. Daher ist es notwendig, jeden theologischen oder evanglikalen Sub-Kultur-Jargon zu vermeiden und deutlich die grundlegenden Konzepte zu erklären

Der Inhalt der Botschaft sollte für Gläubige und nicht-Gläubige passen:

Die eine Botschaft, die Gläubige und Nicht-Gläubige brauchen, ist die Botschaft der Gnade und Annahme. … Wenn die Predigt nur auf Evangelisation abzielt, langweilt sie die Gläubigen. Wenn sie nur lehrt, wird sie die Ungläubigen verwirren und langweilen. Wenn wir über Gott reden, der aus Gnade wirkt, dann werden die Gläubigen erbaut und die Ungläubigen herausgefordert.

In einem guten Artikel über die Botschaften seiner Predigten schreibt Tim Keller:

Manhattan ist voller postmoderner Menschen, für die alle moralischen Aussagen kulturell relativ und sozial konstruiert sind. Wenn du mit ihnen über sexuelle Sünde redest, sagen sie einfach: „du hast deine Standards, ich habe meine“. Wenn du dann ihren Relativismus attakierst, fühlen sie sich nur bevormundet und distanzierst… Ich lerne von Soren Kierkegaard, der Sünde als Identitätsfindung (Selbstwert nud Glück) außerhalb von Gott definiert. Das ist das biblische Verständnis von Sünde als Götze. Dadurch ist der Fokus nicht so sehr auf „was falsches tun“ als auf „gute zu ultimativen Dingen“ zu machen.

Anstatt ihr voreheliches Verhältnis zu ihrem Partner als Sünde darzustellen, sage ich ihnen, es ist Sünde, dass sie in einer Partnerschaft nach Lebenssinn, Rettung und Erfüllung suchen. Das kann nur von Gott kommen. Dieser Götze führt zu Angst, Vereinnahmung, Neid und Frust. Ich merke, dass wenn man ihr Leben im Sinn von Götzendienst darstellt, dann leisten postmoderne Menschen nicht viel Widerstand. Christus kann dann nicht nur als die einzige Hoffnung auf Vergebung, sondern auch die Hoffnung für Freiheit und Erfüllung präsentiert werden.

Weiter Anmerkungen zu Tims Stil:
Preaching the Gospel to yourself
Why I like Keller better than Piper

In seinem Manual ist auch recht guter Abschnitt über Zielgruppe und wie man dazu ein Profil erstellen kann. Das habe ich auf unserem Gründerportal aufbereitet.


Im letzten Post habe ich schon über das Ende von Bewegungen in The Churching of America von Rodney Stark und Roger Finke berichtet. Ein Grund war der Übergang einer Bewegung in eine Machtorganisation (Kirche). Jetzt kommt das Argument, warum Mainstream-Kirchen verlieren am Beispiel der Katholiken. (Frühere Einträge der Serie: 1 – überblick; 2 – aufstieg der außenseiter; 3 – ende von bewegungen).

In Europa erfreuten die Katholiken sich schon lange einer staatlichen Prominenz. In der neuen Welt kamen sie als Außenseiter ins Spiel und entfachten dort eine großartige Wirkung. Ihr Wachstum ging von ca. 3.500 Mitgliedern in 1776 auf 1,1 Millionen in 1850 auf 7,3 Millionen in 1890. Gewachsen sind sie durch die vielen Immigranten aus Europa (Iren, Polen, Italiener) und Südamerika, wo sie für die Neuanömmlinge eine Hafen der Vertrautheit und Verwurzelung boten. Außerdem zeigten sie sich sehr offen für neue Methoden wie die Erweckungstreffen, sowie die Unterstützung der Schulen durch billige Arbeitskräfte (Nonnen).

Dann passierte in 1962 etwas, das diese Dyanmik fast total zum Stillstand brachte. Waren zu diesem Zeitpunkt 48.046 Studenten in den katholischen Priesterschulen aktiv, waren es 2003 nur noch 4.522 Studenten. Waren damals 181.142 Nonnen aktiv, waren es 2003 nur noch 74.698 Schwestern. Die Laienbeteiligung ging völlig bergab. Die Rekrutierung von Novizen in Orden wurde ernom schwerfällig. Warum? Stark und Finke weißen auf das Jahr 1962 als Knackpunkt hin – den 2. Vatikanischen Konzil. Bei diesen Treffen entschieden sich die katholischen Obersten, den Glauben zu säkularisieren und die Formen der neuen Welt anzupassen. Was von vielen begrüßt wurde, hatte schlechte Auswirkungen auf die Kirche und zeigt 3 Formeln, warum Mainstreamkirchen verlieren.

Abnehmende Spannung = weniger Identifikation

Spannung bedeutet für Rodney Stark den Kontrast zur Welt um sich herum. Kontrast führt zu Identität und Identifizierung, was wesentlich für Glaubensbewegungen ist. Wenn ich mich aufgrund meines Glaubens vom Umfeld abhebe, dann muss die inner Motivation hoch sein und ich bekomme von meinen Glaubensgeschwistern reichlich unterstützung. Im Gegensatz dazu führt Anpassung dazu, die Verhaltensweisen der Umgebung anzunehmen. Das ist häufig für die innere Motivation und das selbstlose Verhalten schlecht. Seine Aussagen dazu:

Ich glaube nicht, dass Establishment gut für Kirchen ist. Sie begeben sich damit in den weltlichen Raum auf eine Weise, die unpassend ist und sie verändert. Am Ende von Konstantins Herrschaft sehen wir Menschen, die um Bischofsposten wegen Geld wettweifern. Danach war das Christentum keine Bewegung von Person-zu-Person mehr.

Abnehmende Kosten = weniger Belohnung

Eine zentrale These von Starks Arbeiten ist das Kosten-Nutzen Verhältnis von Glauben. Menschen wollen einerseits die Kosten von Religion minimieren, andererseits den Nutzen maxximieren. Hohe Kosten führen auch zu einem hohen Nutzen – wenn Menschen für ihren Glauben opfern, dann bekommen sie auch eher geistliche und soziale Bestätigung für ihr Verhalten. Intensität ist wichtig, um dem Glaubenden geistliche und emotionale Belohnung für sein Verhalten zu geben. Das geht nur über hohe Kosten. Stark meint: :

Hohe Kosten für Mitgliedschaft und klare Grenzen produzieren ein kollektives Gut durch Vorbild und Ausschluss. Das Vorbild von normalen Mitglieder spornt andere Mitglieder in Zuversicht und Hingabe an. Wenn Mitglieder ihre Zuversicht in ihren Glauben ausdrücken stärkt das den Glauben der anderen. Und wenn normale Mitglieder hohe Hingabe zeigen, dann tun das andere auch eher. Ausschluss funktionert indem die hohe Kosten der Mitgliedschaft die Halbherzigen und Uninteressierten vertreibt und damit die Intensität der Zugehörigkeit stark erhöht.

Abnehmende Beteiligung = weniger Wirkung

Wenn die Spannung und Kosten abnehmen führt das zu weniger Beteiligung im Leben der Gläubigen und letztlich zu weiterer Verwässerung und Schwäche. Wenn alles in der Hand von Profis liegt, nimmt die Wirkung in die Umwelt natürlich ab, weil diese Profis ja nicht mit so vielen Leuten in Kontakt sind wie all die Nicht-Profis es sein könnten. Außerdem haben Profis in einem Thema die Tendenz, sich mit Fragen zu beschäftigen, die für die große Masse nicht mehr wesentlich sind – womit selbst die limitierten Möglichkeiten der Profis weiter eingeschränkt wird.

die letzen 200 Jahre der Kirchengeschichte in Amerika zeigt, dass teure Gruppen am stärksten wachsen. Nur hohe Ansprüche und klare Grenze können die Ressourcen für Wachstum generieren.

Auf die Gefahr hin, diese Serie mit zu vielen Worten zu würdigen: es gibt noch 2 Teile – warum Einheits-Ansätze scheitern, sowie wie bleiben Bewegungen frisch und wachsend.


Freunde von mir bieten diesen Sommer ihr Kornfeld für Naturverliebte oder Abspannfanatiker an. Abends auf dem Kornfeld unter Sternenhimmel einschlafen. Morgends von Sonnenstrahlen aufgeweckt werden. An Caro Kaffee denken. Hört sich cool an. Wer also zu viele Blogs liest und mal Nahurlaub machen will: nichts wie nach Ittlingen. Vom 25. Juli bis 3. August. Garantiert WLAN-frei!

 


Mein Bedenken ist nicht, dass du scheitern wirst
Sondern Erfolg im Nebensächlichen haben wirst

Als weltoffener Mensch interessiert mich, was Leute denken und mit ihrem Leben machen. Manchmal treffe ich Leute, die sich sehr in eine Sache vertiefen und sichtbar von ihr angetan sind. Und wenn ich ihnen die Frage stelle: und was bringt das? dann schauen sie als ob ich nach der Gleichung zur Lösung von Welthunger gefragt hätte.

Wenn man in einem Feld studiert – und mit vielen anderen Experten in diesem Feld rumhängt – dann steigert man sich gegenseitig hoch. Fast wie bei meinem Sohn auf dem Spielplatz. Aber nach einer Weile kann diese Diskussion zum Selbstzweck werden und man verliert den Realitätsbezug. Eine Theorie aus der Wirtschaft kann hier helfen:

In jedem Feld gibt es Forschung und technischen Fortschritt. Das ist gut, weil bessere Produkte lassen sich besser verkaufen. Mit den besseren Produkten wächst dann auch der Anspruch an Produkte und die Forscher müssen immer weiter forschen. Allerdings gibt es einen Haken bei der Sache: die Forscher sind schneller als die Kunden ihren Anspruch entwickeln können. Man sieht das in der Autobranche: die meisten Autos fahren, haben auch Klimaanlage und GPS. Was brauchst du noch? Aber die Forscher machen natürlich alles noch besser und besser, was das Auto aber immer teurer macht und für die ganz Reichen dann gut genug ist. Damit bringen sich die etablierten Firmen aber irgendwann in eine große Gefahr: sie haben eine tolles, ausgefeiltes Produkt, das sehr teuer ist und weit mehr als die meisten Leute brauchen. Overshooting nennt man das.

Jetzt kann eine kleine, fernöstlicher Firma herkommen, ein sticknormales Auto zusammenschrauben und das ganze für ein Appel und ein Ei anbieten (disruptive innovation nennt man das dann). Und auf einmal rennen die schönen Herren Forscher und Nobelautohersteller in den Bankrott. Weil ihre Angebote gehen am Markt vorbei.

Die meisten Intellektuellen sind keinen wirtschaftlichen Zwängen unterlegen. Die dürfen forschen was sie wollen, das muss keiner kaufen wollen. Daher ist es dort noch etwas schwieriger zu merken, wenn das total an den Leuten vorbei geht. Wenn ich so Stücke und Fetzen aus einem Theologie-Studium mitbekomme, drängt sich mir schon die Frage auf: was interessiert denn das? (die Antwort ist oft: na, mich).

Das Problem mit Relevanz ist natürlich, dass man das nicht immer gleich weiß. Manchmal muss man erst was verstehen, bevor man sagen kann: das hätte ich mir schenken können. Die erste Erkenntnis ist aber, dass man sich eingesteht, dass man sich manche Dinge schenken kann, selbst wenn die interessant sind.


Letztes Wochenende war viel Action bei uns in Heidelberg. Am Freitag abend haben wir unsere jährliche “Party im WEinberg” gefeiert. Getreu dem Motto „das Reich Gottes ist eine Party“ kamen Freunde, Bekannte und Weggefährten zusammen, um an einem schönen Sommerabend abzuhängen. Dieses Mal waren es ca. 120 Leute und sehr viele Gäste. Ende Sommer steigt wohl die nächste Gemeindeparty. Special Guest war Cris Cosmo, der gerade seine erste Single veröffentlicht hat. Sehr beeindruckend, wie er alleine mit einer Gitarre im Garten die Nacht in Bewegung setzte.

Am Samstag gab es einen Regionen-Worship-Tag. Aus verschiedenen Vienyard-Gemeinden kam die Musik-Leute zusammen, um sich zu vernetzen und über Worship zu reden. Das war unser erster Tag dieser Art und natürlich gab es wieder ein World Cafe. Es ging viel darum, wie wir prophetisch anbeten können, Flow entstehen lassen, Anbetung als Lebensstil leben und neue Lieder schreiben, die die Menschen bewegen. Es ist immer eine gute Sache, interessierte Menschen zusammen zu bringen. Vielleicht entstehen ja jetzt noch ein paar neue Songs in nächster Zeit.


Geh in einen Kindergarten und frage die Kinder um Handzeichen:
Wer von euch kann singen? Jede Hand geht in die Höhe.
Wer von euch kann tanzen? Jede Hand.
Wer kann malen? Jede Hand.
Wer kann lesen? Vielleicht ein paar wenige Hände.

Jetzt gehe in eine 10. Klasse und frage die 16-Jährigen die gleichen Fragen:
Wer von euch kann singen? Vielleicht 1-2 Hände.
Wer kann tanzen? Ein paar.
Wer kann malen? Wieder nur einige.
Wer kann lesen? Jede Hand geht in die Höhe.

(via Dan Roam - Back of a Napkin)

Passt vielleicht dazu (wenn auch etwas abgefahren):


Contemplative Prayer Stations enthält schöne Idee zum Gestaltung von Stationen-Gebeten, inklusive Anleitung und Bildern. Sehr low-key und anwendbar. Cool.

(via Jonny Baker)


Die Entwicklung von Kirchen in Amerika von 1776 bis 2005 verdeutlichen schön die inneren Dynamiken von Bewegungen (Teil 1 und Teil 2 der Serie). Rodney Stark und Roger Finke zeigten, wie die Außenseiter (Methodisten und Baptisten) stark in den Jahren von 1776 bis 1850 wuchsen. Dann blieben die Methodisten irgendwann auf der Strecke, während die Baptisten weiter zunahmen, wie auf dem Bild zu sehen. Wie passiert das so einer dynmischen Bewegung wie den Methodisten? Warum kommen Bewegungen an so einen Knickpunkt?

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Finke und Stark beschreiben das Schicksal der Methodisten als Sekten-Kirche-Transformation. In der Soziologie ist „Sekte“ ein neutraler Begriff für neue religiöse Gruppen. Diese sind häufig reformatorisch und kritisieren Aspekte der etablierten Organisationen und stehen in einer inhaltlichen Spannung zur Umwelt. Das kann zum Wachstum führen wie bei den Methodisten und Baptisten. Irgendwann werden diese Sekten mit einer gewissen Größe zu Kirchen – was bedeutet, dass die Spannung zur Umwelt abnimmt und sie „weltlicher“ werden. Das kommt durch die größere Anzahl von Mitgliedern, dem Einfluss von mächtigen und reichen Mitgliedern wie einer zunehmend gebildeten Führungsriege - und führt zum Beenden von Verhaltensrestriktionen und radikalen Ansprüchen. Häufig entstehen dann innerhalb der einstigen Reformbewegung neue Gruppen mit reformatorischen Ansatz, was das erste Zeichen für Sekte-Kirche-Transformation ist.

Was sind dann die Faktoren, die auf einen Rückgang der Kraft von Bewegungen abzeichnen? Wie kommen Bewegungen zu ihrem Ende?

Gebildete Prediger mit irrelevanten Botschaften
Die Methodisten lösten mit der Zeit ihr System von Laien-Prediger ab mit Absolventen von Hochschulen ab, die in Gemeinden entstandt wurden. Dadurch war es nicht mehr notwendig, an jedem Ort Laien für die Leitung zu finden und Gemeindemitglieder zu aktiven Mitglieder zu fördern. Man hatte ja jetzt schlaue Köpfe, die das übernahmen. Dadurch wurden auch die emotionalen Aspekte der Verkündigung abgeschwächt, es gab weniger missionarischen Eifer und Leute, die die Mission voran trugen. Cool-headed leadership war an der Tagesordnung und führte zu weniger klaren Entscheidungen.

Verweltlichung = Verwässerung
Inhalte wurden auch weltlicher wenn sie in der Hand der Intellektuellen waren. Auf einmal war nicht mehr so klar, was es heißt, Christ zu sein. Man glaubte nicht mehr, dass ein Moment genügt, um von ewiger Verdammnis zu ewigem Leben zu kommen. Früher ging jede Predigt als evangelistische Predigt raus und die Welt war einfach. Wenn die klare Linie verloren geht, ist es auch klar schwierig, wen man mit welcher Botschaft eigentlich erreichen will oder muss.

Gleichzeitig fehlt natürlich auch der Anspruch ans Verhalten der Mitglieder. Erwartungen wurden nicht mehr klar formuliert, was man als Christen machen muss (Teilnahme an Veranstaltungen, Gabe von Opfern) und dafür wurden Moral-Aussagen aufgeweicht. Durch Erwartungen an das Verhalten werden die Lauen von den Korrekten getrennt, was denen wieder gut tut, weil sie Bestätigung haben,d ass sie aufs richtige Pferd setzen. Rodney Stark meint:

„Menschen bewerten Reiligion auf Grundlage von Kosten; und die billigste ist nicht die beste. Eine Religion, die nichts kostet, bringt dir auch nichts“.

Zentralistische Strukturen ersetzen Pioniergeist und Dynamik
Die Stärke der Außenseiter ist ihre Flexibilität und Pragmatismus. In der Transformation zu einer Kirche werden die Bewegungen zu Definitionen und zentraler Administration gezwungen. Bei den Methodisten wurde daraufhin ihr System von Kleingruppen und Laienförderung eingestellt und führte zum Abebben der Energie in der Bewegung. Der Drang nach Definitionen führt zu konsistenten Aussagen, die dann häufig die Stelle von feurigen Predigern eingenommen haben.

Die Baptisten konnten sich trotz ihres Wachstums diesen Tendenzen entziehen. In einem Vergleich von Nothern Baptists zu Southern Baptists zeigen Finke und Stark, wie die Südler sich der Professionalisierung entzogen haben und eine Spannung mit der Welt um sich herum erhalten haben. Damit sind die Baptisten im Süden weiter gewachsen, sehr stark sogar. Die Baptisten im Norden ereilte ein ähnliches Schicksal wie die Methodisten:

zentrale Strukturen -> gebildete Prediger -> weniger Laienbeteiligung -> Anpassung an Umwelt von Lehre und Moral -> Stagnation und Abnahme der Bewegung.




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